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Das Ende des Journalismus: Plädoyer für einen bedrohten Beruf [Broschiert]

Ernst Sittinger
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Kurzbeschreibung

2005
Zählt der Journalismus ausgerechnet im "Medienzeitalter" zu den bedrohten Arten? Der Befund mag irritieren. Doch es lässt sich nicht leugnen, dass der Beruf kulturell und wirtschaftlich unter Druck gerät. Während in der Redaktion alles sparsam und schnell gehen muss, weil der Kostendruck zu immer neuen Einschnitten zwingt, haben wirtschaftliche und politische Lobbies massiv aufgerüstet. Eine Flut an Pressesprechern, Agenturen und PR-Büros produziert kameragerechte Auftritte und mundgerecht vorgefertigte Instant-Zitate. Die Bereitschaft für kommerziell diktierte Kompromisse steigt. Ist das die Medienwelt, die wir wollen? Offenbar schon. Für das Publikum steht oft nicht Qualität, sondern das Entertainment im Vordergrund. Schwindende Leselust und politisches Desinteresse verdrängen die seriöse Zeitungskultur vom Markt. Der Autor zeigt pointiert die Probleme auf und weist mögliche Auswege aus einer Krise, die uns alle betrifft. Sittingers These: Die Bestandsgarantie für die "geistige Feuermauer" der Demokratie muss aus der Gesellschaft selbst kommen. Dann ist auch in Zukunft ein vitaler Journalismus möglich, der Quote und Qualität zu einer marktfähigen Dienstleistung vereint.

Produktinformation

  • Broschiert: 208 Seiten
  • Verlag: Leykam; Auflage: 1., Aufl. (2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3701175160
  • ISBN-13: 978-3701175161
  • Größe und/oder Gewicht: 23 x 16,8 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.550.838 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Über den Autor

Ernst Sittinger ist seit zwei Jahrzehnten in Wien und Graz als innenpolitischer Journalist für Qualitäts-Tageszeitungen tätig. Der 1966 geborene Autor absolvierte ein Jus-Studium in Graz (Sponsion 1989, Promotion 1993, Schwerpunkt: Medienrecht). Parallel dazu erste Berufserfahrungen als Journalist, Kabarettist und Texter. 1989–1995 Redakteur des „Standard“. Seit 1995 bei der „Presse“, seit 2001 in leitender Funktion: Ressortleiter Innenpolitik, dann Aufbau und Leitung der Steiermark-Redaktion. Lehrbeauftragter für politischen Journalismus und Medienwesen an der Universität Graz, der Fachhochschule Joanneum und der Montanuniversität Leoben. Zahlreiche Vorträge, Seminare, Veröffentlichungen im Schnittpunkt zwischen Politik, Medien und Public Relations.

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5.0 von 5 Sternen Für mich die Hauptaussagen des Buches waren folgende: 20. November 2008
Format:Broschiert
... ein 'anständiger' Journalist muss jede Information, die er im Rahmen seiner Recherchen von einer Quelle erhält, bei einer anderen Quelle gegenprüfen.

Es gibt keine breit wirkende Medienerziehung.

Legende von den Bad News. Ökonomie der Aufmerksamkeit.

Der Publizist und Historiker Friedrich Heer stellte dies schon 1964 fest: 'Der Konsument bezieht seine Zeitung, um täglich versichert zu erhalten, dass sein politisches Weltbild stimmt. Er erwartet von seiner Zeitung die tägliche Versorgung mit Nachrichten, die ihm liegen, und die Fernhaltung und Bekämpfung von Tatsachen, Nachrichten, Informationen, die ihm nicht liegen.' In der Sozialpsychologie kennt man dieses Phänomen als 'kognitive Dissonanz'.

Unterhaltung ist ein höchst wirksames Transportmittel, eine 'Trägerrakete' für Information.

... man steht mit einem Fuß an der Schwelle zur Manipulation ...

Objektivität, Vollständigkeit & Verständlichkeit.

'Eine Nachricht zu veröffentlichen ist ein politischer Akt. Eine Nachricht nicht zu veröffentlichen, ist ebenfalls ein politischer Akt.' Auch Ablenkung ist Lenkung. (Fritz Csoklich)

Werbewirtschaft. Die Hand, die einen füttert soll man nicht beißen.

... Journalismus ein Geschäftszweig ist & Zeitungsverlage auch Gewinne schreiben wollen.

Nur ca. 1/3 des Umsatzes aus Verkaufserlöse; 2/3 Werbeeinnahmen.

'Öffentlichkeit heute serviert den Menschen, was sie nichts angeht, und enthält ihnen vor (...), was sie ja etwas anginge. Das Recht der Menschen auf Öffentlichkeit; während sie deren Subjekte sein sollten, werden sie zu deren Objekten.' (Theodor W.Adorno)

Wer zuviel nachdenkt, könnte am Ende dort & da als Konsument abhanden kommen. Und das würde der Wirtschaft ernsthaft schaden.

