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Das Eigentliche: Roman
 
 
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Das Eigentliche: Roman [Gebundene Ausgabe]

Iris Hanika
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
  • Verlag: Literaturverlag Droschl; Auflage: 1 (29. Januar 2010)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3854207646
  • ISBN-13: 978-3854207641
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 2,2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (7 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 290.028 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Iris Hanika
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Produktbeschreibungen

kulturnews.de

So war die Dunkelheit, aus der dieser Staat vor langer Zeit hervorgekrochen war, in das hellste Licht gestellt und zu seinem eigentlichen erklärt worden, was nur logisch war, schließlich war es der Grund seiner Gründung. Iris Hanika hat einen Roman über die Professionalisierung des Gedenkens an die Verbrechen der Nazizeit geschrieben. In "Das Eigentliche" erzählt sie von dem 1962 geborenen Hans Frambach, der als Archivar am Berliner Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung arbeitet. Das Leiden an der Vergangenheit definiert für ihn das Unglück, unter dem er seine gesamte Existenz zusammenfasst. Seine Besessenheit gipfelt in einer Schlüsselszene des Romans, in der Frambach die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau besucht. Er verspürt er den Zwang, den Weg der Häftlinge in die Gaskammern nachzugehen. Doch kurz vor dem Ziel widersetzen sich die Beine seinem Willen, statt links abzubiegen geht er nach rechts in Richtung Ausgang. In dem Buch folgen auf diese Szene drei unbedruckte Seiten. Kurz darauf folgen noch einmal drei leere Seiten, die dieses Mal jedoch mit "Raum für Notizen" überschrieben sind. Voraus geht eine Szene, in der Frambach ein zweites mal flieht, diesmal von seiner Arbeitsstelle, dem Institut, das einmal einen Kollegen von ihm entlassen hat, weil er das Raucher-Treppenhaus als Gaskammer bezeichnet hatte. Mit typografischen Feinsinn, mit vielen Zitaten und einem tiefenscharfen Psychogramm fügt Iris Hanika einen wichtigen Roman den vielen Büchern hinzu, die sich vor "Das Eigentliche" damit auseinandergesetzt haben, dass man den Schrecken der Geschichte zwar greifbar, aber nicht begreiflich machen kann. Hanika kontrastiert dieses Problem mit der Lebenssinnsuche von Mittvierzigern im Spannungsfeld zwischen Beziehungen, Freundschaft und Einsamkeit: Sie stellt Frambach eine platonische Freundin an die Seite, für die das Entsetzen über die Geschichte in den Hintergrund rückt, nachdem sie ein sexuelles Verhältnis mit einem verheirateten Mann beginnt. Natürlich ist diese Gegenüberstellung anmaßend, vermessen, frivol. - Aber genau das reflektiert Hanika in ihrem Roman. (cs)

Kurzbeschreibung

Ein Roman über das deutsche Leiden an der Nazi-Vergangenheit, ganz und gar kein historischer Roman also, sondern einer über das Heute. Woher dieses Leiden rührt, ist bestens bekannt, seine Äußerungsformen jedoch sind vielfältig. Darum ist dies zugleich ein Roman über die mittleren Jahre des Lebens, über die Zeit, wenn die Gewissheit abhanden gekommen ist, dass man auf dem richtigen Weg durch die Welt geht, und es ist ein Roman über die Einsamkeit ebenso wie über die Freundschaft.Ein Roman über das deutsche Leiden an der Nazi-Vergangenheit, ganz und gar kein historischer Roman also, sondern einer über das Heute. Woher dieses Leiden rührt, ist bestens bekannt, seine Äußerungsformen jedoch sind vielfältig. Darum ist dies zugleich ein Roman über die mittleren Jahre des Lebens, über die Zeit, wenn die Gewissheit abhanden gekommen ist, dass man auf dem richtigen Weg durch die Welt geht, und es ist ein Roman über die Einsamkeit ebenso wie über die Freundschaft.

