John Grisham hätte aus diesem Plot wohl mehr gemacht als Nelson DeMille. Dieser ist für mich halt einfach kein Autor für Gerichtsdramen. Nun sollte der Autor aber nicht misverstanden werden, in diesem Buch ging es ihm nicht darum, einfach einen X-beliebigen Gerichtsthriller zu schreiben, es geht vielmehr um den Umgang mit der amerikanischen Geschichte rund um Vietnam.
Für uns 'alten Europäer' ist es völlig unbegreiflich, was dort abging. Natürlich handelt es sich um Fiktion, aber wie wir die US-Army kennen - nicht zuletzt vom Irak Konflikt - wurde wohl vieles unter den Teppich gekehrt mit Ausnahme des im Buch oft als Präzedenzfall erwähnte Massaker von My Lai.
Somit geht es vielmehr darum, darüber nachzudenken 'was wäre, wenn...' Seit Abu Ghraib wissen wir, wie die Amerikaner so etwas in der Realität handhaben. Dieser kommt Nelson De Mille in seinen leider etwas langatmigen Ausführungen über den Prozessverlauf (perfekt recherchiert) verblüffend nahe.
Die Story an sich hat eigentlich höchstens 3 Sterne verdient, da sie schlicht zu langatmig ist. Den extra-Stern verdient sie sich aber mit dem erschreckenden Bezug zur Aktualität, welcher dem Leser zeigt, was man sich unter einem US-Kriegsgericht vorstellen muss.
Fans von Gerichtsdramen bzw. -thrillern ist 'Das Ehrenwort' auch bestens zu empfehlen.