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"Es gibt keine ein für allemal festgelegten menschlichen Eigenschaften, sieht man von der grundlegenden Fähigkeit ab, selbst zu entscheiden, was wir sein wollen", räumt der derzeitige bioethische Berater der Bush-Administration ein. Doch Agitation, Propaganda, Arbeitslager, Umerziehung, Freud'sche Psychoanalyse, frühkindliche Konditionierung, Behaviourismus -- all das mutet Fukuyama geradezu primitiv an verglichen mit den subtilen Methoden der Biotechnologie. Beispiel Neuropharmakologie: Die forcierte Verabreichung "kosmetischer Psychopharmaka" wie Prozac oder Ritalin zur Emotions- und Verhaltenssteuerung mit ihren begleitenden Begehrlichkeiten der Konsumenten und Wirtschaftsinteressen gäben einen deutlichen Vorgeschmack auf die fatalen Folgen von Eingriffsmöglichkeiten in die Keimbahn. Doch auch ohne Genmanipulation und Menschenklone stellten die ersten drei Stufen der Biotechnologie -- Neuropharmakologie, Wissen um genetische Ursachenketten und Lebensverlängerung -- die menschliche Gleichheit bedenklich in Frage, gesellschaftliche Hierarchien auf den Kopf und eröffneten völlig neue Möglichkeiten zur sozialen Kontrolle. Was erst, wenn wir Menschen mit Sätteln auf dem Rücken oder mit Stiefeln und Sporen an den Füßen züchten können?
Francis Fukuyama warnt vor Defätismus gegenüber der Technik. Seine Mahnungen, Appelle und Vorschläge nationaler und internationaler Überwachungsgremien zeugen freilich von Ohnmacht. Aber immerhin sind sie nicht selbstverständlich für den Berater einer Regierung, die sich aus Wirtschaftsräson für gewöhnlich überhaupt nicht um Multilateralismus schert. --Roland Detsch
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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
10 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Lesenwert, aber mit ein wenig Vorsicht zu geniessen,
Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Menschen (Gebundene Ausgabe)
Etwas zufällig bin ich über Fukuyama gestolpert und war überrascht, daß ich vorher nix von ihm gehört habe.Jeder, der dieses Buch liest, wird ganz sicher ebenso überrascht sein über die scharfsinnigen Thesen. Wer sich mal ein paar tiefere Gedanken machen möchte, wenn er wieder inrgendwas über Klonbabies der Raélianer hört, wer endlich mal über das Stammtischniveau hinauskommen will, wenn es um Gentechnik, Überbevölkerung, Stammzellforschung und andere Biotechniken geht, sollte sich das Buch unbedingt anschaffen. Nachteil: Wer sich sehr gut mit Philosophie auskennt, ist sicherlich hin und wieder genervt, wie leichtfertig er Nietzsche, Hegel, Hume und andere auf den einen oder anderen Standpunkt reduziert. Manches kann man einfach nicht so sagen, wie Fukuyama meint, aber er liegt da in bester amerikanischer Tradition. Dafür gibts nen Stern Abzug, aber wer so intelligent provozieren kann, hat von mir sonst die volle Punktzahl verdient. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
6 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Abwertung des Menschlichen,
Von Dr. Frank Meyer "selbstregulation.de" (Nürnberg, Germany) - Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME)
Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Menschen (Gebundene Ausgabe)
Hirnforschung, gentechnische Medizin sowie neue Medikamente zur Behandlung von Depressionen und Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern erweitern unsere Möglichkeiten, auf Persönlichkeitsmerkmale Einfluss zu nehmen. Was gestern noch als pädagogische oder soziale Herausforderung galt, wird heute als medizinisches Problem auf der Ebene des "Gehirnstoffwechsels" angesehen. Der konservative amerikanische Historiker, Philosoph und Präsidentenberater Francis Fukuyama belässt es nicht beim Lamentieren über den allgemeinen Wertverfall oder einseitigen Schuldzuweisungen, etwa an "die Konzerne", sondern stellt die schleichende Umwertung aller Werte, wie sie vor einem Jahrhundert schon Nietzsche vorausgesehen hatte, als Konsequenz der wissenschaftlichen und kulturellen Entwicklung des 20. Jahrhunderts dar. Eine brillante Analyse der Abwertung des Menschlichen, die mit der rasanten Entwicklung der Biowissenschaften und der Verengung des Blickwinkels auf molekulare Vorgänge als angeblicher Grundlage unseres Denkens, Fühlens und Handelns einher geht. Dass die Lösungsmöglichkeiten nur durch ein neues Denken über den Menschen gefunden werden können, liegt auf der Hand. In dieser Hinsicht enttäuscht das Buch ein wenig - aber vielleicht folgt ja demnächst eine Fortsetzung, in der Erfolg versprechende neue Denkansätze vorgestellt und weiterentwickelt werden.