5 Systembrüche (Medienexpertin Katja Riefler S.59)

- Transport riesiger Datenmengen
- überwiegend in Echtzeit
- keine räumlichen Grenzen mehr
- Interaktivität
- punktgenaue Anpassungan pers. Nutzerbedürfnisse

overnewsed but underinformed (S.101)

Wer sich nur auf eine Quelle verlässt, ist schnell verlassen!

Sind die Leitmedien einmal identifiziert, kann mit punktueller Einflussnahme an den Knotenpunkten der Kommunikation die gesamte Medienlandschaft effektiv gesteuert werden. (S.106)

'Rückkehr der schriftstellernden Privatleuten'

'Die sogenannte Zivilgesellschaft wird zur 5ten Macht im Staate' (Grassmuck
)
'Die 5te Macht, könnte die 4te Gewalt, also die herkömmlichen Medien, künftig in Bedrängnis bringen.'

'Jede Art von Zugangsspeere könnte jederzeit von totalitären Staaten zur Unterbindung unerwünschter Kritik missbraucht werden.' (Schweizer Rechtsanwalt David Rosenthal) (S.111)

'Jeder ist ein Paparazzo im globalen Dorf.' (Jornalist Helmut Spudich)

'Die Zeitung wird dazu gedruckt, um nicht gelesen zu werden.' (Kulturwissenschaftler Boris Groys) (S.119)

'Infotainment ist die Kapitulation des Jornalisten vor dem Zusammenhang.' (Jornalist Gottlieb F. Höpli)

Lehre für PR Berater: 'Wer die Berichterstattung über ein Thema verhindern will, gestalte den Zugang möglichst kompliziert.'

'Bildung kommt von Bildschirm und nicht von Buch, sonst heiße es ja Buchung.' (dt. Kabarettist & Medienkritiker Dieter Hildebrandt) (S.121)

'Wenn heute einer noch eine neue Zeitung macht, dann ist er selber schuld.' (Medienzar Hubert Burda) (S.121)

Die japanische Kulturforscherin Machiko Kusahara sieht das Handy-Display sogar schon mit dem menschlichen Körper verschmelzen und stellt in diesem Zusammenhang fest:
'Es gibt keine klare Grenze mehr zwischen realer Wirklichkeit & virtueller Bilderwelt.' (S.122)

Nur das was die Medien abbilden, 'passiert' auch wirklich. (S.134)

'Es ist alles sehr kompliziert.' (Fred Sinowatz)

Pseudo Ereignisse (S.150)

'embebbeb journalism', kehrt auch in abgeschwächten Stadien, bei uns im Alltag ein. (S.169)

Die Initiative 'Qualität im Journalismus' verabschiedete im Dezember 2004 in Salzburg eine richtungsweisende Erklärung, in der es heißt: 'In einer Zeit raffinierter politischer Inszenierungen ist es notwendig, das Sensorium für die eigentliche journalistische Aufgabe zu schärfen, nämlich eine kritische und informierte Öffentlichkeit herzustellen.'Und weiter: Der Journalismus dürfe die fortschreitende Entwertung der Politik zum Showereignis weder als Handlanger noch als Mitspieler begleiten oder fördern. ... Und sei es nur, um rechtzeitig auf dem Posten zu sein, falls der Spaßgesellschaft einmal das Lachen vergeht. (S.194)

Der Schlüssel für die Zukunft des Journalismus liegt mit Sicherheit in einer Stärkung der Medienkompetenz aller Marktteilnehmer, sprich: Staatsbürger. (S.200)

Wenn die deliberativen Medien durch akklamierende Medien ersetzt werden, dann neigt sich die vernunftgesteuerte Demokratie ihrem Ende zu. Nochmals Armin Thurnher: 'Dann haben wir eine Daumen-rauf und Daumen-runter-Gesellschaft. Damit ist das Ende des Journalismus verbunden.' (S.201)

Kein Journalismus ohne Publikum (S.201)
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Was vom Journalismus übrig blieb... 17. Dezember 2005
Format:Broschiert
Das neue Buch von Ernst Sittinger macht nachdenklich: Ist der Journalismus am Ende?

In seinem eben erschienenen Buch „Das Ende des Journalismus“ hält der Leiter der steirischen „Presse“-Redaktion, Ernst Sittinger, ein überzeugtes „Plädoyer für einen bedrohten Beruf“ – den des Journalisten. Der Titel endet nicht mit einem Fragezeichen, sondern bleibt als Behauptung, die sich auch nach dem (genussvollen) Lesen der über 200 Seiten nicht wirklich widerlegen lässt.

