10 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Späte Reue, 29. April 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Feuer des Heraklit: Skizzen aus einem Leben vor der Natur (Gebundene Ausgabe)
Erwin Chargaff, der Entdecker der Basenkomplementarität in der DNS, gilt als einer der Urväter der Gentechnik. In seiner Autobiographie aus dem Jahr 1979 rechnet er mit seiner Vergangenheit und der (damaligen) Zukunft der Gentechnik ab. Chargaff erging es somit ähnlich wie Albert Einstein - vergleichbar Goethes Zauberlehrling wurde er die Geister die er rief nicht mehr los. Was er in Bewegung gesetzt hatte entwickelte sich in eine Richtung die er nur mehr ablehnen konnte.
Als einer der wesentlichsten Sätze bleibt hängen: " Zwei verhängnisvolle wissenschaftliche Entdeckungen haben mein Leben gekennzeichnet: erstens die Spaltung des Atoms, zweitens die Aufklärung der Chemie der Vererbung. In beiden Fällen ging es um Misshandlung des Kerns: des Atomkerns, des Zellkerns. In beiden Fällen habe ich das Gefühl, dass die Wissenschaft eine Grenze überschritten hat, die sie hätte scheuen sollen."
Immer wieder kommt der spöttische, bittere und polemische Stil, seines Lehrers und Freundes Karl Kraus durch. Ein technologiekritisches Buch das trotz seines Alters noch immer Gegenwartsbezug hat und durchaus lesenswert ist.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein
5.0 von 5 Sternen
Ein sehr interessantes Buch ..., 30. Januar 2011
Rezension bezieht sich auf: Das Feuer des Heraklit: Skizzen aus einem Leben vor der Natur (Gebundene Ausgabe)
..., welches nur schwer aus der Hand zu legen ist, hat man erst einmal begonnen, darin zu lesen.
Einer meiner Mathematik-Professoren sagte einmal, er hätte besser Germanistik (v.A. Goethe) studieren sollen. Auch bei Chagraff liegt eine ähnliche Situation vor.
Ohne irgendwelche tieferen Kenntnisse über die Chemie gehabt zu haben sozusagen hineingerutscht in diesen Bereich, wohl auch, weil viele andere Studienfächer nach dem Ausschlussprinzip nicht in Frage kamen.
Was er dann jedoch geleistet hat zeigt das Potential eines Universalisten. Fragestellungen bis ins Detail zu verfolgen, ohne auf schnellen Ruhm zu achten, Interesse vorwiegend an der Sache orientiert, und nicht an Prestige etc., das findet man nur noch selten.
Wie meist, gepaart mit Kulturpessimismus.
Einem solchen Menschen wie Chagraff möchte ich nicht begegnen, angesichts der ethischen Integrität, welche dieser Mann hatte, da käme ich mir so klein und unbedeutend vor, so heuchlerisch in meiner Art, wie ich mich selber in diesem System eingerichtet habe, welches Chagraff entlarvend offenlegt.
Defragmentierung der Inhalte/Themen, mit welchen sich die Wissenschaftler heute beschäftigen führt zu spezalisiertem Nichtwissen.
Eine solche Situation, wie wir sie derzeit vielleicht in den Ernährungswissenschaften und in der Medizin haben:
Wo sind Leute vom Schlage etwa eines Bircher-Benner, oder Konrad Lorenz ?
Ein zutiefst anregendes Buch, welches insbesondere für Pessimisten geeignet erscheint, als detaillierte Bestätigung der derzeitigen Situation.
Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
War diese Rezension für Sie hilfreich? Ja
Nein