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0 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Selbstbestimmung des Menschseins?,
Von
Rezension bezieht sich auf: Das Ende des Menschen (Gebundene Ausgabe)
Die Möglichkeiten der Humanbiotechnologie, die sich in Zeiten der vollständigen Entschlüsselung des menschlichen Genoms abzeichnen, gehen weit über das Szenario hinaus, das Aldous Huxley in Schöne neue Welt" erschreckend hinstellte. Der Roman handelte von einer Welt, in der, basierend auf einer sanften Tyrannei mittels eugenischer und psychopharmakologischer Praktiken, jedermann glücklich und gesund zu sein schien. Kämpfe um Selbstbestimmung und Emanzipation, Furcht oder Hoffnung aber hatten in dieser Welt keinen Platz mehr. Jede Frage nach dem Sinn der eigenen Existenz erübrigte sich.
Seitdem in den 80er Jahren biotechnologische Fragestellungen im Bereich der landwirtschaftlichen Produktion ins öffentliche Bewusstsein traten (genveränderter Mais usw.), hat die fortgesetzte bioethische Debatte bis heute zu keinem endgültigen Ergebnis geführt. Fortschrittsgläubige Wissenschaftler, fasziniert von neuen Machbarkeiten, und religiös orientierte Fundamentalisten, die die gottgewollte Ordnung bedroht sehen, die erbitterten Kontrahenten in diesem Kampf, haben längst alle Argumente ausgetauscht. Bioethik-Kommissionen und wissenschaftliche Räte sind zusammengetreten, um das Für und Wider auszuleuchten und den politischen Entscheidungsträgern Parameter, denkbare Kontrollmechanismen für die Zukunftsgestaltung an die Hand zu geben. Die Komplexität dieser Debatte lässt manchen allerdings resignieren oder gar zynisch werden. Manche Bioethiker sind heute nur noch geschickte Rechtfertiger dessen, was Wissenschaftler tun möchten, ausgestattet mit genügend Kenntnissen in katholischer Theologie oder Kantscher Metaphysik, um Kritiker und Gegner der Biotechnologie argumentativ lässig abwehren zu können. Und dennoch oder umso mehr gehen die Forschungen mit großen Schritten voran, verbunden mit einem mancherorts unbändigen Umsetzungswillen. Für die Jahre 2002, 2003 wurde das Klonen eines menschlichen Wesens angekündigt. Unabsehbar finanzstarke, global operierende Gruppierungen reizen alle bestehenden, über die Staatengemeinschaft hinweg außerordentlich uneinheitlichen, gesetzlichen Normen aus und arbeiten daran, gewaltige Zukunftsmärkte zu kreieren, die das gesellschaftliche Zusammenleben so tiefgreifend verändern werden, dass Huxley's Vision sich dagegen wie allenfalls ein Präludium ausnimmt. Francis Fukuyama, Autor des vorliegenden Buches, lehrt Politische Ökonomie in Baltimore. Er gehört zum Beraterstab des amerikanischen Präsidenten und ist zuständig für die Fragen der Bioethik. Von daher werden seine Warnungen von vielen gehört werden, und vielen Verfechtern eines globalen Neoliberalismus, die Hand in Hand arbeiten mit den Vertretern des humanbiotechnologischen Projekts, wird dies ein Dorn im Auge sein. Er stellt durchaus keine bequemen Fragen. Denn, so Fukuyama, wir müssen uns heute fragen, ob wir in Zukunft statt zu therapieren den Menschen perfektionieren wollen? Ob wir künftig Familien wollen, deren Kind leibliches (geklontes) Kind und 25 Jahre jüngerer Zwilling des Vaters oder der Mutter zugleich ist? Ob wir das Designerbaby wollen, ob wir es in Zukunft zulassen wollen, dass Eltern Embryonen auf der Basis von Geschlecht, Intelligenz, Aussehen, Augen- oder