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Kundenrezensionen

22
4,4 von 5 Sternen
Das Ende der Weltwirtschaft und ihre Zukunft: Crisis Economics
Format: TaschenbuchÄndern
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87 von 91 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Als einer der wenigen etablierten Ökonomen der USA hatte Nouriel Roubini die gegenwärtige Finanzkrise und ihren Verlauf sehr genau vorausgesagt. Nun hat er uns gemeinsam mit Stephen Mihm ein Buch über diese Krise, ihre Folgen und mögliche Auswege geschrieben. Bereits im ersten Kapitel räumen die Autoren mit dem Mythos auf, Finanzkrisen wären ein seltenes und obendrein unvorhersehbares Ereignis, etwas, das populäre Schreiber gerne medienwirksam "schwarzen Schwan" nennen. Sie gehen kurz auf einige sich immer wiederholende Elemente solcher Krisen ein und zeigen, dass diese Faktoren auch diesmal schon lange vor der eigentlichen Eruption deutliche Warnzeichen sendeten. Man musste sie nur lesen können.

Bereits John Stuart Mill erklärte 1848 wie sich Finanzkrisen zusammenbrauen. Seine Erkenntnisse hätten auch diesmal für eine sichere Voraussage ausgereicht. Leider wird die Vergangenheit oftmals einfach vergessen. Oder man redet sich ein, dass diesmal alles ganz anders ist. Mill ist nur einer von vielen Wirtschaftswissenschaftlern, die sich mit der Rolle von ökonomischen Krisen theoretisch auseinandersetzten. Im zweiten Kapitel gehen die Autoren auf die unterschiedlichsten Ansichten dazu ein.

Viele Spekulationsblasen entstehen durch die Einführung neuer Technologien. Doch die gegenwärtige Krise wurde ganz wesentlich durch "Innovationen" in der Welt des Interbankenhandels, vor allem durch die so genannten Kreditverbriefungen, angefeuert. Ganz unterschiedliche Anleihen wurden dazu grob gesprochen in großen Paketen zusammengepackt und in ihrer Gesamtheit durch ein Rating bewertet. Damit waren sie erstmals handelbar. Kreditgeber kamen so sehr schnell wieder an ihr Geld. Dafür wusste nun aber niemand mehr so recht, welche Risiken er wirklich in solchen Paketen kauft.

Die Autoren erklären im dritten Kapitel sehr detailliert, wie diese Verbriefungen und Derivate auf solche strukturierten Produkte zum Auslöser der Krise wurden. Sie verweisen darüber hinaus auf das hierzulande nicht diskutierte, weil kaum vorhandene, unkontrollierte Schattenbankenwesen und erläutern an Beispielen den Fluch der Hebelung, also die Verwendung von Fremdkapital in unverantwortlichen Größenordnungen bei spekulativen Geschäften.

Im vierten Kapitel beschreiben die Autoren das dominoartige Zusammenfallen der amerikanischen Kreditunternehmen nachdem sich erstmals die wahren Ausmaße der Kreditausfälle andeuteten. Anschließend breitete sich diese US-Epidemie pandemisch über die in alle Welt verkauften Kreditpakete aus. Interessanterweise waren sehr viele Politiker, auch der damalige deutsche Finanzminister Steinbrück, bis dahin der Meinung, dass dies nicht geschehen werde. Von dieser Pandemie berichtet das fünfte Kapitel.

Im folgenden Kapitel befassen sich die Autoren ausführlich mit dem Krisenmanagement der amerikanischen Notenbank und erklären die zahlreichen Manöver so, dass sie auch Laien verstehen können. Danach wird im 7. Kapitel diskutiert, wie die Politik auf die Krise reagiert hat. Die Schuldenkrise wurde frei nach Keynes mit noch mehr Schulden durch "Rettungen" und Konjunkturprogramme beantwortet. Politiker vergessen dabei gerne, dass Keynes eine Entschuldung in besseren Zeiten dringend anmahnte und dass Konjunkturprogramme die Steuererhöhungen (oder "Sparprogramme") der Zukunft sind. Wir sehen das gerade in Deutschland.