Das Eigentliche ist für jeden etwas anderes. Für Hans Frambach sind es die Verbrechen der Nazizeit, an denen er leidet, seit er denken kann. Darum ist er Archivar im Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung geworden; nur fragt er sich, ob es nicht an der Zeit für eine andere Arbeit wäre.
Auch für seine beste Freundin Graziela stand die Fassungslosigkeit über diese Vergangenheit im Mittelpunkt bis sie einen Mann kennenlernte, der sie begehrte, und fortan die Begegnung der Geschlechter im Fleische für das Eigentliche hielt; ein Konzept, an dem sie nun zweifelt.
Aber kann man denn den Nationalsozialismus für alles verantwortlich machen? Eigentlich ist es doch ihre Unfähigkeit zum Glück, die Hans und Graziela zu so wunderlichen Gestalten macht. Nur sie selbst halten ihr Unglück nicht für gott-, sondern für nazigegeben.
Zugleich hat auch der Staat, in dem sie leben, sein Eigentliches. Es ist das unausgesetzte Bemühen um Harmlosigkeit seiner Repräsentanten, das allen voran die Bundeskanzlerin vorführt, wenn sie jede Woche übers Internet zu uns spricht.
Iris Hanika zeigt, wie die Verbrechen der Nazizeit uns bis heute in ihren Klauen halten, und übersieht dabei nicht, zu welchen Absurditäten die Professionalisierung des Gedenkens führt. Eigentlich ist unsere Hilflosigkeit angesichts dieser Verbrechen das Eigentliche.

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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
"Es kommt eine Zeit, da fällt alles ab von einem, die Wut der jungen Jahre und das Leiden an der Ungerechtigkeit der Welt, auch die Zuversicht, sie würde besser werden oder sogar gut, wenn man sich nur genug darum bemühte und mit ganzem Herzen. Es kommt eine Zeit, da ist dieses Herz plötzlich leer geworden und der "

So beginnt der neue Roman der in Berlin lebenden Schriftstellerin Iris Hanika. Man kann ihn lesen als eine Art biographische Fortsetzung ihres letzten 2008 erschienenen Romans "Treffen sich zwei", der es bis auf die Short-List des Deutschen Buchpreises schaffte und davon erzählte, wie zwei Menschen zu guter Letzt schaffen, sich liebend zu begegnen.

Die Sprache Iris Hanikas damals war witzig und spritzig, immer wieder durchsetzt von Textfetzen aus modernen und klassischen Liedern und Werken, die gerade zur Handlung passten.

Ich habe dieses schöne Buch damals, das neben einer Liebesgeschichte auch eine liebevolle Beschreibung von Kreuzberg mit seinem Szenen und Menschen ist, mit großem Spaß gelesen, mit den beiden Verliebten gebangt und gezittert.

Nun stehen im neuen Roman wieder zwei Menschen im Vordergrund der Handlung. Da ist Hans Frambach, der als Archivar im "Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung" arbeitet und nicht nur von Berufs wegen an den Verbrechen der Nazis leidet. Schon seit seiner Jugend ist er geradezu gebannt von diesem furchtbaren Erbe.

Auch Hans' beste Freundin Graziela ist immer wieder fassungslos-fasziniert von der deutschen Vergangenheit, bis sie einen Mann kennen lernt und fortan den Sex für das Eigentliche hält.

Eingewoben in die Geschichte dieser zwei Menschen nimmt Iris Hanika mit einer Sprache, die an literarischer Qualität ihrem Vorgängerroman in nichts nachsteht, den offiziellen und professionellen Umgang mit der deutschen Vergangenheit aufs Korn. Ein Umgang, wo vor lauter Gedenken und Gutmenschentum das "Bedenken" schon lange zu kurz kommt.

