Die Haupthandlung ist schnell erzählt: Vhara, die aus ihrem Volk vertriebene Priesterin, beschwört aus einer Art Vulkan Feuerkrieger herauf, die zahlreiche Häuser niederbrennen, und die Gefährten rund um die Halbelfe Ajana befinden sich auf einer langen Wanderung durchs Gebirge, um diese Feuerpriesterin aufzuhalten.
Daneben gibt es einige weitere Handlungsstränge und Perspektiven. Eine davon erfährt man im Prolog (wer diesen spannend findet, muss aber noch keineswegs den Großteil des Buches spannend finden) und dann gibt es "Füll"-Szenen über eine Person namens Kelda, die weder an sich sonderlich interessant sind und auch nichts zur Handlung beitragen (zumindest, wenn man wie ich den ersten Teil nicht gelesen hat, wird man so empfinden).
Für 500 Seiten gab die Handlung aus meiner Sicht nicht genügend her, 300 Seiten hätten ausgereicht, um alles Wichtige zu erzählen. Es gibt mehrere "Füll/Warte"-Szenen, die die Handlung nicht voranbringen.
In der Sprache wechseln sich einfache Sätze mit ästhetisch-kraftvollen Sätzen ab. Auf der einen Seite gibt es also viele jugendbuchartig-simple Sätze wie: "Maylea war wie erstarrt.", auf der anderen Seite sind auch poetische Sätze nicht selten: "Das Heulen verklang in der windstillen Nacht. Dann schwoll es wieder an und zerriss das Schweigen, klagend und schrill."
Allerdings kann der Vielleser viele kraftvolle Sätze auch als klischeebelastet empfinden. Ob "Das Herz hämmerte ihr wie wild in der Brust, und eisige Furcht schoss ihr durch die Glieder." noch Kunst ist oder mittlerweile zum Können diverser Nachwuchsautoren gehört, ist so eine Sache.
Alles in allem passt die Sprache aber gut zur Welt, schafft eine angenehm ästhetisch-high-fantasyhafte Atmosphäre und bekommt von mir mehr Pluspunkte als Figuren und die Handlung. Die Schurkin Vhara war für mich noch die interessanteste Figur, alle anderen waren für mich persönlich nichts Besonderes. Dazu muss allerdings dringend gesagt werden, dass im Tolkien-Stil es generell sehr schwer haben, mich zu begeistern.
Annette Scholonek