Das 8. Kapitel befasst sich mit dringend notwendigen Reformen des gesamten Finanzsystems. Die bisherigen politischen Diskussionen und hektischen Maßnahmen zeugen von politischem Unwillen und mangelndem Sachverstand. Das eigentliche Problem entstand im völlig unregulierten und komplett undurchsichtigen Interbankenhandel. Jeder kann hier Derivate erfinden und in Umlauf bringen. Es existiert keinerlei Aufsicht oder Standardisierung von Produkten. Allerdings sind das merkwürdigerweise keine öffentlichen Diskussionsthemen. Darüber hinaus ist das zentrale Problem der Vergütungen nicht geregelt. Solange der Steuerzahler jeden Spieler immer wieder rettet, wird die Bereitschaft, irrsinnige Risiken einzugehen, nicht nachlassen. Weitere kritischer Punkte sind die Größe der verschiedenen Institute und ihre Verflechtungen. Dies wird in der Öffentlichkeit ebenfalls nicht diskutiert.

Radikale Schnitte schlagen die Autoren im 9. Kapitel als Konsequenz der Krise vor. Zunächst einmal muss es gelingen, die Aufsichtsbehörden vom Fluch der blinden Mittelmäßigkeit zu befreien. Fähige Leute gehen dorthin, wo sie gut bezahlt werden und sich verwirklichen können. Die Aufsichtsbehörden gehören gewiss nicht zu den idealen Zielen solcher Menschen. Noch wichtiger ist jedoch der extrem schwierige Vollzug einer simplen Logik. Wenn Konzerne zu groß sind, um zu sterben, dann muss man sie eben zerschlagen. Doch mit den "Rettungen" sind zumindest in den USA noch größere Giganten gebildet worden. Weil es in der Obama-Administration nur so von Goldman-Sachs-Leuten wimmelt, wundert es nicht, dass diese Konsequenz dort kein Thema ist. Die Autoren diskutieren das Zerschlagungsproblem ausführlich.

Ein anderer simpler Punkt ist, dass Banken nur Risiken in Höhe ihres verfügbaren Eigenkapitals eingehen sollten. Dazu könnte man sie zwingen, wenn man es denn wollte. Schließlich schlagen die Autoren eine aktivere Rolle der Zentralbanken in der Geldpolitik im Vorfeld einer Krise vor.

Kapitel 10 befasst sich mit den Schuldenkrisen von Staaten, die immer nach Bankenkrisen auftreten. Insofern erleben wir gegenwärtig nichts Neues. Die Autoren diskutieren hier insbesondere die Krise des US-Dollars und die möglichen politischen Folgen für die Machtverhältnisse in der Welt.

Das Buch enthält ein Fazit, in dem das Drehbuch der Krise noch einmal zusammengefasst wird, und einen Ausblick, der erneut die Brillanz seiner Autoren aufdeckt, denn inzwischen ist zum Beispiel eingetreten, was sie für Griechenland voraussagten.

Fazit.
Dies ist ein sehr intelligent geschriebenes, scharfsinniges und sehr lehrreiches Buch über Ursachen und Verlauf der gegenwärtigen Finanzkrise und der zu erwartenden Folgen. Darüber hinaus unterbreiten die Autoren konsequente Vorschläge zur Lösung der durch diese Krise aufgedeckten Probleme. Das Buch ist für einen breiten Leserkreis geschrieben, wenngleich gewisse elementare Kenntnisse und Vorstellungen über die Finanzmärkte vorausgesetzt werden.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
TOP 1000 REZENSENTam 19. Februar 2011
Roubini und Mihm wollen in ihrem Buch aufzeigen, »wie wir in diesen Schlamassel geraten sind« und »wie wir ihm entkommen können - und zwar endgültig.« Dazu benennen die Autoren die »Faktoren hinter der Finanzkrise - [die] Politik des billigen Geldes, die verantwortungslosen Finanzinnovationen auf dem Geldmarkt, die Probleme des 'Moral Hazard' und der Unternehmensaufsicht, der Aufstieg des Schattenbankenwesens ... , das leicht verfügbare Kapital aus dem Ausland [sowie] die zunehmenden Abhängigkeit von Schulden und Fremdkapital fast aller Teilnehmer des Finanzsystems.«

Die beiden Autoren schlagen einen weiten Bogen. Sie analysieren die Vorgänge vor und während der letzten Krise, reflektieren die Wirtschaftsgeschichte der letzten drei Jahrhunderte. Sie sind dabei ausgewogener als z.B. Niall Ferguson in 'Der Aufstieg des Geldes: Die Währung der Geschichte', betrachten und untersuchen vordergründig dialektisch auch gegensätzliche Denkrichtungen wie Keynes oder Schumpeter. Roubini und Mihm benennen die weltweiten Verflechtungen, auch die »inzestuöse Beziehung zwischen der Finanzwelt und der Politik«.

