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In seinem eben erschienenen Buch „Das Ende des Journalismus“ hält der Leiter der steirischen „Presse“-Redaktion, Ernst Sittinger, ein überzeugtes „Plädoyer für einen bedrohten Beruf“ – den des Journalisten. Der Titel endet nicht mit einem Fragezeichen, sondern bleibt als Behauptung, die sich auch nach dem (genussvollen) Lesen der über 200 Seiten nicht wirklich widerlegen lässt.
Genauso wie sich die Gesellschaft in den letzten Jahren enorm verändert hat, vollzog auch der Journalismus als wesentlicher Bestandteil des Medienwesens eine enorme Wandlung. Pointiert schildert der promovierte Medienrechtler Sittinger diese Veränderung und widmet sich dabei in allererster Linie dem zweischneidigen Paarlauf von Journalisten und „Public Relations“. Denn darin scheint die Wurzel des Übels der titelgebenden Behauptung zu liegen: Während sich Medien immer mehr wirtschaftlichen Zwängen hingeben müssen (und den Journalisten zu einem Kostenfaktor degradieren) geben gleichzeitig Unternehmen und Parteien immer höhere Summen für Pressesprecher, Werbeagenturen oder Kommunikationsberater aus. Und während die Grundaufgabe des Journalisten das investigative Aufzeigen gesellschaftsrelevanter Themen sein sollte, werden letztere dafür bezahlt, möglichst wunschgemäß gefilterte Informationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
PR versus Journalismus?
Trotzdem betreiben Journalismus und PR keinen Kampf gegeneinander, sie sind auf mehr oder weniger diffizile Art und Weise von einander abhängig. Der Pressesprecher braucht den Journalisten genauso wie umgekehrt. Früher war es für den Journalisten ungleich schwieriger an Informationen zu kommen – heute reicht ein Anruf in einer Pressestelle und meistens bekommt der Schreiberling, was er braucht. Ob er die nun erhaltene Information nun freilich wortgleich verwendet oder doch Nach- und Gegenrecherche betreibt, bleibt dem Verantwortungsbewusstsein des Journalisten vorbehalten – so kann es für einen Pressesprecher, beziehungsweise dessen Chef, oft unliebsame Überraschungen geben, wenn er am nächsten Tag in der Zeitung sehen muss, was aus seinen Informationen geworden ist.
Der große Vorteil der PR-Maschinerie freilich ist der enorme Spardruck, dem viele Redaktionen heutzutage ausgesetzt sind, wie Sittinger gut belegt. Selbst großformatige Qualitätszeitungen sind mittlerweile bereit sogar ihre Titelseiten an Unternehmen zu verkaufen oder von vorne bis hinten bezahlte Sonderbeilagen als so genannte Supplements ins Blatt zu mischen. Medien mit weniger hohem Anspruch sehen sich gleich als grundsätzlich zum Verkauf angebotene Werbefläche, die im Gemisch mit redaktionellen Beiträgen Kunden und Leser gleichsetzen.
PR-Profis wissen diese wirtschaftlichen Zwänge zu nützen: Gratisfotos gehören zum buchstäblichen Handapparat jedes halbwegs professionellen Pressesprechers, Unternehmen tun sich leicht, Medienvertreter in Zeiten immer seltener bezahlter Dienstreisen auf ausgedehnte Pressereisen oder Seminare einzuladen, Pressetexte werden in journalistischem Stil geschrieben, sodass der Redakteur diesen ohne viel Arbeits- (und Zeit-)Aufwand verwenden kann. Wie erfolgreich man damit sein kann, beweist ein Beispiel Sittingers punktgenau: 2001 berichtete die „Zeit im Bild“ von einem New-York-Aufenthalt der Kärntner Landeshauptmanns. Bloß: Jörg Haider wurde von gar keinem ORF-Journalisten begleitet! Nein, er hatte sich einfach von seinem Pressesprecher fernsehgerecht interviewen lassen und das Band dem Staatsfunk überlassen. Diese Episode belegt, dass PR längst in alle Medienbereiche Einzug gehalten hat, mögen sie nach Außen noch so ein seriöses Mäntelchen tragen.
Trotzdem ist Sittingers Buch kein Wehklagen voller sentimentaler Erinnerungen an möglicherweise längst vergangene Zeiten. Seine, freilich journalistisch und nicht wissenschaftlich geschriebenen Zeilen sind ein (auch unterhaltsamer und gut recherchierter) Appell an eine Zunft, die heute noch genauso viel Verantwortung trägt wie früher. Was Sittinger verschweigt, ist dass gerade diese manch leitendem Redakteur oft aus individuellen Gründen abhanden kommt – wer sich die Berichte zu den steirischen Skandalen der letzten Monate (EStAG, Herberstein, ...) in verschiedenen Medien durchgelesen hat, konnte bemerken, wie sehr die Sicht auf die Dinge von Zeitung zu Zeitung variiert. Allzugerne neigen (auch) Journalisten dazu, ihre persönlichen Spielchen zu spielen und die Macht, die sie haben, auch einzusetzen. Diese Seite kommt bei Sittingers im Leykamverlag erschienenen Werk leider zu kurz.
„Das Ende des Journalismus“ ist gleichzeitig ein Wachrüttler für den Medienkonsumenten, dessen Selbstverantwortung heute viel stärker gefragt ist. „Glaub nicht alles, was in der Zeitung steht“ ist keine Binsenweisheit, es sollte eine inspirierende Aufforderung sein. Und dieser Schluss lässt die These zu, dass der Konsum (bei aller Fragwürdigkeit dieses Begriffes im Zusammenhang mit Journalismus) von Information in der heutigen Zeit die Köpfe der Menschen viel mehr beansprucht, als früher. Was ja nicht wirklich etwas Schlechtes sein muss.
<Steiermarkmagazin Klipp>
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