"Dallas" war vermutlich die Mutter aller Familienserien, und gerade bei den Guldenburgs sind die Parallelen offensichtlich, nur daß die Handlung nach Norddeutschland verlegt wurde - ja, und es geht um Bier statt um Erdöl, um Adlige statt um amerikanische Millionäre usw.
Glücklicherweise habe ich keinen Bekannten getroffen, als ich mir vor kurzem die Komplettbox gekauft habe - es ist eines meiner "guilty secrets", daß ich diese Serie mag. Natürlich ist sie seicht, aber das haben Vorabendserien halt so an sich - leichte Unterhaltung, genau das Richtige nach einem harten Arbeitstag. :)
Zu der Handlung so einer Serie muß man eigentlich nicht allzuviel sagen, da es ja immer um dasselbe geht - Intrigen noch und nöcher.
Die großen Pluspunkte der Guldenburgs sind: Das Lokalkolorit mit den schönen Aufnahmen von Schloß Wotersen und Umgebung (später dann ein paar Bilder von Rio de Janeiro) und die phantastischen Schauspieler, allen voran Brigitte Horney und Winfried Baasner. Die alte Matriarchin und der Bösewicht spielen alle anderen an die Wand, und die
Fieslinge á la J. R. Ewing sind ja ohnehin immer viel interessanter als die Guten.
Einen weiteren dicken Bonuspunkt gebe ich dafür, wie mit zwei ungewollten Schwangerschaften umgegangen wird! Eine Frau treibt ab, die andere bekommt das Kind und gerät in einen Haufen Schwierigkeiten - sie müssen sich entscheiden und die Folgen tragen, das Problem wird nicht - wie sonst in jeder Seifenoper - mit dem bequemen Ausweg Fehlgeburt "erledigt"!
Eine höchst undankbare Rolle hat dagegen Christiane Hörbiger - eine gute Schauspielerin, die eine Menge kann, die aber hier eine absolute Langweilerin verkörpern muß - "Christines" endloses Leiden und ihr Getue sind nicht zum Aushalten, man freut sich diebisch, als ihre beste Freundin Aenne ihr die Meinung geigt - es hat fast den Anschein, als hätten die Drehbuchautoren den Jammerlappen nicht mehr ertragen, den sie doch selbst erschaffen hatten! Die ersten Gehversuche einiger Jungstars finde ich auch interessant.
Das Wiedersehen mit den späten 1980er Jahren ist auch ganz lustig, vor allem die klobigen Telefone mit Wählscheibe wirken heute ungeheuer altmodisch - und die Klamotten und Frisuren von "Kitty" und erst recht die Schulterpolster von "Fräulein Reinders" sind ein deutlicher Beleg dafür, daß die Achtziger das häßlichste Jahrzehnt aller Zeiten waren.