Aus der Amazon.de-Redaktion
"Es gibt keine ein für allemal festgelegten menschlichen Eigenschaften, sieht man von der grundlegenden Fähigkeit ab, selbst zu entscheiden, was wir sein wollen", räumt der derzeitige bioethische Berater der Bush-Administration ein. Doch Agitation, Propaganda, Arbeitslager, Umerziehung, Freud'sche Psychoanalyse, frühkindliche Konditionierung, Behaviourismus -- all das mutet Fukuyama geradezu primitiv an verglichen mit den subtilen Methoden der Biotechnologie. Beispiel Neuropharmakologie: Die forcierte Verabreichung "kosmetischer Psychopharmaka" wie Prozac oder Ritalin zur Emotions- und Verhaltenssteuerung mit ihren begleitenden Begehrlichkeiten der Konsumenten und Wirtschaftsinteressen gäben einen deutlichen Vorgeschmack auf die fatalen Folgen von Eingriffsmöglichkeiten in die Keimbahn. Doch auch ohne Genmanipulation und Menschenklone stellten die ersten drei Stufen der Biotechnologie -- Neuropharmakologie, Wissen um genetische Ursachenketten und Lebensverlängerung -- die menschliche Gleichheit bedenklich in Frage, gesellschaftliche Hierarchien auf den Kopf und eröffneten völlig neue Möglichkeiten zur sozialen Kontrolle. Was erst, wenn wir Menschen mit Sätteln auf dem Rücken oder mit Stiefeln und Sporen an den Füßen züchten können?
Francis Fukuyama warnt vor Defätismus gegenüber der Technik. Seine Mahnungen, Appelle und Vorschläge nationaler und internationaler Überwachungsgremien zeugen freilich von Ohnmacht. Aber immerhin sind sie nicht selbstverständlich für den Berater einer Regierung, die sich aus Wirtschaftsräson für gewöhnlich überhaupt nicht um Multilateralismus schert. --Roland Detsch
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Buchnotiz zu : Die Zeit, 23.05.2002
Von wegen Ende der Geschichte! Thomas Assheuer folgt in seiner ausführlichen Besprechung dem beunruhigten Blick des Autors in die gentechnisch veränderte Zukunft des Menschen. Mit Respekt konstatiert er die Offenheit, mit der Fukuyama seinen Bedenken Ausdruck verleiht, etwa, wenn er das "Schreckgespenst der Eugenik" an die Wand malt. Fukuyama sei ein "Alarmist aus guten Gründen" und zeige eine für amerikanische Verhältnisse erstaunliche Skepsis gegenüber den Heilversprechen der Biotechnologie. Dem allerdings steht sowohl Fukuyamas Besinnung auf den naturhaften Wesenskern des Menschen entgegen, als auch sein "wetterfester Optimismus", was die Chancen einer rechtlichen Normierung angeht. "Einigermaßen blauäugig", meint Assheuer. Und eine Kampfschrift sei "dieses nüchtern und sehr lesbar geschriebene Buch" auch nicht, spüre man auch das fassungslose Erstaunen des Autors darüber, wie viel menschliche Energie für die Genforschung verausgabt werde.
