Anfangs dachte ich, wie teuer! Aber das war dann mal eine Investition, die ihren Preis wert war! Der Roman ist dicht, aufregend, erotisch, philosophisch und erkenntnisreich. Ob die Autorin eine HSP (hypersensible Person) ist? Jedenfalls beschreibt sie das Ferrari-Syndrom, an dem ihre Heldin Tilia leidet, gleich dem HSP-Syndrom. So lässt uns die Autorin Tilias Marsch durch die Hölle der Reizüberflutung miterleben. Und wie! Ist die Sprache am Anfang manchmal sprunghaft, wie wohl ein stolperndes Herz, so wird sie am Ende flüssiger, weicher und sogar humorvoll, Tilia ist im Einklang mit sich selbst. Ich bekam körperlich zu spüren, was Tilia bewegte, ich fühlte ihre Entwicklung. Anfangs sieht sie sich ja zwischen den Welten, nirgendwo passend, nirgendwo dazugehörig. Mobbing, sexuelle Exzesse, rasante Abenteuer, Lügen und Verzweiflung treiben sie schließlich in die Depression, aus der heraus sie ihr Leben betrachtet. Wahre Zufriedenheit fand Tilia bisher nicht, und die Liebhaber nutzten sie letzten Endes auch nur aus. Ihre leichte Erregbarkeit, ihr intensives Gefühlsleben und ihr Wunsch nach Zugehörigkeit ließen sie immer wieder in den Sog männlicher Dominanz geraten. Während zu Beginn das Ferrari-Syndrom Tilias Leben bestimmt, ist am Ende der Ferrari selbst der Treibstoff für Tilias Befreiung. Sie macht ihre "Schwächen" zu Stärken, indem sie die nun für sich selbst einsetzt - auf einem neuen Weg, den ich absolut nachvollziehen kann. Dieser Roman, puh, hat mich mitleiden lassen, aber auch mitlachen. Danke, dass uns endlich jemand versteht!