Das ganze Buch ist trotz des schwierigen und komplexen Themas leicht zu lesen und nachzuvollziehen, auch ohne tiefe wirtschaftswissenschaftliche Vorbildung. Leider betrachten die beiden Amerikaner die Welt sehr aus der US-amerikanischen Sicht und begrenzen die Weltwirtschaft in großen Teilen ihres Werks auf die Finanzwirtschaft. Ihre Vorschläge ('erste Schritte') zur Reform oder zumindest zur Regulierung (im beschränkten nationalen Rahmen) der Finanzwelt oder gar des Kapitalismus sind einleuchtend; werden dem Anspruch, eine endgültige Lösung anzubieten, aber keinesfalls gerecht. Die potentiellen Gefahrenherde werden aufgezählt, doch deren Eindämmung bleibt problematisch; der Ausblick auf die nahe und fernere Zukunft vage. Manche Wiederholung im Text deutet augenscheinlich auf eine nicht optimale Zusammenarbeit der beiden Autoren hin. Trotz der kleinen Kritikpunkte lesen sich die rund 400 Seiten insgesamt flüssig, überzeugend und glaubhaft in der Analyse.
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12 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
VINE-PRODUKTTESTERam 10. August 2010
Genau das ist es, was Roubini/Mihm in ihrem Buch "Crisis Economics" beschreiben. Roubini wird vorgeworfen, dass er nicht in der Modellwelt lebt, wie viele andere Wirtschaftswissenschaftler. Aber gerade die Tatsache, dass er versucht, die aktuelle Krise mit vergangenen Krisen und den dazugehörigen Erklärungsversuchen zu vergleichen, macht das Buch sehr interessant. Es ist zugleich ein aktuelles Buch und ein Streifzug durch die verschiedenen Wirtschaftstheorien der Vergangenheit. Genau das ist es, was das Buch - wahrscheinlich auch für wirtschaftswissenschaftliche Laien - sehr interessant macht.

Roubini/Mihm durchleuchten die verschiedenen Ursachen der Krise und liefern gleichzeitig Lösungsvorschläge, wie zukünftige Krisen - die mit 100%iger Sicherheit kommen - entweder vermieden oder zumindest abgemildert werden können. Dabei schieben sie den schwarzen Peter nicht pauschal den USA zu sondern erklären auch die globalen Zusammenhänge, die mit zu der Krise geführt haben.

Was mir persönlich noch sehr gut gefallen hat, ist die Tatsache, dass Roubini sich nicht auf nur auf eine Theorie-Richtung stützt (wie es viele Dogmatiker machen) sondern - ganz im Gegenteil - Erklärungs- und Lösungsversuche aus den verschiedensten Theorierichtungen durchdiskutiert und aus einer Mischung der verschiedenen Ansätze seine Empfehlungen für die Zukunft abgibt.