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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2002
Zehn Jahre nach seinem Werk "Das Ende der Geschichte" wartet Francis Fukuyama nun mit dem "Ende des Menschen" auf, von dem sich Rezensent Christian Geyer ziemlich genervt zeigt. Das Herzstück des Buchs ist laut Geyer Fukuyamas Definition der Essenz des Menschseins, das er durch die biotechnologische Revolution bedroht sieht. Das Problem für Geyer ist dabei nur, dass Fukuyama mit dieser Definition erst mal nicht herausrückt, sondern den Leser von Kapitel zu Kapitel vertröstet. Stattdessen verliert er sich nach Auskunft des Rezenten quer durch alle Kapitel in dem Versuch, das Naturrecht zu rehabilitieren. Das ist natürlich ein legitimes Anliegen, findet Geyer. Er kritisiert allerdings, dass Fukuyama dabei die hochkomplexe aktuelle Diskussion über diese Thematik weitgehend ignoriert und alles in einer simplen Mixtur vermengt, was die Philosophie hier mühevoll an Differenzierungsarbeit geleistet hat. Dass er dabei zum Beispiel Immanuel Kant "laufend flott und falsch zitiert", ist nur ein Punkt, über den sich Geyer ärgert. Fukuyamas Bestimmung der menschlichen Natur, die er schließlich doch noch gibt, hält Geyer für eine "Nullaussage", aus der sich für das biotechnologische Sollen und Dürfen nichts ableiten lässt. Letztlich soll nach Fukuyama außer Klonen und dem Herstellen von Mischwesen im Grunde alles möglich sein, wenn es nur "kontrolliert" und zu "therapeutischen Zwecken" erfolgt, wozu man "Institutionen mit wirklichen Durchsetzungskompetenzen" benötigt, referiert Geyer das Fazit von Fukuyamas Arbeit und stöhnt am Ende: "Hätte man dieses winzig kleine Ergebnis nicht auch preiswerter haben können? O menschliche Natur, geschundene!"
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Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 27.05.2002
Eines wird schnell klar: Auf irgendeine Weise Ernst nehmen will und kann die Rezensentin Hilal Sezgin dieses Buch nicht. Fukuyama, immerhin Berater George W. Bushs in Sachen Bioethik, so der Grundtenor der Rezension, hat nicht nur nicht die mindeste Neuigkeit zur Debatte beizutragen, ist nicht nur ein Verfechter windigster, weil in jede beliebige Richtung zu drehender und zu wendender Soziobiologie, nein, das läuft alles auch noch auf einen "reaktionären Humanismus" hinaus, der mit wissenschaftlich nur dünn bemäntelten Argumenten hinter alles zurückfällt, was die letzten Jahrzehnte an feministischer Grundlagenarbeit gebracht haben. Im flapsigen Ton, in der Sache aber bitter zitiert Sezgin eindrucksvolle Beispiele aus dem schlichten Weltbild Fukuyamas herbei und erinnert an die so ganz anders, weil differenziert und "skrupulös" gearteten Interventionen von Jürgen Habermas zum Thema. Am Ende, meint Sezgin, nachdem er sich seine "Privatschneise" durch den Dschungel der Probleme geschlagen hat, steht Fukuyama mit "stolz erhobener Machete" da. Dass irgendjemand durch dieses Buch klüger wird, steht, wenn wir die Rezensentin recht verstehen, nicht zu vermuten.
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Kurzbeschreibung
Aldous Huxley hatte recht. In seinem Roman »Schöne neue Welt« entwarf er die Vision von einer Gesellschaft, in der alle zufriedengestellt sind - um den Preis, daß Menschlichkeit verloren ist. Die Menschheit steht an einem Scheideweg. Immer mehr Menschen wünschen sich schon jetzt, ihre Intelligenz, das Gedächtnis, ihre emotionale Empfindungsfähigkeit und Sexualität zu stärken. Noch wählen sie nicht die Gentechnik, sondern nehmen Psychopharmaka, Drogen, um sich den Wunsch nach einem sorgen- und angstfreien Leben zu erfüllen. Fukuyamas These ist, daß sich eine Mehrheit der Menschen mittels der Gentechnik perfektionieren möchte. Dies wirft dramatische Fragen nach der politischen Ordnung zukünftiger Gesellschaften auf. Fukuyama warnt eindringlich davor, Menschen bedenkenlos gentechnisch zu designen, und mahnt die politisch Handelnden zur Umkehr.
Der Verlag über das Buch
»Wenn Fukuyamas Thesen Unterstützung finden, und vieles spricht dafür, könnte eine neue Wertschätzung staatlicher Regiemaßnahmen entstehen, bevor die Konsequenzen der neuesten biotechnologischen Entwicklungen spürbar werden.«Süddeutsche Zeitung
»Ein nüchtern und sehr lesbar geschriebenes Buch.«DIE ZEIT -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.