Viel wäre doch gewonnen, das habe ich aus diesem Buch herausgelesen, wenn die Menschen sich auf ein anderes Eigentliches besinnen und das entsprechende Gefühl zulassen würden: die absolute Fassungslosigkeit über die Verbrechen der Nazis.
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3 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Hans im Unglück 19. Dezember 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Wer etwas "bewirtschaftet", hätte gern, dass dabei am Ende finanziell etwas hängen bleibt. Man kann Felder oder Parkraum bewirtschaften, aber Vergangenheit? Dass es in Iris Hanikas Buch ein "Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung" gibt, von "Bewältigung" des Gewesenen also gar keine Rede mehr sein kann, nährt von Beginn an die Neugier: Wie wird sie bei dem nicht erst mit Walsers Schlussstrichrhetorik so kantig gewordenen Nazi/Schuld-Thema die Kurve kriegen, damit es nicht peinlich wird? Aber es wird nicht peinlich, es wird gut. Die Autorin, Jahrgang 1962, hat einen ganz neuen Tonfall gefunden.
Sie erzählt eine Woche im Leben des Hans Frambach, der sein Geld damit verdient, in dem erwähnten Institut den Horror des Holocaust zu inventarisieren. Der dies einmal für wichtig, das Eigentliche, hielt. Dem es nun aber übel wird über all der großzügig inszenierten Betroffenheit, mit der Deutschland Gedenken betreibt. Schrecklich ist für ihn, dass es offenbar den anderen kaum noch wehtut, ihm aber sehr wohl. Sein Chef bedauert einmal, dass für eine Gedenkstätte das Geld fehlt, es gebe halt "noch zu viele ehemalige Zwangsarbeiter, die entschädigt werden müssen". Einer von vielen Tropfen, die Hans' Maß voll machen. Er erlebt eine Krise und erlebt intensiver als je vorher seine Einsamkeit, sein Unglück. Dagegen hilft auch keine Graziela, mit der er eine trompe-l'½uil-Beziehung bewirtschaftet, die aber zu kippen droht, als die Freundin vorübergehend meint, in der Mätressenrolle für einen feigen Joachim das Wesentliche zu entziffern.
Die Gestalt Frambach hat Hanika sorgsam gezeichnet. Man ist geneigt, dem grauen Archivar, den die Arbeit unfrei macht, alle seine Neurosen nachzusehen und ihm zu Gute zu halten, dass er mit dem zweiten Aufschlag zum eigentlichen Eigentlichen doch noch vorgedrungen ist, zum Hier und Jetzt. Er hat diese besondere Form von Überdruss überwunden, die früher einmal Akedia genannt und als Sünde am Leben betrachtet wurde.
Über Melancholie und Akedia findet sich in "Das Eigentliche" ein schönes Intermezzo - Teil einer Komposition aus beredsam erzählten Szenen, weniger eines klassischen Romans. Iris Hanika hat von einem "verzerrten Selbstporträt" gesprochen, das sie da abgeliefert habe: "Ich musste das schreiben, damit ich das loshabe."
Ein beachtliches Buch. Seine bewegendste Passage beschreibt, wie Hans Frambach bei einem Besuch in Auschwitz-Birkenau die ganze Wucht der Verbrechen spürt, zugleich aber auch, dass selbst an diesem Ort Erinnerung nur stilisiert wird - auf eine geradezu frivole Weise. "Es ist grotesk, dachte er, ich darf das nicht, ich darf diesen Weg nicht gehen, nicht so, ich darf nicht aus freien Stücken diesen Weg gehen, diesen Weg von der Rampe in den Tod."
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2 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Hans Frambach ist der Korinthenkacker im Institut für Vergangenheitsbewirtschaftung. Fast keiner mag ihn und wenn sein Mantel am falschen Platz hängt, dann fühlt er sich nicht wohl. Sein unaufgearbeitetes Trauma ist die Zeit des Nationalsozialismus, der KZs sowie die Schrecken von Deportationen und das Elend der Opfer. Nur zu Graziela Schönbluhm findet er irgendwie einen Draht. Doch Graziela verlagert ihren Lebensmittelpunkt Richtung Joachim, einem feigen Ehebrecher. Finden beide einen Weg aus ihrem Dilemma? Oder sind sie Gefangene ihrer selbst?

Auf der Rückseite des Buches steht: "Vom Leiden der Deutschen an ihrer Vergangenheit - provokant, klug und witzig." Dem kann ich nicht zustimmen. Ja, Hans (der Deutsche), er leidet an der deutschen Geschichte (aber die Deutschen?). Und zwar Hans so sehr, dass die inflationäre Larmoyanz des Protagonisten mit der Zeit nur noch nervt. Die sprunghaften Stilmittel der Autorin, wie leere Seiten mit "Raum für Notizen" (Für was? Um Seiten zu schinden?) oder das gesamte Kapitel "Vergangenheitsbewirtschaftung" und einiges Andere haben mich nicht erreicht. Ich empfand sie als unerquicklich und deplatziert. Und witzig ist der Roman schon drei Mal nicht. Auch wenn ich mit dieser Meinung alleine stehe, dann bin ich halt aus dem "Verein der Humorlosen". Denn auf den Punkt, "Das Eigentliche", kommt dieses Buch mitnichten.
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