Für alle, die gute deutschsprachige Fantasy lesen wollen, kann man diesen Roman durchaus empfehlen. Es ist, wie merhfach gesagt, gute Handwerksarbeit mit klassisch vorgefundenen und gut verwendeten Standard-Elementen und plastischer, flüssig erzählter Handlung, die es an Spannung nicht mangeln lässt. Eine nähere Betrachtung offenbart aber mehr.
In der Tat ist das Setting ein sehr klassisches Fantasy-Setting, um es noch deutlicher zu formulieren, ein klassisches Rollenspiel-Setting.
Ein einsamer, zugeschneiter Gasthof hoch in den Bergen an der Grenze zu anderen Reichen und auf den Fundamenten älterer Zivilisationen. Man sieht: Fantasy.
Ein abgeschlossener Handlungsraum mit einer begrenzten Anzahl an Personen verschiedener, leicht deutbarer Handlungshintergründe, dazu eine begrenzte Zahl (noch) unergründlicher Charaktere. Ein Mörder, den es zu finden gilt und der inmitten des Gasthofes lauert. Man sieht: ein klassisches Rollenspielszenario.
In der Tat wurzelt die Geschichte irgendwo dazwischen, verwendet beides immer wieder und durchaus plausibel, kann auch erstaunliche Hintergründe historischen Fachwissens aufweisen und erstaunlich flüssig mit in den Erzählgang einbauen, hat z.B. durchaus klare Vorstellungen von mittelalterlichen Wohn- und Lebensgepflogenheiten und führt, wenn man genau darauf achtet, auch in die Grundbegriffe der Numismatik (Münzkunde) ein. Daneben sind feudale Strukturen und althergebrachte Gottesvorstellungen eingebaut, die ebenfalls gut recherchiert sind. Ob man das in einem Fantasy-Setting haben will, ist Geschmackssache, stören tut es nicht.
Die Handlung ist, wie gesagt, derart flüssig und konzentriert erzählt, dass es einem nicht schwer fallen dürfte, das Buch an einem Stück zu verschlingen, der Handlungsbogen ist geschickt mit Spannung versetzt, die leider manchmal, da gebe ich einem Vorrezensenten recht, in Hohlbeinsche Manier abdriftet. Aber das mag für einen Newcomer auf dem Gebiet auch durchaus ein Kompliment sein, mit Hohlbein verglichen zu werden.
Alles in allem also gute Arbeit.
Leider gibt es aber doch einige negative Punkte, die auch schon angesprochen wurden. Dem Autor gelingt es sichtlich nicht immer, die Anleihen aus anderen Fantasy-Settings (die durchaus gestattet sind) kreativ umzuarbeiten und schlittert manchmal arg in eine klischeehafte Beschreibung ab. Gerade die Beschreibung der Zwerge klingt sehr nach Standardliteratur und auch andere Beschreibungen von Fantasy-Rassen könnte man genauso auch anderswo gelesen haben. Positiv dagegen ist die Einbindung eines Magiesystems, das relativ kreativ dasteht. Was aber meines Erachtens stärker ins Gewicht fällt ist die Geschichte selbst, deren Entwicklung manchmal etwas drastisch harmonisch und bunt wird, so z.B. die Liebesgeschichte um die Hauptfiguren oder die Wirtstöchter.
Insgesamt muss ich anmerken, dass das in den ersten Kapiteln kreierte Potential an darkfantasy später kaum mehr genützt, manches sogar schnell wieder über den Haufen geworfen wird, sodass dann doch klassische heroische Fantasy in den üblichen Schilderungen und einer am Ende eher weniger überraschenden Story präsentiert wird. Darkfantasy hätte mir hier besser gefallen und auch besser zum Setting gepasst, gerade weil die ersten Anklänge derart vielversprechend waren. Die Horror-Einlagen wirken später nicht mehr glaubhaft. Meine Erachtens, aber das ist natürlich Geschmackssache, ebenfalls eine Prise zu viel Hohlbein.
Die besten Passagen des Romans sind die Kapitel zwei bis elf. Da kribbelt es bei allen Fantasy-Freunden.