Insgesamt das beste Buch, das ich bisher zur Krise gelesen habe und eine uneingeschränkte Kaufempfehlung für alle Interessierten. Ob nun mit oder ohne wirtschaftswissenschaftlichen Background.
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37 von 44 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. Mai 2010
Wenn Sie die Hintergründe zur Krise nicht vollständig verstanden haben, aber ein Interesse aufbringen, einmal hinter die Medienkulisse zur Krise zu schauen, ist das Buch schlicht ein Muss. Auch als Nichtwirtschaftswissenschaftler können Sie folgen, Roubini und Mihm nehmen Sie an die Hand und führen Sie durch den Dschungel der Krise. Die Autoren scheuen sich nicht, Verantwortungen zuzuweisen ohne in Monokausalitäten abzugleiten. Viele Entwicklungen haben, nach deren Meinung, erst im Zusammenwirken zur Krise geführt. John Maynard Keynes kommt für meinen Geschmack zu häufig vor, dennoch, auch andere Wissenschaftsgemeinden kommen zu Wort. Auch hier verorten sich die Autoren nicht zu einer Gruppe sondern nutzen Erklärungspotentiale aus vielen. Ein klarer Pluspunkt des Buches sind aber auch die geschichtlichen Rückverweise, um so Krisengesetzmäßigkeiten aber auch Unterschiede zwischen diesen aufzudecken. Und: Es ist kein pessimistisches Buch, sondern es macht durch das Verstehen, das Lernen aus der Krise, Hoffnung. Schlicht ein leicht zu lesendes, lehrreiches und spannendes Buch. Klar 5 Sterne.
Viele Grüße
Stephan Peters
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
Eines vorweg: Der deutsche Titel ist Quatsch. Vom Ende der Weltwirtschaft handelt dieses Buch nicht. Der Originaltitel, der in der deutschen Ausgabe als Untertitel fungiert, ist da schon präziser: Tatsächlich geht es Roubini und Mihm um eine neue Krisenökonomie. Man hat Roubini den unheilschwangeren Spitznamen Dr. Doom" gegeben, weil er als einer der ganz wenigen die große Finanzkrise des Jahres 2007 bereits kommen sah, als alle Welt noch positiv in die Zukunft blickte. Die Kernthese des Krisendoktors: Erschütterungen vom Kaliber der Weltwirtschaftskrise sind keine schwarzen Schwäne" - also extrem unwahrscheinliche Ereignisse -, sondern im Gegenteil vollkommen normale, sich ständig wiederholende Korrekturprozesse. Entsprechend geht der Blick im Buch öfter zurück als nach vorn. Die Autoren zeigen, wie sich die aktuelle Krise mit historischen Talfahrten der Wirtschaft vergleichen lässt und wie das Programm solcher Krisen abläuft. Roubinis und Mihms Analyse ist in verständlichem und griffigem Stil verfasst. getAbstract empfiehlt das Buch als eine der besten Aufarbeitungen der jüngsten Krise allen, die wissen wollen, was schieflief und welche Reformen des Finanzsystems dringend nötig sind.
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42 von 51 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 31. Oktober 2010
Am 31. Oktober habe ich nach dem Lesen der ersten beiden Kapitel das Folgend geschrieben:

"Mich erinnert das Buch an das Korrigieren von Seminarklausuren an der Universität. Man rauft sich die Haare bei all den Allgemeinplätzen und Widersprüchen. Nichts wird tatsächlich hinterfragt. Nirgendwo wird dem allgemein Bekannten etwas Neues hinzu gefügt. Es ist ein Buch, das bereits auf der ersten Seite der Einleitung mit einem fetten Selbstlob des Autors beginnt. Und was dann so alles kommt ... Das geht exemplarisch so (S. 75): "Die monetaristische Interpretation der Weltwirtschaftskrise ist nicht ganz von der Hand zu weisen ... Doch andere Wirtschaftshistoriker haben seitdem festgestellt ..." Dann kommen der "Giftmüll" und die "Epidemien", ohne auch nur einmal zu erklären, was denn nun konkret damit gemeint ist. Mit dem Konkreten hat es dieser Mann ohnehin schwer. Die Händler seien "arrogant und dumm", heißt es weiter, der Autor bleibt jedoch jegliche Erklärung und vor allem inhaltliche Schilderung schuldig.

Auch die andauernden Widersprüche: Einerseits waren die Notenbanken zu expansiv, dann wieder war das genau richtig. Einerseits tendiert der Kapitalismus naturgemäß zu Krisen, andererseits jedoch formuliert Roubini eine Zielvorstellung, in der Zukunft die Krisen zu vermeiden. Also was nun?

Viele Punkte lassen erkennen, dass dieser Mann von der ökonomischen Theorie keinerlei Ahnung hat. Robert Shiller sei einer der vehementesten Kritiker der Effizienzmarktthese, schreibt er. Er hat wohl keinen anderen gelesen. Oder: "Die Theorie der Wirtschaftskrisen beschäftigt sich mit der Frage, wie und warum Märkte versagen." Was für ein himmelschreiender Blödsinn. Die Märkte versagen doch nicht, sondern sie reagieren, aber funktionieren. Wenn ich zyklische Marktkrisen abhandeln will, kann ich doch nicht sagen, dass die Märkte dann nicht funktionieren. Dann bin ich doch im luftleeren Raum. Doch genau dort schwebt Roubini.

Kaufen Sie daher nicht sein Buch, kaufen Sie lieber "The Big Short" von Michael Lewis. Dort ist jede Seite besser als das gesamte Buch von Roubini."

