Aus der Amazon.de-Redaktion
Mit seinem Buch hat Rifkin die Debatte um die Zukunft der Arbeitsgesellschaft wesentlich mitgestaltet. Nicht umsonst wurde der Titel in die Liste der hundert wichtigsten Managementbücher in der Campus-Management-Enzyklopädie aufgenommen.
Nun hat der Campus Verlag eine aktualisierte und erweiterte Neuauflage des Buches auf den Markt gebracht, erfreulicherweise nahezu zeitgleich zur ebenfalls in diesem Jahr erschienen amerikanischen Ausgabe. Neben dem schonend aktualisierten Originaltext enthält das Buch eine rund 40-seitige Einleitung zur Neuausgabe, in der der Autor seine Kritik erneuert -- pointiert, wie gewohnt. "Das Industriezeitalter bereitete in den USA der Sklavenarbeit ein Ende", schreibt Rifkin, "das Informationszeitalter wird der massenhaften Lohnarbeit den Garaus machen." Das "Urgestein kapitalistischer Wirtschaftstheorie" sei erodiert; man müsse einen "dem Herzen des Kapitalismus inhärenten Widerspruch" zur Kenntnis nehmen, denn weniger Arbeit produziere weniger Einkommen, weniger Konsumnachfrage und letztlich weniger Wachstum.
Auch bei seinen Vorschlägen für die Gestaltung der Zukunft der Arbeit legt Rifkin nach, denn dies sei in der Erstausgabe etwas vage geblieben, hatten Kritiker bemängelt. Ob er sie besänftigen kann, bleibt indes fraglich. Rifkin setzt weiter auf den dritten Sektor, fordert Arbeitszeitverkürzungen und bringt die Wasserstoffwirtschaft als neuen Jobmotor ins Spiel. Ein Patentrezept für die Lösung dieser "kritischen Frage unserer Epoche" indes kann er auch nicht präsentieren, dafür aber reichlich Nachschub an Diskussionsstoff. --Winfried Kretschmer -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .
Kurzbeschreibung
Das Ende der Arbeit ist ein internationaler Bestseller: in 16 Sprachen übersetzt, löste das Buch weltweit Debatten aus.
»Rifkins Buch wird uns noch lange beschäftigen.«
Süddeutsche Zeitung
Über den Autor
Auszug aus Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft von Jeremy Rifkin. Copyright © 2004. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
In den neun Jahren seit der Erstveröffentlichung von Das Ende der Arbeit fuhr die Weltwirtschaft Achterbahn; sie schraubte sich in ungeahnte Höhen, stürzte dann genauso schnell wieder ab und zog eine weltweite Rezession nach sich. Doch selbst im Zenit des ökonomischen Zyklus blieb die strukturelle Arbeitslosigkeit in vielen Ländern der Erde gefährlich hoch, obwohl die globale Produktivität und das Bruttoinlands-
produkt zulegten. Im Jahr 1995 waren 800 Millionen Menschen arbeitslos oder unterbeschäftigt. 2001 fielen schon über eine Milliarde Menschen in eine dieser beiden Kategorien.1
Heute haben Millionen von Arbeitern überall in Amerika keine
oder zu wenig Arbeit und kaum Hoffnung auf Vollzeitbeschäftigung. Diese traurige Realität ist umso schmerzlicher, wenn wir uns daran erinnern, dass noch vor wenigen Jahren Wirtschaftsführer wie Volksvertreter im Überschwang behaupteten, die Vereinigten Staaten hätten ihre Beschäftigungsprobleme gelöst. Die »offizielle« Arbeitslosigkeit fiel von 6,6 Prozent im Januar 94 auf 4 Prozent im Januar 2000, wodurch sich einige Wirtschaftsexperten zu der kühnen Behauptung
verleiten ließen, die Arbeitslosigkeit gehöre der Vergangenheit an.2
Ihre Voraussagen erwiesen sich als kaum fundiert. Bis zum Früh-
jahr 2003 war in den USA die offizielle Arbeitslosigkeit wieder auf
6 Prozent hochgeklettert und entwickelte sich zum am meisten besorgniserregenden Problem des Landes.3 Und das gilt nicht allein für die USA.
