Aus der Amazon.de-Redaktion
Was also treibt einen ausgemachten Thriller-Spezialisten wie den US-amerikanischen Bestseller-Autor John Grisham dazu, sich ausgerechnet dem schneeweißlich überzuckerten Familienidyll zu verschreiben? Ganz offensichtlich wohl der Umstand, dass dieses fragile Idyll, nicht nur in Amerika, jederzeit in wenn schon nicht tödliche, so doch zumindest grausame Zwistigkeiten ausarten kann. In Das Fest erfährt das die Familie Krank, deren Oberhaupt nach der Eröffnung von Tochter Blair, dieses Jahr in der Fremde zu weilen, ihre Chance gekommen sieht, den überaus hohen Ausgaben für Geschenke sowie für Häuserschmückung und -beleuchtung (!) von über 6.000 Dollar zu entgehen und stattdessen mit seiner Frau eine Reise in karibische Gefilde zu unternehmen. Aber die Flucht vor dem Fest (Skipping Christmas lautet der treffende Originaltitel) gestaltet sich schwieriger als erwartet: Tatsächlich hat man die Rechnung ohne die lieben Nachbarn gemacht, die den Preis für die am festlichsten geschmückte Straße gewinnen wollen. Und dann meldet sich zu allem Überfluss auch noch überraschend Blair zurück.
Bei der Titelübersetzung des neuen Grisham hat sich der Heyne-Verlag, wohl aus marktstrategischen Erwägungen, bewusst an spannenden Verkaufserfolgen wie Die Farm oder Die Jury gehalten: Auf diese Weise sollen Fans offenbar zu einem Kaufrausch animiert werden, den der Inhalt dieses Romans gerade kritisiert. Aber damit werden falsche Erwartungen geweckt, die nur enttäuscht werden können. Denn Das Fest ist kein packender Thriller, sondern ein teils überaus vergnüglich (und immer leicht) zu lesendes Buch nicht zuletzt über die psychologischen Zwänge einer Gemeinschaft zur Weihnachtszeit. Allein deshalb ist es typisch für Grisham. --Thomas Köster -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Amazon.de-Hörbuchrezension
Ein Ehepaar beschließt (die Tochter ist aus dem Haus): Weihnachten fällt dieses Jahr aus, die 6.000 Dollar stecken wir lieber in eine Kreuzfahrt! Das geht dann gründlich schief. Eine lustige Story (mit Happyend), die nebenbei zeigt, wie nah die USA uns sind, was Weihnachten betrifft.
Charles Brauer -- wer fernsieht, kennt ihn noch als Tatort-Kommissar an der Seite von Manfred Krug -- ist inzwischen so etwas wie der Vorleser schlechthin geworden. Hier hören wir ihn mit einer speziellen Heiligabend-Stimme voller Ironie von den Seltsamkeiten unserer Weihnachtswelt berichten.
P.S.: Selbstverständlich dürfen Sie den Kassetten bereits im Advent lauschen, und gut geeignet ist die Geschichte auch für die satten Tage zwischen den Jahren. --Michael Winteroll
Lesung; 3 MCs; Gesamtspieldauer: 295 Minuten; statt Booklet knapper Klappentext. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
Kurzbeschreibung
Wie wäre es, Weihnachten einmal ausfallen zu lassen? Der Weihnachtsboykott wird für das amerikanische Ehepaar Luther und Nora allerdings zu einem regelrechten Spießrutenlauf, verstößt er doch gegen die gesellschaftlichen Konventionen ihrer kleinen Gemeinde. Mit seiner urkomischen Weihnachtskomödie beweist John Grisham, dass er auch als Humorist ein Meister ist.
Klappentext
Süddeutsche Zeitung
Über den Autor
Auszug aus Das Fest von John Grisham, Michelle Pyka. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
lehnten an den Wänden, da die magere Anzahl von Plastikstühlen schon
lange besetzt war. Obwohl jede der hier startenden und landenden Maschinen
mindestens achtzig Passagiere beförderte, gab es im Wartebereich lediglich
Sitzgelegenheiten für ein paar Dutzend.
Ungefähr tausend Menschen schienen den 19-Uhr-Flug nach Miami gebucht
zu haben. Alle waren dick eingemummelt, schwer beladen und hatten
sich gerade noch durch den Stadtverkehr, die Eincheckschalter und
die Massen in der Abflughalle gekämpft. Nun strahlten sie kollektiv
eine gedrückte Stimmung aus. Es war der Sonntag nach Thanksgiving,
also einer jener Tage im Jahr, an denen es auf den Flughäfen besonders
hektisch zuging. Und während die Menschen rempelnd und schubsend weiter
auf den Flugsteig vordrangen, fragten sich viele von ihnen nicht zum
ersten Mal, warum sie sich ausgerechnet diesen Tag für ihre Reise
ausgesucht hatten.
Einige lächelten mit verkrampfter Miene. Andere versuchten zu lesen,
was jedoch in all dem Gedrängel und Lärm so gut wie unmöglich war.
Wieder andere starrten teilnahmslos zu Boden. In der Nähe läutete
ein spindeldürrer schwarzer Weihnachtsmann penetrant seine Glocke
und leierte monoton immer wieder "Fröhliche Weihnachten" herunter.
Eine dreiköpfige Familie näherte sich, blieb jedoch beim Anblick der
Menschenmassen am Eingang des Flugsteigs stehen. Die Tochter war jung
und hübsch. Sie hieß Blair, und es war offenkundig, dass sie auf eine
Reise gehen würde. Im Gegensatz zu ihren Eltern. Die drei betrachteten
die Menschenmenge und fragten sich dann ebenfalls im Stillen, warum
es unbedingt dieser Tag hatte sein müssen.
Die Abschiedstränen waren bereits geweint - wenigstens zum größten
Teil. Blair war dreiundzwanzig, frisch gebackene Jungakademikerin
mit einem ansehnlichen Diplom in der Tasche, aber noch nicht willens,
sofort eine berufliche Laufbahn einzuschlagen. Eine ihrer Freundinnen
befand sich gerade mit dem Friedenskorps in Afrika, was Blair dazu
bewogen hatte, die nächsten zwei Jahre ihres Lebens ebenfalls in den
Dienst der Nächstenliebe zu stellen. Ihre Aufgabe würde darin bestehen,
den Kindern von Eingeborenen in Ostperu das Lesen beizubringen. Sie
würde dort in einer Hütte ohne sanitäre Anlagen, ohne Strom und ohne
Telefon wohnen. Blair konnte dies alles kaum erwarten.
Sie würde zuerst nach Miami fliegen und von dort aus nach Lima. Anschließend
musste sie noch drei Tage lang mit dem Bus fahren, in die Berge, in
ein vergangenes Jahrhundert. Zum ersten Mal in ihrem jungen, behüteten
Leben würde Blair Weihnachten nicht zu Hause verbringen. Ihre Mutter
klammerte sich fest an ihre Hand und bemühte sich um Fassung.
Sie hatten sich bereits mehrfach verabschiedet. Die Frage: "Bist du
sicher, dass du das auch wirklich willst?" war zum hundertsten Mal
gestellt worden.
Blairs Vater Luther betrachtete die Menschenhorden mit finsterem Blick.
Was für ein Wahnsinn! Er hatte Frau und Tochter vor dem Eingang des
Flughafens aussteigen lassen und den Wagen dann meilenweit entfernt
auf einem Park-and-ride-Platz abgestellt. Dann war er in einem überfüllten
Shuttlebus zurück zur Abflughalle gefahren und hatte sich zu diesem
Flugsteig durchgeboxt. Er war traurig darüber, dass Blair fortging,
und verabscheute all diese herumwimmelnden Leute. Luther hatte ausgesprochen
miese Laune. Aber es sollte noch schlimmer kommen.
Einige gehetzt wirkende Mitglieder des Bodenpersonals erschienen, worauf
die Passagiere sich langsam wieder in Bewegung setzten. Der erste
Aufruf erklang. Behinderte, Gebrechliche und die Reisenden der ersten
Klasse wurden gebeten, sich bereitzuhalten. Die Drängelei erreichte
die nächsthöhere Stufe. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.