Nachdem ich nun den Rest des Buches gelesen habe, muss ich heute (10. November 2010) eine Teilabbitte leisten: Das Buch gibt einen guten Einblick in die Finanzkrise. Vieles wird sehr interessant und faktenreich geschildert. Im Vergleich zu "The Big Short" bleibt es jedoch seelenlos. Es bildet auch eine immense Hypothek (sogar eine Subprime-Hypothek!), so schlecht anzufangen, selbst wenn man dann gut endet. Durch das gesamte Buch zieht sich der Eindruck, dass hier Autoren völlig unterschiedlicher Qualität gewirkt haben.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 2. Oktober 2010
Das Buch liest sich spannend. Es räumt mit der Vorstellung auf, dass solche Krisen unvorsehbare Ereignisse sind. Das Buch ist allen zu empfehlen, welche die Ursachen und die Zusammenhänge der Finanzkrise verstehen möchten. Die Krise hat eine Systematik. Sie basierte nicht nur auf einer Ursache. "...waren nicht die Schrotthypotheken an der Krise schuld, sonder das Schrottsystem."

Im Gegenteil folgend die Krisen gewissen Mustern, die bereits früh erkennbar sind. Die Autoren blenden zurück in die Wirtschaftsgeschichte und zeigen dabei die Gesetzmässigkeiten auf. Spekulationsblasen die sich immer wieder gebildet haben und Experten die schlichteten, dass sich die Gesetzmässigkeiten geändert haben.
Als Ursachen beschreibt der Autor unter anderem: Innovationen auf dem Finanzmarkt, Moral Hazard (d.h. nicht für negative Konsequenzen des eigenen Handelns verantwortlich sein) und das Auftreten von Schattenbanken.
Interessant ist auch zu lesen, welche Massnahmen zur Rettung des Finanzsystem getroffen wurden. Die Schwierikgeit die richtige Dosierung zu finden. Die Bedeutung von Vertrauen und Panik und die Rolle des Staates sowie der Nationalbanken.

Es bleibt zu hoffen, dass die Krise eine reinigende Wirkfung auf das "Schrottsystem" hat und Reformen umgesetzt werden.
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26 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 21. Mai 2010
Dieses Buch bietet eine Analyse der Finanzkrise. Warum brauchen wir noch ein Buch zu diesem Thema? Die Finanzkrise wird hier aus mehreren Blickwinkeln betrachtet, einem keynesianischen und einem "österreichischen". Zudem hat der Autor als von wenigen "Nicht-Österreichern" die Krise prognostiziert.

Finanzkrisen sind immer Liquiditätskrisen, die auf eine außergewöhnliche Verschuldung folgen. Nach dem Keynesianer Minsky kann man drei Formen der Verschuldung unterscheiden:

(a) abgesicherte Finanzierung: Der Schuldner kann Zinsen und Tilgung finanzieren.
(b) spekulative Finanzierung: Der Schuldner kann nur die Zinsen finanzieren, sodass Umschuldungen notwendig werden.
(c) Schneeballfinanzierung: Der Schuldner kann nichts finanzieren und muss seine Einkünfte verpfänden.

Während einer Spekulationsblase ist das Denken auf kurzfristigen Gewinn fixiert und Variante 3 wird vermehrt eingesetzt.

Aus österreichischer Sicht muss man im Schumpeter'schen Prozess der "kreativen Zerstörung" eigentlich die bankrotten Unternehmen und Banken zu Grunde gehen lassen. Da in einer Krise jedoch Liquidität fehlt, muss zunächst die Notenbank einspringen und für die notwendigen Kredite sorgen. Keynesianische Konjunkturspritzen und Rettungsprogramme können auch helfen. Die Liquidierung ungesunder Strukturen und Unternehmen muss mittel- bis langfristig erfolgen.

