Mickey Spillane gilt als der König des Pulp; er ist unter anderem der Schöpfer der berühmten Romanfigur Mike Hammer. Das Ende der Straße" wurde erst posthum veröffentlicht; Spillane, der 2006 verstarb, hatte den Roman nie beendet. Nach seinem Tod schrieb Max Allan Collins die Erzählung zu Ende und veröffentlichte sie im Jahr 2007. Das Buch, oder in diesem Fall Hörbuch, trägt unverkennbar Spillanes Handschrift, spielt aber in der heutigen Zeit, was das Werk zu einem seltsamen Anachronismus macht. Zwar gibt es Referenzen auf das aktuelle Geschehen - Handys, Computer, das Attentat auf das World Trade Center - aber all das ist eher unbeholfen eingebettet in eine Geschichte, die gut auch in den 50er oder 60er Jahren spielen könnte. Vor allem die Charaktere wirken seltsam altmodisch und sind, wie es sich für dieses Genre fast gehört, sehr schwarz-weiß gezeichnet. Die Bösen sind böse und heruntergekommen, die Guten sind rau, aber herzlich. Jack Stang ist ein typischer New Yorker Cop des alten Schlags, der fest mit seinem Viertel verwurzelt ist und dem es schwer fällt, nach seiner Pensionierung endlich ein Zivilist zu sein. Wie auch immer, würde der Autor nicht erwähnen, dass die Geschichte in der heutigen Zeit spielt, würde man dies als Leser gar nicht merken und sie Jahrzehnte früher einordnen, was teilweise sehr irritiert.
Gelesen wird der Roman, wie bei allen Teilen der Hard Case Crime"-Reihe aus dem Argon Verlag, von Reiner Schöne. Dessen unverkennbare, raue und sehr charakteristische Stimme macht die Lesung mal wieder zum Vergnügen, zumal Jack Stang aus der Ich-Perspektive erzählt und man glaubt, den Ex-Cop tatsächlich akustisch vor sich zu haben. Die Story gerät ziemlich langsam in Fahrt, hält den Hörer aber doch ausreichend bei der Stange, auch wenn es keine bahnbrechende Spannung gibt. Die Liebesgeschichte von Jack und Bettie ist nett anzuhören; es ist rührend, dass der raubeinige Jack nach zwanzig Jahren, in denen er eisern als Single gelebt hat, seine Bettie zurückbekommt - und sie dann natürlich gegen die Welt verteidigt. Gleichzeitig atmet diese Story einen Hauch von Melancholie und Abschied, was auch schon durch den Titel impliziert wird - es handelt sich um eine Straße, die abgerissen wird, weil sie dem Neuen weichen muss. Auch Jack ist eigentlich alt und seine Ermittlungsmethoden zwar treffend, aber im Grunde genommen überholt.
Fazit: Gute Unterhaltung für Fans von Pulp Fiction im ursprünglichen Wortsinn. Ein New Yorker Ex-Cop verteidigt seine Freundin gegen Schwerkriminelle - voller Klischees zwar, aber genau aus diesem Grund sind die Krimis aus der Hard Case Crime-Reihe ja so unterhaltsam, was natürlich auch an dem ausgezeichneten Sprecher Reiner Schöne liegt.