Haarfarbe und der sexuellen Orientierung sowie anderer Eigenschaften genetisch überprüfen und für die Implantation auswählen können (Präimplantationsdiagnostik und genetisches Screening)? Ob wir es zulassen wollen, dass manipulativ in die Keimbahn eingegriffen und so den veranlagten Erbmerkmalen jedes beliebige genetische Merkmal hinzugefügt werden kann, auch Merkmale anderer Gattungen als der Gattung Mensch? Ob wir es zulassen wollen, dass es unter der Verwendung menschlicher Gene zur Schaffung von Chimären kommt, von Mischwesen also? Fukuyama bringt mit Blick auf diese Fragen zuverlässiges Material bei. So zitiert er etwa hinsichtlich der zuletzt genannten Frage Geoffrey Bourne mit den Worten: Es wäre wissenschaftlich betrachtet außerordentlich wichtig, den Versuch zu unternehmen, Menschenaffen und Menschen zu kreuzen." Bourne ist ehemaliger Direktor eines Zentrums für Primatenforschung in Atlanta. In dieser Situation stellt sich also, wie Fukuyama aufzeigt, nichts Geringeres als das Problem, ob das Ende des Menschen" in Sicht ist. Treten wir ein in eine posthumane Welt", in der bis dahin selbstverständliche menschliche Gemeinsamkeiten verloren gegangen sein werden, allein schon, weil die menschlichen Gene mit jenen etlicher anderer Gattungen vermischt sind, so dass gar keine klare Vorstellung davon mehr möglich ist, was ein menschliches Wesen eigentlich ausmacht? Seine ernsten Warnungen vor äußerst gefährlichen Entwicklungen in Folge des humanbiotechnologischen Projekts, sein Plädoyer für stringente politische Kontrollverfahren auf dem gesamten Feld der Gen- und Embryonenforschung sowie für die Schaffung neuer durchsetzungsfähiger Instanzen demokratischer Gesellschaften - über die Grenzen der Nationalstaaten hinweg - stützt Fukuyama im Wesentlichen auf naturrechtlich orientierte Darlegungen zu der Frage nach der Natur, der Würde und dem Recht des Menschen. Die menschliche Natur, eingebunden in eine genetisch unangetastete und insofern intakte natürliche Umwelt, in ihrer universellen Würde und ihren angeborenen Rechten zu schützen ist ihm unverrückbares, hohes Ziel demokratischer Gesellschaften. Um die sich ihm dabei ergebende Sonderstellung des Menschen", wie er sie postuliert, zu begründen, bewegt Fukuyama sich allerdings im Wesentlichen auf eingeschränktem, biowissenschaftlichem und soziologischem Gebiet. Nicht zuletzt für ihn selbst wäre es aber mehr als reizvoll, nämlich hilfreich und notwendig, zu ihrer Begründung außerdem auch nach der geistigen Dimension des Menschseins zu fragen. Sie spielt für ihn offenbar nur insofern eine Rolle, als die überlieferten Religionen über sie Auskunft geben. Da handelte es sich dann aber um reine Glaubensfragen, die das Gegenüber in der Debatte nicht erreichen, sondern als Irrationalismus zurückgewiesen werden. Deshalb fragt der Autor auch immer wieder nach den weltlichen Gründen" für die Eingrenzung des humanbiotechnologischen Projekts, ja für die Umkehr, die ihm notwendig erscheint. Dennoch, jeder, der die Frage nach menschlicher Selbstbestimmung auch aus der Perspektive der geistigen Existenz des menschlichen Wesens stellt, wird in der fundierten Arbeit Fukuyamas eine Fülle weiterführender Argumente finden und aus ihr großen Gewinn ziehen können. © NOVALIS - 2002 Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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