Die hilfreichsten Kundenrezensionen
33 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
"Jobs Out Forever" ?, 21. Februar 2003
Rezension bezieht sich auf: Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft (Taschenbuch)
Der amerikanische Wirtschaftsjournalist Jeremy Rifkin zeichnet das begonnene 21. Jahrhundert als ein Zeitalter fortschreitender Automatisierung - die er auch als Mensch-durch-Maschine-Ersetzung verstanden wissen will - und damit einhergehender permanenter Überproduktion durch die Maschinen und wachsender technologischer Arbeitslosigkeit der Menschen. Diese nach der Erfindung der Dampfmaschine und der Gewinnung und Nutzung der Elektrizität nun Dritte industrielle Revolution könnte die Gesellschaft neu spalten, den Graben zwischen Arm und Reich neu ziehen. Auf der Gewinnerseite stehen laut Rifkin die "Symbolanalytiker" oder Wissensarbeiter mit guter und sehr guter Ausbildung, die mit ihren intellektuellen Fähigkeiten höchste Wertschöpfung erzielen - die neue Aristokratie. Zu ihnen gehören zum Beispiel Wissenschaftler, Ingenieure, Softwareexperten, Biotechniker, Architekten, Marketingspezialisten, Filmproduzenten, Autoren und Journalisten. Für alle Anderen, aus dem Erwerbsprozeß Herausgedrängten hält die "schöne neue Welt" langandauernde (ewige?) Arbeitslosigkeit und Verelendung bereit. Dieser Graben kann von der Oberklasse durch einen Polizeistaat und durch private Sicherheitsdienste verteidigt werden. Die Alternative zu dieser düsteren Zukunftsvision besteht in der gerechten Verteilung von Arbeit und der Erschließung und Stärkung des Dritten Sektors (neben Wirtschaft und Staat), also des Gemeinwesens oder sogenannten "Non-profit"-Bereiches, in der die Menschen sich sozial engagieren und Bürgerpflichten wahrnehmen, und somit der Entsolidarisierung der Gesellschaft entgegenwirken. Dies könnte die Grundlage eines neuen Gesellschaftsvertrages sein. Rifkin setzt hierbei auf die Bürger, deren Wille, sich in Freiwilligenorganisationen zusammenschließen, in den USA besonders ausgeprägt ist. Rifkin stellt u.a. folgende Thesen im Gegensatz zu herkömmlichen Meinungen auf: Erstens, der Dienstleistungssektor kann die aus der Industrie und der Landwirtschaft freiwerdenden Arbeitsplätze nicht aufnehmen. Und zweitens, Wirtschaftswachstum schafft nicht unbedingt neue Arbeitsplätze (siehe Miegel). Demographische Betrachtungen, wie sie zum Beispiel Miegel anstellt, kommen bei Rifkin nicht in Betracht; lediglich im Nachwort schreibt der deutsche Journalist Martin Kempe, daß das Problem der Unterbeschäftigung durch den Eintritt der geburtenschwachen Jahrgänge in das Erwerbsleben nicht gelöst werden kann. Meinhard Miegel, der in seinem Buch "Die deformierte Gesellschaft" den Fokus auf Deutschland lenkt, denkt an vielen Stellen anders oder einfach auch kurzfristiger und gibt folgendes zu bedenken: Erstens, es gibt genug Arbeit, nur nicht genug Arbeitsplätze. Zweitens, diese Arbeitsplätze zu schaffen, also Arbeitgeberfunktionen wahrzunehmen, ist auch Sache der Arbeitnehmerhaushalte, die Dienste in Anspruch nehmen könnten, diese stattdessen aber in Eigenleistung selbst verrichten.
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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Sollten unsere Politiker lesen, 27. Oktober 2006
Rifkins Buch leidet ein wenig unter mangelnder Aktualität, den wichtigen Grundgedanken tut das aber keinen Abbruch. Gerade in Zeiten wie heute, wo ständig über die Folgen der Globalisiserung geklagt wird, ist es gut und wichtig, dass diese Folgen in Relation zu der normalen Rationalisierung des Arbeitsprozesses gesetzt wird. Man gewinnt heute leicht den Eindruck, die Chinesen seien an der deutschen Arbeitslosigkeit schuld. Tatsächlich gehen aber mehr Arbeitsplätze dadurch verloren, das z.B. große Automobilfirmen jährliche Produktivivtätszuwächse von 5% verzeichnen. Rifkin erklärt das u.A. am Beispiel der (amerikanischen) Stahlindustrie. Darüber hinaus werden viele weitere Aspekte der Arbeitswelt beleuchtet. Das Buch ist also inhaltlich nach wie vor sehr lesenswert. Mich nervt aber etwas der Stil, der durch viele Wiederholungen und, wie ich finde, eher unnötige Details geprägt ist. Das kommt daher, das Rifkin bemüht ist, praktisch jede Aussage mit Quellen zu belegen. Das ist gut und richtig, langweilt aber ein wenig.
