Audiobook-Rezensionen
Wenn einer wie er aus seinem Leben erzählt, ist es ohne Zweifel für jeden eine Bereicherung zuzuhören. Erwin Chargaff, Biochemiker und Gelehrter im alten Sinne, war vor 1945 maßgeblich an der Entschlüsselung der DNA beteiligt. Seit dieser Zeit hat er immer wieder laut vernehmlich vor dem wahnwitzigen Fortschrittsoptimismus und der Überschreitung einer Schranke durch die Wissenschaft gewarnt. Den Mythos der Gentechnik hat er in zahlreichen Veröffentlichungen angeprangert. 1981 erschien seine Autobiographie "Das Feuer des Heraklit", aus der er hier einige Kapitel vorträgt.
Erwin Charfaff wurde 1905 Czernowitz, einer Provinzstadt der österreichischen Monarchie geboren. Der Sohn einer jüdischen Bankiersfamilie studierte zwischen 1923 und 1928 in Wien Chemie und Literaturwissenschaft. Dort starb sein Vater, seine Mutter wurde in ein Konzentrationslager verschleppt. Ab 1934 war Chargaff in New York an der Columbia University tätig. Im Jahr 1945 entdeckte er die Basenkomplementarität bei der DNA.
In den Auszügen, die Chargaff vorträgt wird unablässig deutlich, wie sehr er den stetig anwachsenden Verlust von Menschlichkeit in den Naturwissenschaften beklagt. "Genetische Bastelsucht", die Dominanz von technischer Machbarkeit und die "Jagd nach Macht" führen ihn zu folgendem Schluss: Unsere Art von Wissenschaft ist eine Krankheit des westlichen Geistes.
Erwin Chargaff zuzuhören, wie er als 96-Jähriger seine eigenen Gedanken vorträgt - im Hintergrund die Straßengeräusche seiner New Yorker Wohnung - schenkt ein Gefühl von Zuversicht. Seine Sprache mit den wunderschönen, heute schon etwas antiquierten Wörtern macht diese Autobiographie zu einem kleinen Juwel. Autorenlesung mit Musik von Johann Sebastian Bach, Spieldauer: ca. 88 Minuten, 1 CD. Mit Booklet.
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-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Kurzbeschreibung
Erwin Chargaffs Autobiographie ist die Selbstdarstellung eines gläubigen Zweiflers: er glaubt an die Natur, aber er zweifelt an den Naturwissenschaften, wie sie heute betrieben werden, und zwar radikal. Sie sind zu mächtig geworden, zu sehr den Forderungen der Technologie unterwürfig, zu unübersichtlich und zu undurchsichtig.
Der Autor über sein Buch
"Zwei verhängnisvolle wissenschaftliche Entdeckungen haben mein Leben gezeichnet: erstens die Spaltung des Atoms, zweitens die Aufklärung der Chemie der Vererbung. In beiden Fällen geht es um Mißhandlung eines Kerns: des Atomkerns, des Zellkerns. In beiden Fällen habe ich das Gefühl, daß die Wissenschaft eine Schranke überschritten hat, die sie hätte scheuen sollen."
Über den Autor
Erwin Chargaff, Prof. Dr. phil., geboren 1905, gestorben am 20. Juni 2002 in New York. In den Jahren 1923 bis 1928 Studium der Chemie in Wien. Von 1935 an der Columbia University, New York, tätig. Seit 1952 Professor der Biochemie, 1970 Direktor des Biochemischen Instituts. Zahlreiche wissenschaftliche Auszeichnungen und Ehrendoktorate.