Phantastisch, plausibel, verstörend.
Kenne und schätze den Autor von seinen Lesebühnenauftritten in Berlin. Aber so einen umwerfenden Roman hätte ich ihm nicht zugetraut. Sprachlich eher unauffällig eröffnet sich beim Lesen von "das Fehlerchen" auf jeder Seite mehr und mehr klammheimlich eine Weltsicht, die zumindest für mich am Ende in etwas gipfelte, das ich nicht anders als eine Erleuchtung nennen kann. Nicht falsch verstehen. Das Buch enthält keine esoterischen oder religiösen Apelle. Ganz im Gegenteil. Es ist kompromisslos logisch. Vom Genre lässt es sich vor allem im ersten Teil als eine Science-Fiction Geschichte bezeichnen. Es geht um den Paketzulieferer Anselm Hagen, eine Teleportationsmaschine, eine hübsche Frau, Geld, Macht und ein winziges Fehlerchen im System. Mehr muss man eigentlich nicht sagen, sonst wird die Überraschung verdorben. Die Handlung ist gespickt mit witzigen, absurden und manchmal auch ziemlich makabren Szenen sowie wirklich originellen Wendungen. Ohne auf nähere Details einzugehen, vermittelt sich ein kleiner Eindruck von der Einzigartigkeit des Romans schon dadurch, dass darin der Protagonist mehr als 500 Mal ums Leben kommt. Das dürfte Rekord sein. Der Clou und die tiefere Bedeutung entwickelt sich aber erst ab dem 2. Drittel des Buchs, wo die Geschichte einen Weg einschlägt, der weit über das hinausgeht, was man üblicherweise von Unterhaltungsliteratur erwarten kann. Gewaltiger Aha-Effekt garantiert, versprochen.