Im Krankenhaus wird der pensionierte Polizist Stig Nyman niedergemetzelt, der dort als Patient liegt. Vom Täter fehlt jede Spur. Man weiß nur, dass er mit einem Seitengewehr umgehen kann... Martin Beck und seine Kollegen bekommen schnell heraus, dass viele Menschen ein Motiv hatten, um Nyman umzubringen: Bei der Polizei und auch in der Bevölkerung stand er zu Recht im Ruf eines Leuteschinders und Sadisten. Er hatte Macht genug, Karrieren, ja sogar ganze Existenzen zu ruinieren -- und das tat er auch. Da es vorerst keinen anderen Anhaltspunkt gibt, geht Einar Rönn den vielen alten Beschwerden über Nyman nach, die im Archiv des Ombudsmannes lagern. Er wird fündig: Es gibt jemanden, der allen Grund hatte, sich an Nyman zu rächen. Rönn macht sich zusammen mit Martin Beck auf den Weg, um den Verdächtigen zu vernehmen, da kommt die Nachricht, dass jemand mitten in Stockholm vom Dach eines Hochhauses aus mit einem MG auf Polizisten schießt. Martin Beck entschließt sich zu einer spektakulären Maßnahme, um ein Blutbad zu verhindern...
Auch mit dem siebten Band der Martin-Beck-Krimis haben Maj Sjöwall und Per Wahlöö nicht nur einen spannenden Krimi vorgelegt. Deutlicher noch als in den vorangehenden Bänden spielt hier die schwedischen Gesellschaft Ende der 1960er Jahre eine Rolle; hinter der liberalen Fassade brodelt es gewaltig, und im Polizeiapparat geht es längst nicht so liberal zu, wie man die Menschen glauben machen will: Man hat es eher mit einem (reaktionären) Staat im Staate zu tun, während die Gesellschaft immer zynischer wird. Leider lassen Sjöwall/Wahlöö in dieser Hinsicht nicht allein ihren Roman wirken, denn was Rönn im Archiv zutage fördert, ist mehr als beklemmend. Ihre Autorenkommentare hingegen stören bei diesem Band erheblich, denn sie rekapitulieren eigentlich das, was die Krimihandlung ohnehin zeigt.
Neben den gesellschaftskritischen Momenten spielt bei den Krimis von Sjöwall/Wahlöö aber auch noch eine Rolle, dass die Ermittler keine Superhirne sind, sondern gewöhnliche Polizeibeamte mit ihren persönlichen Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen, die der Handlung ihren eigenen Reiz geben. In "Das Ekel aus Säffle" steigern die Autoren diesen Reiz noch, indem sie die gerade die Kommissare zusammenarbeiten lassen, die nicht allzu gut "miteinander können". Während die beiden extravertierten und einander herzlich unsympathischen Kollberg und Larsson die Situation ganz gut meistern und sich sogar ein wenig näherkommen, haben es ihre introvertierten Gegenstücke Beck und Rönn nicht so leicht miteinander -- hier ermitteln zwei fähige Kommissare, die sich überhaupt nicht verstehen und von einem Missverständnis zum nächsten stolpern.
"Das Ekel aus Säffle" ist sicher einer der düstersten Bände der Reihe um Martin Beck, aber auch einer der spannendsten. Die Romanhandlung findet fast in Echtzeit statt, und wie Sjöwall/Wahlöö die völlig übermüdeten Ermittler gegen die Uhr anrennen lassen, ist ein Prunkstück des Genres.