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36 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gute Analyse unserer Gesellschaft der Erwerbsarbeit, 28. März 2001
Jeremy Rifkin vertritt in seinem Buch die These, dass sich die auf der Erwerbsarbeit beruhende Industriegesellschaft aufgrund großer Poduktivitätssteigerungen verabschiedet. Den Grund dieser Produktivitätssteigerungen erblickt er in einer fortschreitenden Automatisierung aller Bereiche - der Landwirtschaft, der Industrie und des Dienstleistungssektors. Die Möglichkeiten des IT-Zeitalters haben diesen Prozess dabei noch wesentlich verstärkt, so dass der Dienstleistungssektor nicht wie gewünscht "freigesetze" Arbeitnehmer der beiden anderen Bereich aufnehmen kann. Der Produktivitätszuwachs neuer Art erhöht gleich einem Teufelskreis den Druck zu weiteren Rationalisierungen im Produktionsprozess, so dass er nicht mehr allen zu mehr Arbeit und Wohlstand verhilft, sondern zur Arbeitslosigkeit und Armut führt. Zu den Verlierern gehören hierbei die Arbeitnehmer, deren Arbeit nicht mehr benötigt wird, da sie entweder komplett oder durch Maschinen oder Software ersetzt wurde. In großem Umfang fallen einfache Arbeitsplätze mit Routinetätigkeiten weg, aber auch komplette Verwaltungsebenen wie das mittlere Mangement, die aufgrund neuer Anforderungen an Firmen und des Einsatzes von Informations- und Kommunikationsmitteln nicht mehr benötigt werden. Zu den Gewinnern gehören nach Rifkin die sogenannten "Symbolanalytiker" oder Wissensarbeiter. Ihr Einfluss hat stetig zugenommen und wird dies auch weiter tun, sie bestimmen letztendlich über die Wirtschaft. Rifikin sieht einen Konflikt zwischen diese beiden Gruppen aufkommen, als Lösung schlägt er dabei vor, dass alle an den Produktivitätszuwächsen teilhaben sollen, was in einer Umschichtung des Faktors Arbeit endet. Alle werden bei Lohnausgleich weniger arbeiten müssen, aber auch weniger Gelegenheit für eine Vollbeschäftigung im heutigen Sinne habe. Die entscheidene Wahl, die gesellschaftlich und politische getroffen werden muss, ist die, ob der Wegfall von immer mehr Arbeit zu einem Mehr an Arbeitslosigkeit oder einem Mehr an Freizeit führen soll. Arbeitslosigkeit wäre sicher der ungerechtere Weg für einen Teil, eine Umverteilung dieser Arbeitslosigkeit in Form von Unterbeschäftigung der gerechtere Weg für alle Arbeitnehmer, was einem mehr an Freizeit gleichkommt. Diese freigesetzte Zeit ließe sich nach Rifkin ja durchaus sinnvoll, nicht unbedingt entgeltlich, nutzen. Wenn aufgrund der Veränderungen der letzten Jahrzehnte weder der private, industrielle Sektor, noch der öffentliche Sektor ausreichend Arbeit bieten, so kann dies der dritte Sektor, der Sektor der sozialen und non-profit Organisationen. Diesen sollte der Staat entsprechende fördern. Erforderlich ist hier ein Umdenken, denn auch Tätigkeiten im dritten Sektor fördern den Wohlstand, auch wenn sie nicht entlohnt sind, so dass sie mit wirtschaftswissenschaftlichen Instrumenten nicht gemessen werden können. Da für den Lebensunterhalt weiterhin Erwerbstätigkeit nötig sein wird, muss ein Mindesteinkommen für alle grantiert sein. Der Wirtschaftsjournalistist Jeremy Rifkin präsentiert kompetent und eingehend wie sich die Industriegesellschaft verabschiedet. Seine Argumentation ähnelt der des zehn Jahre früher erschienenen Buches "Risikogesellschaft - Auf dem Weg in eine anderen Moderne" von Ulrich Beck und dem Bericht an den Club of Rome "Wie wir arbeiten werden" (Orio Giarini, Patrick M. Liedtke) aus dem gleichen Jahr. Als Journalist schreibt Rifkin auch in diesem Buch viel eingängiger.
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