Die am weitesten entwickelten Nationen der Welt werden beständig von chronisch hoher Arbeitslosigkeit geplagt. Im August 2003 betrug sie in Deutschland beinahe 10 Prozent, und 60 Prozent der Arbeitslosen hatten mehr als ein Jahr lang keine Beschäftigung mehr gehabt.4 In Frankreich und Italien pendelte die Arbeitslosigkeit im Jahr 2003 um 9 Prozent, in Spanien lag sie bei fast 12 Prozent.5 Insgesamt belief sie sich in der Europäischen Union auf 7,9 Prozent und in der erweiterten Eurozone auf mehr als 8,7 Prozent.6
Der anderen Seite der Welt geht es nicht besser. Zu Beginn des Jahres 2003 waren in Japan 3,68 Millionen Menschen ohne Beschäftigung, die Arbeitslosigkeit belief sich insgesamt auf 5,5 Prozent, was der höchste Wert seit Beginn der Arbeitslosenstatistik in den fünfziger Jahren ist. In Indonesien waren 9,1 Prozent arbeitslos, in Indien 8,8 Prozent. In der Karibik und in Lateinamerika belief sich die Arbeitslosigkeit im Durchschnitt auf 10 Prozent.7
Im Lauf dieser Zeit ist klar geworden, dass die strukturellen Probleme hinter der steigenden Arbeitslosigkeit, die zum ersten Mal in Das Ende der Arbeit diskutiert wurden, sich in den Jahren seither weiter vertieft haben, was die Zukunft der Beschäftigung zur kritischen Frage unserer Epoche macht. Interessanterweise finden die Analysen und
aufgezeigten Trends, die den Hauptteil des Buches ausmachen, heute
ein größeres Echo als zu der Zeit, da das Werk erstmals veröffent-
licht wurde.
Mit dieser Einleitung zur Neuausgabe von 2004 ergreife ich die Gelegenheit, die Leser hinsichtlich der Zukunft der Arbeit auf den neuesten Stand zu bringen, wobei ich besonders die Lehren betone, die man aus den tumultartigen ökonomischen Entwicklungen der zurückliegenden Jahre ziehen kann. Ich erweitere auch einige der zahlreichen Vorschläge zur Bewältigung der Jobkrise aus der ersten Ausgabe um eine Reihe frischer Ideen, wie man über das Wesen der Arbeit neu nachdenken kann. Ich hoffe, dass diese Vorschläge helfen, einen Weg in eine neue Welt zu finden, in der jeder Einzelne durch seine Tätigkeit und seinen Beitrag auf ganz andere Weise etwas für das Schicksal der Menschheit und das Wohlergehen der Erde zu leisten vermag, als man sich das bislang überhaupt vorstellen konnte.
Die große Debatte über die Zukunft der Arbeit hat jede Nation fest im Griff. Unter der Last hoher Arbeitslosigkeit, erdrückender Steuern, überlasteter Sozialsysteme und einem Wirrwarr von Regulierungsmaßnahmen, die nach Ansicht einiger die wirtschaftliche Stagnation nur verlängern, haben sich Kritiker in Regierung, Industrie und Gesellschaft in wilde ideologische Grabenkämpfe verbissen, ob die Gesetze, die Handel, Gewerbe und den Arbeitsmarkt regeln, geändert werden müssen, und wenn ja, wie. Politiker, Manager und Gewerkschafter zanken sich um eine flexiblere Arbeitspolitik, niedrigere Steuern und die Spielregeln für eine Umverteilung der Renten- und Sozialhilfelasten, und währenddessen geht der wahre Grund für die globale Arbeitslosigkeit in der öffentlichen politischen Debatte unter.
Wenn der Schlüssel zur Schaffung neuer Stellen nur darin läge, die oben erwähnten Reformen durchzuführen, dann müssten die Vereinigten Staaten von Amerika sich robuster Beschäftigungszahlen erfreuen. Schließlich haben wir so gut wie all die Reformen umgesetzt, die andere Länder jetzt durchzuführen versuchen. Und doch durchleben amerikanische Arbeitskräfte wie ihre Kollegen in so gut wie jeder anderen Volkswirtschaft der Welt schwere Zeiten.
Immer wenn in den USA die Arbeitslosenzahlen zu steigen be-
gannen, schaute der Rest der Welt nach Amerika und erhoffte sich
Anregungen und Vorbilder. Die anderen wussten aber nicht, dass
die Arbeitslosigkeit in den USA selbst während der Boomjahre in
der zweiten Hälfte der neunziger Jahre, als die Regierung 4 Prozent Arbeitslosigkeit verkündete, in Wirklichkeit viel höher war. Einer Untersuchung der University of Chicago zufolge lagen, wenn man die versteckte Beschäftigungslosigkeit hinzufügte, die wahren Arbeitslosenzahlen dichter an denen der Europäischen Union des gleichen Zeitraums.8 Denn nach der Rezession von 1989 bis 1992 fanden einige Amerikaner zwar neue Stellen, aber Millionen andere entmutigte Jobsuchende gaben einfach auf, stellten sich dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung und wurden daher nicht länger in den offiziellen Statistiken geführt.9 Viele weitere wurden eingekerkert. 1980 betrug die Gefängnispopulation 330000 Insassen. Bis zum Jahr 2000 saßen fast zwei Millionen Menschen in Haftanstalten.10 Momentan sind 1,8 Prozent der erwachsenen, arbeitsfähigen Männer inhaftiert.11 Darüber hinaus wurden viele der Arbeitskräfte, die in der Hausse zwischen 1995 und 2000 Beschäftigung fanden, nur vorübergehend und in Teilzeit sowie ohne Sozialleistungen eingestellt und dazu größtenteils unter-
beschäftigt. Bis Ende 2003 hatten sich viele wieder in die Armee der Arbeitslosen eingereiht. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiert .