Von 'Roter Hibiskus' bis zu 'Rote Sonne, Schwarzes Land' habe ich in letzter Zeit einige Afrika-Romane gelesen. Manche waren überzeugend, andere langatmig und total überzogen. Daher war ich gespannt, was mich in 'Das Feuer der Wüste' erwarten würde.
Karen Winter entführt den Leser in das Jahr 1959: Ruth Salden ist auf der Schaffarm ihrer Eltern überaus glücklich. Mit ihren 24 Jahren ist sie lieber auf der Farm am Schuften, als sich, wie ihre Schwester einen reichen Mann zu suchen. Als die Bank plötzlich die Restschuld des Kredites zurückfordert, steht die Farm vor dem Ruin. Soviel Geld kann Ruth nicht aufbringen, aber verkaufen kann sie ihre Heimat nicht. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um den Verkauf zu verhindern und stößt dabei auf das Geheimnis ihrer Großmutter. Diese ist mit einem unbezahlbaren Diamanten verschwunden. Ruth sieht darin ihre letzte Chance und macht sich auf die Suche nach ihrer Großmutter. Unterstützung bekommt sie von dem Schwarzen Horatio und später von ihrem Verehrer Henry.
Der Einstieg in die Geschichte beginnt leicht, bildhaft und flüssig. Karen Winter hat einen bildhaften und trivialen Stil, der sich zügig lesen lässt. Ohne Probleme lernte ich Ruth, ihre Familie und das Leben auf der Farm in Mitten eines fremden Landes kennen. Die Protagonistin wird lebendig und sympathisch dargestellt. Ruth ist eine starke, junge Frau, die weiß was wie will und harte Arbeit gewohnt ist. Ihr Umgang mit den anderen Farmbesitzerin ist herzlich und bringt beim Lesen das eine oder andere Lächeln aufs Gesicht. Auch die anderen, anfänglichen Charaktere sind auf ihre Art und Weise liebevoll gestaltet. Dieser Einstieg zeigte zwar die Trivialität des Werkes. Leichte Kost ohne Tiefgang, eben etwas für zwischendurch.
Ich merkte gar nicht, wie die Seitenzahlen voranschritten. Das Leben auf der Farm war angenehm zu verfolgen und die landschaftlichen Beschreibungen ließen die Weite und Schönheit des Landes erahnen. Zwar passierte nichts spannendes oder wirklich packendes, aber die Leichtigkeit war eine gelungene Abwechslung und gefiel mir anfänglich sehr gut. Mit dem Fortschreiten des Werkes kam ich jedoch immer wieder an Stellen, wo ich mich über die Autorin wundern musste. Es werden Tatsachen dargeboten, Wendungen eingebaut, die ich alles andere als logisch empfand. So lief die Geschichte am Anfang logisch und interessant vor sich hin. Wie Ruht allerdings auf das Geheimnis stößt und die Beweggründe, warum sie am Ende loszieht und sich auf die Spuren ihrer Großmutter macht, sind an vielen Stellen unausgereift und lassen darauf schließen, dass Karen Winter keine andere Idee hatte, wie sie plötzlich auf eine andere Spur kommen sollte. Ab diesem Punkt wurde das Buch einfach nur zu einer Enttäuschung. Es ließ sich zwar immer noch flüssig und bildhaft lesen, aber der Reiz war für mich verflogen. Statt auf schöne Beschreibungen setzte die Autorin auf Esoterik. Ständig bekam Ruth, die nie an so etwas glaubte, Verbindungen zu ihren Vorfahren. Dazu veränderte sich das bodenständige Verhalten von Ruth in Naivität. Es passte so gar nicht zu dieser Protagonistin, die ich bis dahin ganz anders kennengelernt hatte.
Neben der Esoterik und der Suche nach dem Geheimnis ihrer Großmutter, baut Karen Winter eine kleine Liebesgeschichte ein. Die betreffenden Protagonisten wirkten auf mich aus den Fingern gesogen und alles andere als passend. Sie wurden oberflächlich beschrieben, sodass ich immer wieder neue Überraschungen erlebte.
Zum Schluss hin wurde das Buch immer absurder und nahm Wendungen an, die mir die Haare sträubten. Das Geheimnis wurde gelöst, aber augenscheinlich fehlte der Autorin die passende Idee, den Schluss noch etwas auszubauen und dabei spannend erscheinen zu lassen. Dabei setzt sie auf übertriebene Spannung mit einem Hauch kitschiger Romantik.
Bei einem so schönen Einstieg war ich schon arg enttäuscht, wie die Geschichte sich bis zum Ende immer deutlicher verschlechtert. Von der anfänglichen Bodenständigkeit war am Ende nichts mehr vorhanden. Trotzdem hatte es die Autorin mit ihrem leichten Stil geschafft, dass ich diese vorhersehbare Buch unbedingt zu Ende lesen wollte.
Mit dem Stil konnte die Autorin mich überzeugen, auch wenn sie viele Klischees von 'Weißen' und 'Schwarzen' einbaute. Der Inhalt wurde immer schlechter und bestach durch falsche Fakten. Wenn ich mir schon ein fremde Land auswähle und vergangene Zeit verwende, dann sollte jeder ausführlich recherchieren. Gerade die Lektoren bei einem so bekannten Verlag hätten erkennen müssen, dass die Fakten gänzlich falsch sind. Selbst ich als Laie habe sie sofort bemerkt. Zum Beispiel ist Namibia nicht wie im Buch beschrieben schon Namibia, sondern wurde dies erst 1990. Zwischen 1919 und 1990 war es als Südwestafrika oder Südwest bekannt. Mit den anderen Fakten, die sich auf die Nama-Aufstände 1905 oder die SWAPO beziehen, kenne ich mich nicht so genau aus. Daher vertraue ich auf die Fakten, die sie auf interessante Art und Weise in die Geschichte einbaut.
Auch wenn mir der Erzähl-Stil gefällt, bin ich mit dem Verlauf der Handlung und den falschen Fakten, nicht einverstanden. Ein solches Buch könnte ich nicht mit gutem Gewissen empfehlen.
===Bewertung===
Der Zauber, den andere Afrika-Romane vermitteln, geht sehr schnell verloren und wird durch Esoterik und absurde Wendungen ersetzt. Da kann die Protagonistin am Anfang noch so sympathisch und der Einstieg noch so schön sein, wenn dieses leichte, aber schöne Niveau nicht gehalten werden kann, bekommt das Buch nur zwei Sterne.