Das fesselnde Buch des bekannten peruanischen Schriftstellers verdient seine vier Sterne. Es ist trotz seines Umfanges (538 Seiten) ein Muß für alle Besucher der Dominikanischen Republik, die über Trivialinformationen hinaus mehr über die nahe Vergangenheit ihres Reiseziels erfahren wollen.
Die 49 jährige New Yorker Anwältin Urania kehrt nach langen Jahren des Exils in den Vereinigten Staaten von Amerika nach Santo Domingo zurück, auf die Insel, die sie eigentlich nie wieder betreten wollte. Sie findet ihren Vater, den einstigen Senatspräsidenten und Günstling des dominikanischen Diktators Trujillo, stumm und im Rollstuhl vor. Auf ihre heftigen Vorwürfe hin blickt er sie nur starr an. So bleibt sie allein mit ihren Erinnerungen an die Zeit der Willkür und das traumatische Ereignis, das ihr im Alter von 14 Jahren widerfuhr. Ihr in Ungnade gefallener Vater hatte dem Großen Wohltäter ihre Entjungferung für seine Rehabilitation angeboten.
Uranias Rückschau führt uns auch in das Frühjahr 1961, als die Hauptstadt noch Ciudad Trujillo hieß. Der Diktator steht im 31. Jahr seiner Herrschaft, ihm gehört mehr oder minder das ganze Land. Gestützt auf seinen Repressionsapparat - bestehend aus ihm treu ergebenen Marionetten - übt er ohne die geringsten Skrupel Gewalt aus, wenn sie ihm nutzt. Doch weiß er den Gebildeten und der Oberschicht gegenüber auch seinen Charme und seine intellektuelle Überlegenheit auszuspielen. Während er seine Position gegenüber Militär, Kirche und gegenüber dem in der Karibik allgegenwärtigen Einfluß der USA zu wahren sucht, wird ein Attentat auf ihn ausgeübt.
Ein packender Roman über den Diktator Rafael Leónidas Trujillo, der von 1930 bis 1961 die Dominikanische Republik beherrschte. Obwohl der Leser bei historischen Kontexten nie vollständig wissen wird, bis zu welchem Ausmaß der Autor Fiktion und Fakten vermengt hat, erscheint die Darstellung als sehr realistisch. Zwei Handlungsstränge führen durch das spannende Geschehen. So läßt der Autor Urania in einen Dialog mit ihrem alten Vater eintreten, was ihm zahlreiche Rückblenden auf Trujillos Schreckensregime und dessen so raffinierte wie brutale Methoden ermöglicht. Parallel dazu warten die Attentäter auf ihr Opfer, das sich im sogenannten Mahagoniehaus einen schönen Abend machen will, und erinnern sich an all ihre Erfahrungen mit dem Diktator, der sie oft genug gedemütigt und ohne jegliche Hemmungen Familienmitglieder von ihnen hat töten lassen.
Vargas Llosas Stil mit langen verschachtelten Sätzen stört das Lesevergnügen nicht. Zu spannend ist die Handlung, zu beklemmend die Schilderung des menschlichen Machtzentrums und seines Mechanismus. Überaus interessant auch die Ausführungen zum ungeliebten Nachbarn Haiti, der von 1822 bis 1844 schon einmal die gesamte Insel Hispaniola beherrscht hat. 1937 kam es - von Trujillo initiiert - nahe der Stadt Dajabon zu einem Massaker an etlichen Tausenden Haitianern, die regelmäßig als Erntearbeiter in den Nachbarstaat im Osten gingen.