Genauso wie sich die Gesellschaft in den letzten Jahren enorm verändert hat, vollzog auch der Journalismus als wesentlicher Bestandteil des Medienwesens eine enorme Wandlung. Pointiert schildert der promovierte Medienrechtler Sittinger diese Veränderung und widmet sich dabei in allererster Linie dem zweischneidigen Paarlauf von Journalisten und „Public Relations“. Denn darin scheint die Wurzel des Übels der titelgebenden Behauptung zu liegen: Während sich Medien immer mehr wirtschaftlichen Zwängen hingeben müssen (und den Journalisten zu einem Kostenfaktor degradieren) geben gleichzeitig Unternehmen und Parteien immer höhere Summen für Pressesprecher, Werbeagenturen oder Kommunikationsberater aus. Und während die Grundaufgabe des Journalisten das investigative Aufzeigen gesellschaftsrelevanter Themen sein sollte, werden letztere dafür bezahlt, möglichst wunschgemäß gefilterte Informationen einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.

PR versus Journalismus?

Trotzdem betreiben Journalismus und PR keinen Kampf gegeneinander, sie sind auf mehr oder weniger diffizile Art und Weise von einander abhängig. Der Pressesprecher braucht den Journalisten genauso wie umgekehrt. Früher war es für den Journalisten ungleich schwieriger an Informationen zu kommen – heute reicht ein Anruf in einer Pressestelle und meistens bekommt der Schreiberling, was er braucht. Ob er die nun erhaltene Information nun freilich wortgleich verwendet oder doch Nach- und Gegenrecherche betreibt, bleibt dem Verantwortungsbewusstsein des Journalisten vorbehalten – so kann es für einen Pressesprecher, beziehungsweise dessen Chef, oft unliebsame Überraschungen geben, wenn er am nächsten Tag in der Zeitung sehen muss, was aus seinen Informationen geworden ist.
Der große Vorteil der PR-Maschinerie freilich ist der enorme Spardruck, dem viele Redaktionen heutzutage ausgesetzt sind, wie Sittinger gut belegt. Selbst großformatige Qualitätszeitungen sind mittlerweile bereit sogar ihre Titelseiten an Unternehmen zu verkaufen oder von vorne bis hinten bezahlte Sonderbeilagen als so genannte Supplements ins Blatt zu mischen. Medien mit weniger hohem Anspruch sehen sich gleich als grundsätzlich zum Verkauf angebotene Werbefläche, die im Gemisch mit redaktionellen Beiträgen Kunden und Leser gleichsetzen.
PR-Profis wissen diese wirtschaftlichen Zwänge zu nützen: Gratisfotos gehören zum buchstäblichen Handapparat jedes halbwegs professionellen Pressesprechers, Unternehmen tun sich leicht, Medienvertreter in Zeiten immer seltener bezahlter Dienstreisen auf ausgedehnte Pressereisen oder Seminare einzuladen, Pressetexte werden in journalistischem Stil geschrieben, sodass der Redakteur diesen ohne viel Arbeits- (und Zeit-)Aufwand verwenden kann. Wie erfolgreich man damit sein kann, beweist ein Beispiel Sittingers punktgenau: 2001 berichtete die „Zeit im Bild“ von einem New-York-Aufenthalt der Kärntner Landeshauptmanns. Bloß: Jörg Haider wurde von gar keinem ORF-Journalisten begleitet! Nein, er hatte sich einfach von seinem Pressesprecher fernsehgerecht interviewen lassen und das Band dem Staatsfunk überlassen. Diese Episode belegt, dass PR längst in alle Medienbereiche Einzug gehalten hat, mögen sie nach Außen noch so ein seriöses Mäntelchen tragen.

Trotzdem ist Sittingers Buch kein Wehklagen voller sentimentaler Erinnerungen an möglicherweise längst vergangene Zeiten. Seine, freilich journalistisch und nicht wissenschaftlich geschriebenen Zeilen sind ein (auch unterhaltsamer und gut recherchierter) Appell an eine Zunft, die heute noch genauso viel Verantwortung trägt wie früher. Was Sittinger verschweigt, ist dass gerade diese manch leitendem Redakteur oft aus individuellen Gründen abhanden kommt – wer sich die Berichte zu den steirischen Skandalen der letzten Monate (EStAG, Herberstein, ...) in verschiedenen Medien durchgelesen hat, konnte bemerken, wie sehr die Sicht auf die Dinge von Zeitung zu Zeitung variiert. Allzugerne neigen (auch) Journalisten dazu, ihre persönlichen Spielchen zu spielen und die Macht, die sie haben, auch einzusetzen. Diese Seite kommt bei Sittingers im Leykamverlag erschienenen Werk leider zu kurz.
„Das Ende des Journalismus“ ist gleichzeitig ein Wachrüttler für den Medienkonsumenten, dessen Selbstverantwortung heute viel stärker gefragt ist. „Glaub nicht alles, was in der Zeitung steht“ ist keine Binsenweisheit, es sollte eine inspirierende Aufforderung sein. Und dieser Schluss lässt die These zu, dass der Konsum (bei aller Fragwürdigkeit dieses Begriffes im Zusammenhang mit Journalismus) von Information in der heutigen Zeit die Köpfe der Menschen viel mehr beansprucht, als früher. Was ja nicht wirklich etwas Schlechtes sein muss.

<Steiermarkmagazin Klipp>

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