Über den Autor
Brigitte Roser ist Diplom-Psychologin und berät mittelständische und Großunternehmen in Führungsfragen. Sie hat sich auf die Themen Konfliktmanagement, Team-Erfolg und Persönlichkeitsentwicklung spezialisiert. Brigitte Roser lebt mit ihrem Mann in Frankfurt am Main. Sie ist leidenschaftliche Gärtnerin und Fotografin und findet Ausreden, um nicht joggen zu müssen.
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Einleitung
Willkommen im Club!
Sie reden sich also auch heraus!
Was hätte Sie sonst bewogen, dieses Buch in die Hand zu nehmen? Ganz offensichtlich hat der Begriff »Ausreden« etwas in Ihnen zum Klingen gebracht. In dem unübersehbaren Trubel der dreiundzwanzigtausend Titel im Büchermarkt musste sich die Überschrift Ihre Aufmerksamkeit erkämpfen, sich dazu in Ihr Gehirn vorarbeiten - und hat es bis dorthin geschafft. Wie ist ihr das gelungen? Ausreden scheinen in Ihrem Leben eine Rolle zu spielen. Damit sind Sie in guter Gesellschaft. Vielleicht war es die Kombination von »Ausreden« mit »Das Ende der ...«? Fürchten Sie nun zu erfahren, dass Sie sich nicht mehr herausreden sollen, oder hoffen Sie, dass Sie es doch dürfen, oder freuen Sie sich darauf, zu erfahren, wie man damit aufhört und was man davon hat?
Ausreden sind unverzichtbar. Ausreden helfen uns. Ausreden sind langweilig. Ausreden können uns retten. Ausreden können uns in Sackgassen führen und bewirken, dass wir unser Leben verfehlen. Sie sehen schon: Ein einfaches Schwarz oder Weiß wird uns hier nicht weiterbringen.
In den Monaten, in denen ich an diesem Buch geschrieben habe, ist mir ein Phänomen immer wieder begegnet: Sobald ich den Titel nenne - und zwar allein den Titel! -, nickt mein Gegenüber wissend, lächelt, lacht, seufzt und wirkt irgendwie ertappt. Kein einziges Mal hat mich jemand gefragt, um was es in dem Buch gehen soll. Alle schienen bereits Bescheid zu wissen. Jeder füllt diesen Titel automatisch mit seiner eigenen Geschichte. Wir sind alle Ausreden-Experten.
Was verbindet Sie persönlich - heute - mit diesem Thema?
Was rührt es in Ihnen an? Wäre ein Ende Ihrer Ausreden für Sie ein kleiner oder ein großer Schritt?
Vielleicht leben Sie bereits das Leben, das Ihnen entspricht, machen sich selbst und anderen wenig vor und bedauern nichts. Nur in einem kleinen Winkel Ihres Alltages gäbe es etwas aufzuräumen, und da ist bislang immer eine Ausrede im Weg gewesen? Dieses Hindernis lässt sich wahrscheinlich leicht zur Seite räumen.
Vielleicht ist es aber auch etwas von größerer Bedeutung, etwas Wichtiges, das Lebensenergie schluckt und Sie hindert, so zu leben, wie es Ihren Talenten und Werten entspräche. Vielleicht gibt es etwas, das Sie tun möchten, sich aber nicht zutrauen, eine Sehnsucht, die Sie sich nicht eingestehen wollen, oder eine Reise, die Sie endlich antreten sollten.
Woran können Sie erkennen, dass die Zeit reif ist, mit den Ausreden aufzuhören?
Es gibt viele mögliche Indizien: Sie haben manchmal ein Gefühl vager Fremdheit zu sich selbst. Momente, in denen Sie spüren, dass Sie nach einem Erfolgsrezept leben, das Sie sich nicht selbst ausgedacht haben - jedenfalls nicht bewusst. Es funktioniert sehr gut, und trotzdem kommt Ihnen gelegentlich ein Zweifel, ob Sie eigentlich wirklich immer so weiterleben möchten.
Ein diffuses Unbehagen. Träume bleiben auf der Strecke, Selbstverleugnung tarnt sich mühsam als ironische Abgeklärtheit. Eine Ahnung von Überdruss, eine moderate Krise. Oder Sie empfinden in bestimmten Situationen Langeweile gegenüber den eigenen Leitsätzen. Sie hören sich selbst zu und denken plötzlich: Was soll das? Was sind das für Sätze, die ich hier seit Jahren doziere? Von wem stammen die eigentlich? Und glaube ich das tatsächlich?
Oder die sich einstellende Gewissheit, dass sich bestimmte Dinge wiederholen. Und wiederholen und wiederholen ... Konflikte mit bestimmten Leuten oder einer bestimmten Sorte von Leuten. Konflikte, für die Sie dann keine befriedigende Lösung finden. Oder ein Vorwurf, den Sie zum hundertsten Mal hören, und plötzlich - hören Sie ihn. Zum ersten Mal. Und erschrecken: Bin ich wirklich so?
