So ganz kann sie es nicht lassen- drei der Nebenfiguren landen am Ende des Buches- ja wo wohl- in Venedig.
Aber das ist schon die einzige Erinnerung an die bisherigen historischen Romane von Charlotte Thomas. Nein, so stimmt das natürlich nicht- die einzige inhaltliche Erinnerung. Charlotte Thomas hat zwar Zeit und Ort ihrer bisherigen Werke verlassen und führt uns in das Köln des 13. Jahrhunderts (echtes Mittelalter diesmal!) aber ihre erzählerische Qualität, ihre Zeichnung der Protagonisten, der Umgebung, ihre Fähigkeiten eine Geschichte zu erzählen und dabei Geschichte zu vermitteln, die hat sie in diese Zeit und an diesen Ort mitgenommen.
Die Zeit in der die Zünfte erstarkten und den Kampf gegen die reichen Kaufmannsfamilien in der Stadtführung suchten, als Handwerker das Selbstbewusstsein entwickelten und die Kaufleute wiederum gegen den Stadtherrn, den Erzbischof, aufbegehrten. Die Zeit nach dem Kreuzzug des heiligen Ludwig, der so brutal gescheitert war- das ist der Hintergrund der Geschichte der Brauerin Madlen. Die Zunft der Brauer- die damals zu Köln noch Bruderschaft hieß- hatte strenge Regeln, eine Witwe kann den Betrieb weiterführen wenn der Ehemann das erbrechtlich geregelt hatte, ansonsten bleibt ihr ein Jahr, wenn sie in der Zeit keinen Brauer heiratet wird der Betrieb geschlossen, das Braurecht verfällt. Madlens Ehe war jung, an Tod und Erbrecht noch kein Gedanke, als der Ehemann durch Mord zu Tode kommt. Madlen muss kämpfen, für sich, ihre Freiheit und ihre Liebe- das alles aber nicht in Form einer historisierenden Schnulze, sondern lebensbunt in der Zeit geschildert. Die Nöte einer Handwerkerin und die eines Ritters, der als solcher ausgebildet nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft eine veränderte Welt findet- die Familie tod und vertreiben von der Lehnsburg, recht- und heimatlos zum Raubrittertum verurteilt. Wie die beiden wirklich zueinanderfinden und eine gemeinsame Zukunft aufbauen können, das ist absolut lesens- und empfehlenswert.