Der Journalist Tiziano Terzani trifft sich kurz vor seinem Tod mit seinem Sohn Folco, um ihm von seinem Leben zu erzählen. Vater und Sohn führen über ein paar Wochen hinweg sehr intensive und offene persönliche Gespräche, die sie aufzeichnen.
Folco Terzani hat 2006, zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters, aus diesen Gesprächen ein Buch zusammengestellt, das in einzelnen Kapiteln die Lebensstationen seines Vaters beleuchtet. Das Buch ist in Dialogform geschrieben: Der Sohn Folco fragt - der Vater Tiziano erzählt. Zwischendurch beschreibt Folco mit kurzen Nebenbemerkungen Vorkommisse oder eigene Gedanken und Beobachtungen während dieser Gespräche.
Durch diese Form wird das Buch zu einer persönlichen Begegnung mit Vater und Sohn: Wir erleben Tiziano Terzanis ärmliche Kindheit in Florenz, seine Flucht aus diesen Verhältnissen und den Beginn seiner journalistischen Tätigkeit. Wir begleiten ihn nach Vietnam, Kambodscha, China, Japan, Indien '- lernen eine Menge über die politischen und geschichtlichen Verhältnisse dieser Länder und erfahren einiges über Terzanis Lebensstil, seine Motivation und Weltanschauung. Zum Schluss erleben wir seine Abkehr vom Journalismus und nehmen durch seine Gespräche mit Folco an beider Suche nach dem Sinn des Lebens und Ziel des menschlichen Handelns und ihrer Auseinandersetzung mit Sterben und Tod teil.
Ich hätte das Buch nach den ersten Seiten frustriert weggelegt, wenn ich es nicht von Freunden geschenkt bekommen hätte. Die Dialogform des Buches erschien mir zu persönlich, die ganze Situation 'aufgesetzt': Ich befürchtete eine Zur-Schau-Stellung von vermeintlichen Lebensweisheiten. Dementsprechend hatte ich Schwierigkeiten, mich auf Form und Inhalt des Buches einzulassen, und empfand die Gedanken Terzanis zu Sterben und Tod im ersten Kapitel als pseudo-intellektuell überfrachtet.
Während des zweiten Kapitels über seine Kindheit hatte ich noch mit meiner inneren Ablehnung zu kämpfen ' war aber gleichzeitig, gewissermaßen wider Willen, bereits davon gefesselt. Danach gab es kein Halten mehr: Ich habe das Buch innerhalb von zwei Tagen regelrecht verschlungen. Besonders hat mich beeindruckt, wie dabei die Geschichte Asiens für mich lebendig wurde, wie sich historische Begebenheiten und persönliche Begegnungen und Erfahrungen plötzlich zu einem anschaulichen Bild verflochten haben.
Mit dem letzten Teil des Buches, Terzanis persönlichen spirituellen Erfahrungen und Einstellungen, hatte ich wieder Schwierigkeiten. Allerdings wurden mir seine Gedanken nun wesentlich verständlicher als zu Anfang des Buches. Viele der geäußerten Gedanken habe ich mir angestrichen, fand sie ausgesprochen tiefsinnig und beachtenswert. Andere konnte ich nicht teilen; sie haben mich zum Widerspruch gereizt ' und waren dadurch vielleicht auch wieder eine Bereicherung.
Mit der Dialogform und den persönlichen Kommentaren Folcos stand ich bis zum Schluss etwas auf Kriegsfuß: Einerseits erschien mir diese Form zu 'distanzlos' (gegenüber mir als Leserin) ' andererseits hat auch gerade dieses Persönliche, Emotionale seinen Reiz, der mich so sehr an das Buch gefesselt hat, dass ich es fast nicht aus der Hand legen konnte.
Fazit: '"Das Ende ist mein Anfang"' gehört zu den Büchern, die ich mit großer Faszination gelesen habe und die für mich eine echte Bereicherung waren.