Zur Vermeidung zukünftiger Krisen sind folgende Maßnahmen erforderlich:

- Änderung der Vergütung in den Banken, sodass sie den langfristigen Interessen der Aktionäre gerecht wird (betrifft besonders Boni)
- Änderung der Verbriefung durch mehr Regulierung und Transparenz
- einheitliche Regulierung der Derivate, möglichst Standardisierung der Derivate
- andere Vergütung der Ratingagenturen, um Interessenkonflikte zu vermeiden ; Zulassung weiterer Agenturen, um den Wettbewerb zu erhöhen
- schärfere Trennung der Geschäftsbereiche (z. B. Kreditvergabe, Investment, Hedgefonds) der Banken und Zerschlagung großer Finanzkonzerne
- bessere Regulierung durch Abschaffung konkurrierender Zuständigkeiten und Ausweitung der Regulierung auf alle Finanzunternehmen, um Schlupflöcher zu beseitigen
- Zentralbanken müssen ihre Aufsichtspflichten auch wahrnehmen und vor allem offensiver gegen Spekulationsblasen vorgehen
- Reform der Eigenkapitalanforderungen und Bilanzierungsrichtlinien von Basel II
- bessere globale Koordination , Kampf gegen Ungleichgewichte (z. B. Außenhandelsüberschüsse und Staatsverschuldung) und Stärkung des Internationalen Währungsfonds als Kreditgeber letzter Instanz; dazu ist ggf. eine neue globale Leitwährung erforderlich

Je nach Erfolg oder Misserfolg der notwendigen Maßnahmen sind mehrere Szenarien für die Zukunft denkbar. Die Verschuldung der USA wird durch China finanziert; diese Beziehung könnte ernsten Schaden nehmen, wenn die USA zur Finanzierung ihrer Schulden Geld drucken oder die Chinesen ihre Währung aufwerten bzw. amerikanische Schuldtitel verkaufen. Die unkoordinierte Wirtschaftspolitik in der EU kann dazu führen, dass Eurozone oder EU auseinander fallen; die Eurozone war schon immer durch Ungleichgewichte gekennzeichnet und die vorschnelle Einführung des Euros deshalb ein Fehler.

Mir hat das Buch teilweise gut gefallen. Auch ohne Tabellen und Abbildungen werden Ursachen, Verlauf und Bekämpfung der Finanzkrise sehr detailliert erläutert. Jedoch ist nicht erkennbar, wie ungesunde Strukturen nachträglich abgewickelt werden sollen; schließlich haben sie ja dann bereits überlebt. Wie eine vernünftige Geldpolitik aussieht, erfährt man leider auch nicht. Wenn man eine globale Leitwährung einführt, könnte dies zu einer Weltzentralbank führen; dann wären in Zukunft alle Finanzkrisen notwendiger Weise global. Die Reduzierung der österreichischen Position auf eine kreative Zerstörung ist einseitig und berücksichtigt deren Konjunkturtheorie nicht. Aus diesem Grund kann auch der Darstellung von Weltwirtschaftskrise und Goldstandard widersprochen werden. Die langfristigen "österreichischen" sind mit den favorisierten kurzfristigen keynesianischen Maßnahmen unvereinbar. Für eine Diskussion der aktuellen Rettungsmaßnahmen und die mögliche zukünftige Entwicklung ist das Buch aber sehr wohl geeignet, weil die österreichische Position (Goldstandard) im Moment leider unrealistisch ist. Eine Diskussion der Geldpolitik kann man in Taylor: "Getting Off Track"finden.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 19. August 2010
Die beiden Autoren beschreiben wie der Kapitalismus funktioniert. Er ist durch Krisen gekennzeichnet. Dabei stellen sie nicht die Ausnahme dar. Die spekulativen Blasen sind in der Geschichte des Kapitalismus nicht wegzudenken. Sie hat es immer gegeben und wird es immer geben. Das spekulative Kapital fließt solange in die Märkte wie es eine positive Rendite abwirft. Fällt die Rendite auf null, so wollen alle Anleger wieder aus dieser Blase heraus. Die Geschwindigkeit des Geldabflusses macht die Blase zum Problem. In der Finanzkrise war der Kapitalabfluss so stark, dass er die gesamte Wirtschaft mit in den Abgrund zog.
Im ersten Kapitel werden die verschiedenen Krisen erläutert und gezeigt, dass es unterschiedliche Konjunktureinbrüche gab. Jede Krise wurde durch neue innovative Produkte geschürt. Jede Krise lässt neue Erklärungsansätze entstehen. Diese unterschiedlichen Theorien werden im zweiten Kapitel besprochen, wobei seine Hauptaugenmerk auf Keynes, Minsky, Schumpeter und Shiller liegt. Eine Mischung aus österreichischer Schule und Keynesianismus kann uns den Weg aus der Krise zeigen. Dabei wird immer wieder auf die aktuellen Bezüge eingegangen.

