Wissen Sie, was Amazon von Ihnen weiß? Sicher, Sie sind ein anständiger Mensch, Sie haben nichts zu verbergen. Aber genau darum geht es, um die mangelnde Sensibilität in bezug auf Datenschutz. Amazon weiß viel von uns, viel mehr, als wir Kunden uns so vorstellen. Sie alle haben schon Mails bekommen, daß Kunden, die - ebenso wie Sie - ein bestimmtes Buch gekauft haben, auch jenes andere Buch gekauft haben, das hiermit empfohlen wird. Haben Sie sich mal klargemacht, daß Amazon auf der Grundlage Ihres Kaufverhaltens ein Persönlichkeitsprofil von Ihnen erstellen kann? Daß solche Daten eines nicht allzu fernen Tages einmal vielleicht völlig legal auf eine Anfrage staatlicher Stellen herausgerückt werden müssen? Was war das nochmal für ein Buch, das Sie für einen Bekannten bestellt haben und dessen Inhalt Ihnen nun den Hals bricht?
Der oberste Datenschützer der Nation zeichnet ein düsteres Bild. Daten, die Wirtschaftsunternehmen erheben, machen dabei nur einen kleinen Teil aus. Daten, die aus irgendwelchen Gründen gesammelt werden (oft unter Umgehung bestehender Rechte, und das nicht nur von bösen Hackern), wecken Begehrlichkeiten, vor allem auch bei Politikern. Die Terrorismusangst dient als Vorwand zum Ruf nach mehr und immer mehr Daten. Dabei ist nachweislich die Kriminalitätsrate in den Ländern am niedrigsten, in denen dem Datenschutz hoher Wert beigemessen wird (26). Aber das interessiert nicht. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung, also mein Recht zu wissen, wer welche Daten über mich gespeichert hat (einschließlich, so fordert der Autor, kostenloser Auskunft darüber) und darüber zu bestimmen, wer welche Daten über mich erheben darf, wird unmerklich immer weiter ausgehöhlt. Die Beispiele, alle aus der Praxis der letzten Jahre gegriffen, sind unglaublich erschreckend. Das läßt sich nicht zusammenfassen, das muß jeder schon selbst lesen. Erschwerend kommt hinzu, daß die Datenschutzbehörden personell und finanziell so schlecht bedacht werden, daß sie ihren Aufgaben auch nicht annähernd hinterherkommen können. Davon, daß sie in der politischen und wirtschaftlichen Diskussion fast schon kriminalisiert werden, mal ganz zu schweigen. Dabei schützen sie unsere Rechte als selbstbestimmte menschliche Wesen, und sie tun ihr Bestes, um uns unsere Unbescholtenheit zu bewahren.
Bei Menschen- und Bürgerrechten handelt es sich um Abwehrrechte gegen unerlaubte Übergriffe, von seiten des Staates oder von Dritten. Diese Rechte einzuschränken führt keineswegs zu mehr Schutz vor Kriminalität oder Terrorismus, sondern nur zu mehr Überwachung. Privatsphäre ist niemandem mehr heilig. Wir sollten als Bürger oder auch als Kunden wieder mehr darauf achten. In diesem Zusammenhang: Warum gibt es bei Amazon keine Schaltfläche, auf der ich mich mit der Speicherung von Kaufdaten (über Rückgabefristen hinaus) erst einverstanden erklären muß, oder auf der ich gefragt werde, ob es mir recht ist, daß sie jedes Buch und jede CD speichern, die ich mir auch nur angeschaut habe? Warum kann ich nicht verhindern, daß die nach Jahren noch wissen, was ich alles gekauft habe?