Einen stillen Film zu machen ist weitaus schwieriger als einen mit Action und Knallereien befrachteter Streifen: Man hat nur die Bilder, Dialoge, kaum Handlung und die eigene Wahrnehmung. Die Geschichte muss sich quasi selber tragen, ohne jeden billigen Effekt. Das verlangt nach grosser Kunst. Wie ist das bei diesem Film herausgekommen?
Ich mag die Bücher von Tiziano Terzani sehr gerne, vor allem sein "Noch eine Runde auf dem Karussell" hat es mir angetan, und so war ich gespannt auf diesen Film. Die grossartigsten Momente erlebte ich, wenn rein gar nichts geschah. Beispielsweise die Episode, als Terzani (Bruno Ganz) allein auf dem Berg oben sitzt und ins Tal hinab schaut, nur der Wind streift über die Hügel, zum letzten Mal wird er hier sein, der Tod ist nicht mehr weit. Oder als er mit grosser Achtsamkeit eine Blume abschneidet. Oder in den vielsagenden Pausen innerhalb der Dialoge zwischen ihm und seinem Sohn Folco. In solchem Momenten ist dieser Film ganz wunderbar. Bruno Ganz ist in meinen Augen visuell grossartig, da genügen ihm manchmal Nuancen, um tiefe Emotion darzustellen, aber wie meist bei ihm wirkt das Verbale ein wenig theatralisch. Manchmal hätte ich mir weniger Dialog und mehr visuelle Kraft gewünscht. Manchmal sind Andeutungen besser als grosse philosophische Exkurse. Was aber sehr schön zum Ausdruck kommt, ist Tizianis wundervolle Neugier auf das Leben und seine Geheimnisse. Sein Ringen um die Wahrheit jenseits alles Oberflächlichen.
Alles in allem ist dies ein sehr berührender Film. Was zählt wirklich im Leben? Was sind die wichtigen Fragen? Was bleibt, wenn jemand geht?
Wer diesen Antworten ein wenig näher kommen möchte, für den ist dieser Film.
Peter Steiner, Autor von "Weisheit für Minimalisten" und "Das Wesentliche so nah"...