Die Krise wurde von den undurchsichtigen Finanzinnovationen ausgelöst. Diese wurden in sogenannte Schattenbanken zwischengelagert. Die Schattenbanken sind die Conduits und SIVs, die nicht in den Bankbilanzen aufgelistet sind und sich durch Kredite finanzieren. Mit dieser Hebelwirkung war es erst möglich, diese riesigen Summen anzulegen. Die unterschiedliche Informationsgestaltung (asymmetrische Information) und das bewusste Handeln (moralisches Risiko) auf eigener Rechnung hat den Vertrauensverlust herbeigeführt. Im Buch Lombard Street von Bagehot wird der theoretische Fall einer Bankenkrise besprochen. Die beiden Autoren zeigen sehr anschaulich wie er sich eingestellt hat. Der Zusammenbruch des Geldmarktes und der Hedge-Fonds hat dies im Jahre 2008 verdeutlicht. Die Ausmaße und Maßnahmen von Bagehot waren in seiner Vorstellung viel zu klein, um die heutige Krise zu meistern. Die Notenbanken haben die Wirtschaft vor einer Depression bewahrt. Die Maßnahmen der Federal Reserve werden analysiert und erläutert. Nachdem die giftigen Wertpapieren in den Depots der Banken lagen, hatten sie kein Geld mehr für ihr tägliches Geschäft. Solvente Unternehmen bekamen kein Geld mehr und der Außenhandel wurde nicht mehr mit liquiden Mittel versorgt. Die Folge war der wirtschaftliche Einbruch im Jahre 2009. Von diesem Standpunkt aus beschreiben sie die Ausgabenpolitik des Staates.

Im Folgenden wird nun auf die Verhinderung der Krise eingegangen. Zuerst müssen die Bankmanager an den Folgen ihrer Tätigkeit beteiligt werden. Die kurzfristigen Bankboni haben das Prinziple-Agent-Problem nur verstärkt und ihre Tätigkeit zu noch größeren Risiken animiert. Als nächstes müssen die Ratings verbessert werden. Es soll eine Allgemeine Regulierung seitens der Regierung angeregt werden. Dann müssen noch die Derivate reguliert werden. Der OTC-Markt muss an einer Börse verlegt werden, damit die Transparenz in diesen Instrumenten sichergestellt wird. Ein Verbot von CDS ist anzustreben, wenn ein Anleger kein entsprechendes Risiko in seinem Portfolio hat. Die Trennung von Investmentbanken und Geschäftsbanken sollte wieder eingeführt werden, damit die Stabilität gewährleistet wird. Es darf auch nicht sein, dass eine Bank zu groß für einen Konkurs ist. Im Notfall soll der Staat für eine Liquidation der schlechten Banken sorgen. Im letzten Kapitel wird das Augenmerk auf die Zahlungsbilanzen gelegt und es wird die Frage gestellt, welche Währung demnächst als Leitwährung fungieren kann.

Das Buch gibt einen hervorragenden Schnellkurs zum bestehenden Finanzsystem mit seinen aktuellen Problemen und dient zu weiteren Handeln. Es ist für den unbedarften Leser eine gute Lektüre. Es ist nicht mit unverständlichen Fachbegriffen überhäuft und komplexe Themen werden leicht erläutert.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich.
am 1. August 2010
Für jemand der sich nur beim Stammtisch über die Bänker und Politiker
das Maul zerreißt, sowie mit populistischen und simple Vorschlägen zu
dem Thema beiträgt, ist das Buch vielleicht zu kompliziert.
Aber das ist ja auch die Schwierigkeit bei dieser Krise. Es hängen so
viele Punkte zusammen, das es schwerfällt die Gesamtheit zu sehen
und wie alles miteinander verbunden ist. Das Ganze ist zu komplex,
um mit einer simplen Lösung alles zu ändern.

Dieses Buch nimmt die Krise Stück für Stück auseinander und beleuchtet
sie aus allen Richtungen. Es werden die Hintergründe und die Schwierigkeiten
erklärt, zukünftige Herausforderungen beschrieben und auch mögliche
Lösungen vorgeschlagen.
Das Ganze wird relativ leicht und verständlich erklärt, sodass jemand
der sich nicht nur auf Stammtischniveau darüber unterhalten möchte, einen
sehr guten Einblick über die verflochtenen Strukturen und Herausforderungen
unserer (zukünftigen) Weltwirtschaft erhält.
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