Es gibt immer wieder Bücher, die begegnem einen einfach so. Dieses Buch, war ein spontaner Impuls. Vielleicht lag es am Klappentext. Dieser klingt stark nach einer Komödie, zumindest nach etwas witzigem. Doch, was sollte ich nun, nach meiner Lektüre zu diesem Buch sagen?
Das Cover trifft den Inhalt eigentlich ganz gut. Wir lernen eine kleine Stadt kennen, die nicht mehr als 300 Einwohner hat. Wir lernen viele Menschen nach und nach kennen, Polizisten, Tänzerinnen, Fotografen, Bibelfeste Frauen, einen Dieb und einfach nur Menschen, deren Namen man schnell vergisst. Im Anhang aber gibt es noch eine kleine Auflistung der Personen, so ganz kann man sie also nicht vergessen. Im Mittelpunkt dieses Buches, wenn es denn überhaupt einen wirklichen Mittelpunkt gibt, stehen Dan, Tiny und Louise. Tiny ist ein kleiner Dieb und Tagelöhner, seine Frau Louise ist Fotografin und arbeitet im wahrscheinlich einzigsten Fotoladen der Stadt. Dan ist der gewählte Sherrif und wenn er sich nicht gerade um Findelkinder kümmert, Prügelein stoppt oder seinen Wahlkampf betreibt, lebt er in einem Wohnwagen.
Interessant wird die Geschichte, als Louise sich von Tiny trennt und sich in Dan verliebt. Dieser muss fortan mit ihrer Mutter auskommen, die ebenfalls einen "großen" Teil des Buches einnimmt und wie fast jeder in dieser Stadt schräg wirkt. Tiny reist fortan durch die Städte und sucht einen neuen Sinn, während Dan und Louise ihr eigenes Leben leben, das manchmal durch Trauer und manchmal mit Glück gesegnet ist.
Das Buch ist ohne Spannung und man möchte fast sagen ohne Handlung. Es ist einfach eine Aufzeichnung zu einer Stadt, die sehr liebevoll und gleichzeitig distanziert geschrieben ist. An der Schreibweise erinnert es fast an Mankell und von der Thematik an die Bücher von Willy Vlautin. Während alle Personen manchmal merkwürdig wirken und auch deren Leben manchmal merkwürdig scheint, ist es eigentlich ein ganz normales Leben. Das ganze Buch ist normal und beschreibt ein kleines verschlafenes Nest in den USA. Aber so weit ist die Nicht-Handlung eigentlich nicht fern. Jedes Dorf und jede kleine Stadt wird ähnlich ticken.
Was dieses Buch besonders macht, und warum man es lesen sollte, ist, dass es das Leben beschreibt. Man braucht nicht immer Vampire, Bomben, Attentate, erotische Liebeleien, Morde oder andere Dinge, um einen Roman lesenswert zu machen. Das Ende des Vandalismus ist fast philosophisch zu sehen. Vieles lässt Platz für Spekulationen, anderes lässt einen auch schmunzeln. Und obwohl es eigentlich keine "wirkliche" Handlung gibt, weil es keine Attentate, Morde und anderen Bim Bam hat, ist es ein schönes Buch, das man weiterlesen will. Denn nach und nach wird man Teil von Grouse County und die Personen beginnen Farbe anzunehmen und ja, ich habe mich auch dabei erwischt, auf der Karte einen Platz für mein Häuschen zu suchen. All das Alltagsleben wird einfach zu dem Leben "meiner Nachbarn". Und gleichzeitig würde man selber gerne in einer solchen Stadt leben. Jeder kennt jeden, jeder ist für jeden da. Sobald ein Findelkind gefunden wird, schwärmen die Leute herbei um zu helfen und wenn etwas trauriges passiert, sind ebenfalls die Nachbarn da und packen mit an. Zusammenhalt wird dort noch großgeschrieben und selbst der Wahlkampf für die Wahl des Sherrifs kann dies nicht unbedingt zerstören. Lediglich ein einzelner bissiger Hund sorgt vielleicht auf einer Stadtversammlung für Stress. . .
Wer dieses Buch liest, sollte nicht zu große Erwartungen haben, denn dann kann man diesem Zauber nicht von Anfang an erliegen und daswäre wirklich schade...