Oder Sie sitzen im Restaurant, und ohne dass Sie es geplant hätten, beobachten Sie intensiv ein Paar am Nebentisch. Und es springt Sie an: »So benehme ich mich auch oft. Das ist ja grässlich. Nein, ich habe mich bestimmt getäuscht! Nein, ich fürchte, ich habe es richtig gesehen.« Sie ärgern sich, dass Sie sich in bestimmten Situationen einfach nicht im Griff haben. Sie machen immer wieder Sachen, von denen Sie sich vorgenommen hatten, sie nie wieder zu tun. Es kommt Ihnen merkwürdig vor, dass bestimmte Leute Sie so aus der Fassung bringen können. Sie ertappen sich dabei, Dinge zu sagen, die Sie eigentlich niemals sagen wollten. Sie schauen in den Spiegel und erkennen an sich den gleichen angestrengten Blick, den Sie von Ihrer Mutter, Ihrem Vater kennen.
Wenn Ihnen das alles ganz unbekannt ist, dann wird es für Sie keinen Grund geben, sich mit der Frage zu befassen, die der Ausgangspunkt dieses Buches ist: Wie Sie sich mit Ausreden im eigenen Leben und Ihrer Entwicklung als Mensch blockieren. Dann habe ich mich eingangs getäuscht, und Sie haben vielleicht nur nach einem Geschenk für jemanden gesucht, der Ihrer Meinung nach zu viele Ausreden verwendet? Prima, dann schenken Sie ihm das Buch!
Wenn Ihnen aber das eine oder andere bekannt erscheint, dann ist dieses Thema offenbar jetzt für Sie wichtig. Vielleicht wollen Sie den automatisierten Selbstberuhigungsprogrammen auf die Schliche kommen, mit denen Sie Ihr Leben auf ein Irgendwann verschieben oder Ereignisse umdichten, damit Sie sich besser damit zurechtfinden. Vielleicht spüren Sie auch, was Wolf Biermann mit »Das kann doch nicht alles gewesen sein!« als einen Aufschrei der Lebensmitte formuliert hat. Vielleicht haben Sie sogar vor Kurzen einmal Bilanz gezogen und sind zu dem Schluss gekommen, dass Sie im falschen Film spielen oder im richtigen die falsche Rolle. Dass viele kleine Ausreden sich zu einer großen Lebenslüge addiert haben und Sie sich nicht mehr erinnern können, wann Sie den falschen Abzweig genommen und sich so verirrt haben.
Der Ruf des Lebens ertönt immer, aber nicht immer hören wir zu. Wir lenken uns ab, drehen das Radio lauter, machen weiter wie bisher. Aber irgendwann dringt der Ruf doch zu uns durch, und wir wissen: Jetzt ist eine kleine Kurskorrektur fällig oder sogar eine Kehrtwende. Ende der Ausweichmanöver, Zeit für Aufrichtigkeit, Abschied vom Konjunktiv. Und genau der richtige Moment, uns von den Ausreden zu lösen.
Was erwartet Sie in diesem Buch?
Es geht, wie der Titel schon sagt, um Ausreden. Was wir meinen, wenn wir von Ausreden sprechen. Warum wir sie benutzen. Warum sie wichtig sind. Warum sie problematisch und riskant sind. Wie wir sie gelernt haben und wozu. Und welche Konsequenzen es hat, wenn wir mit einigen von ihnen nicht aufhören.
Es geht vor allem um die Frage: Was haben Ausreden und Ihr Leben miteinander zu tun? Und: Was kann sich in Ihrem Leben entwickeln, verbessern und entfalten, wenn Sie auf überflüssige Ausreden verzichten? Vor allem auf die größte Ausrede, die da heißt »Ich bin eben so«.
Hier einige Thesen, die zeigen, was inhaltlich auf Sie wartet. Sollten Sie stutzen oder neugierig werden, gibt es wohl etwas zu entdecken.
Wenn Sie in wichtigen Fragen Ihres Lebens Ausreden verwenden, wollen Sie nicht erwachsen werden.
Wenn Sie sich nicht mit sich selbst, Ihrer Biografie und dem inneren Drehbuch Ihres Lebens beschäftigen möchten, spielen Sie in einem Stück mit, das vor langer Zeit von anderen für Sie geschrieben wurde - und pflegen dabei die Illusion der Selbstbestimmung.
Wenn Sie sich mit über dreißig weiter darauf herausreden, dass Sie so sind, wie Sie sind, und basta! - dann werden Sie im Alter so werden, wie Sie es ganz bestimmt nicht wollen: starr, stur und unzufrieden.
Andererseits: Sie können aktiv dafür sorgen, dass Sie im Alter flexibel und liebenswürdig bleiben.
Ihr Partner ist nicht zuständig für Ihre Empfindlichkeiten und inneren Narben. Wenn Sie nicht zu sich selbst stehen, kann er es Ihnen niemals wirklich recht machen.
Sie können sich entscheiden: für eine Wiederholung der Themen Ihrer Herkunftsfamilie oder dafür, ein neues Kapitel für Ihr Leben und das Ihrer Kinder zu schreiben.