Das ist die Antwort, die die Eiferer verdient haben. In einer Welt, wo sogenannte Kreationisten allen Ernstes fordern, im Biologieunterricht an Schulen die biblische Schöpfungsgeschichte (!) zu lehren, kann die Reaktion der Vernunft nicht hart genug ausfallen. In einer Welt, wo Grünen-Politiker islamische Feiertage in Deutschland und einen türkischen Text der Nationalhymne vorschlagen, bedarf es eines starken Antiserums. Das versprüht Sam Harris auf jeder Seite dieses faszinierenden Buches.
Ob Christentum, Islam oder Judentum, Harris analysiert und entlarvt sie alle. Er verdeutlicht, dass ein Schwinden der Toleranz gegenüber anachronistischen religiösen Bräuchen ein unschätzbarer Beitrag zum Weltfrieden wäre. Das Interessante dabei ist, dass er im Gegensatz zu Richard Dawkins dem Menschen spirituelle Praktiken durchaus zugesteht. Über den Buddhismus etwa spricht er sich lobend aus, er sieht darin die fortgeschrittenste der großen Religionen, während er völlig richtig erkennt, dass die Anhänger von Jesus und Mohammed über Jahrhunderte hinweg keine nennenswerte geistige Entwicklung verzeichnen konnten.
Manche Abschnitte des Buches sind philosophisch höchst anspruchsvoll, andere verdeutlichen das Gesagte im Plauderton, mit Humor, und keineswegs eifernd, wie es den "neuen Atheisten" gelegentlich vorgeworfen wird. Dem Schweizer Verlag Edition Spuren ist mit diesem Werk ein Volltreffer gelungen. Das Sachbuch liest sich spannend wie ein Krimi, und alle, die den Aberglauben, mit dem sie aufgezogen wurden, hinter sich gelassen haben, um ihn durch Verstand zu ersetzen, werden es lieben.
Besonders gelungen die kleinen Denkspiele und Experimente, mit denen Harris seine Leser fortwährend bei der Stange hält und sie gewissermaßen "interaktiv" am Thema beteiligt. Der Lesende wird zum Nachdenken gezwungen - womöglich auch einer der Gründe, weshalb die Gegenseite diese Art von Literatur nicht allzu sehr schätzt.
"Es wäre ein wahres Wunder gewesen, wenn die Hölle sich nicht gerührt hätte", so der Kommentar von Monsignore Walter Braumüller, dem Präsidenten des päpstlichen Komitees für Geschichtswissenschaften, zu diesem Buch. Wenn wir diesen Satz, ausgesprochen im 21. Jahrhundert, einmal kurz goutieren, dürfte es keine Zweifel mehr geben, auf welcher Seite der Wahnsinn kursiert.