Man muss schon ein gutgläubiger Leser sein, wenn man dem vollmundigen Versprechen eines Autors vorbehaltlos glauben möchte, der den 'genial einfachen Weg zu erfolgreichen Ideen' (Umschlag) gefunden zu haben meint. Ist man in die hinteren Teile des Buches vorgestossen, wird man endlich an Allerweltsweisheiten wie 'Ein Prozent Inspiration, 99 Prozent Transpiration' (S. 190) erinnert. Dass der Weg zu Ideen und vor allem deren erfolgreiche Umsetzung anstrengend ist, lässt immerhin der vorhergehende Text wenigstens erahnen. Doch ist man auf diesem Weg von der ersten Lust am Nachdenken bis hin zum Umsetzen einer Idee nicht alleine auf Genialität angewiesen. Einige Tipps und Techniken, wie man sich aus Denkhemmungen befreit und und den Ideenprozess gestalten kann, machen den Kern und den Wert dieses Buches aus. Trotz des Anspruchs des Autors hat er mitnichten den genial einfachen Weg dazu gefunden, aber er verpackt die wichtigsten Grundrezepte anschaulich und handlich für die Verwendung.
Die Ratschläge des Buchs werden im ersten Teil des Buchs auf das EDISON-Prinzip reduziert. Dessen Name leitet sich aus den (Anfangsbuchstanben der) sechs Grundregeln kreativen Denkens her: Erfolgschancen erkennen, Denkautobahnen verlassen, Inspiration suchen, Spannung erzeugen, Ordnen und optimieren, Nutzen maximieren. Diese sechs Regeln spannen den offensichtlichen Bogen vom Anfang im Erschnüffeln der Chancen über die Mittel und Wege, einen Anfangsverdacht zu entwickeln, bis hin zur Diskussion der Widerstände, die auf diesem Weg zu überwinden sind.
Im zweiten Teil wird dieselbe Thematik nochmals aufgerollt, diesmal anhand von sieben Regeln, die der Autor auf Thomas Edison zurückführt. Man wird daran erinnert, dass Ideen nur dem kommen, der das Bestehende für nicht ausreichend hält. Unzufriedenheit ist aller Ideen Anfang. Danach folgt der Appell: Geben sie sich einen Tritt, ohne Bemühen weder Ideen noch Erfolg. Und die Erinnerung daran, dass jeder Bremser Ihnen im Wege stehen wird. Schliesslich die Einsicht, dass Ideen oft in Ruhepausen entstehen und ohne Leidenschaft nicht viel geht.
Der Autor bietet als Umsetzungshilfe für seine Regeln einige einfache Techniken, mit denen man tatsächlich Denkblockaden beseitigen kann (z.B. assoziatives Fragen). In diesen liegt, neben der Reflektion auf die Grundlagen des Iddenprozess, der eigentliche Wert des Buchs.
Den grössten Schwachpunkt des Buches mache ich an der Grenze von Idee und Umsetzung aus: Das Buch bleibt sehr zurückhaltend, wenn es um die Frage geht: Wie komme ich von der Inspiration und einer ersten Auslegeordnung zur eigentlichen Tat? Der Korridor der Möglichkeiten wird, je näher man der Umsetzung kommt, in der Praxis leider meist spürbar enger. Hier fliesst der Schweiss. Die dann nötigen Tipps und Tricks mögen kontextspezifisch sein. Abgesehen von einigen wenigen Aufforderungen, zu systematisieren und Widerständen mit Mut entgegenzutreten, lässt der Autor seinen Leser hier leider wieder alleine.
'Das Edison Prinzip' ist ein hilfreicher Begleiter zur Frage, was denn unsere Kreativität ausmacht (beobachten, nachdenken, Varianten studieren, Mut fassen...) und wie man sich in dieser übt. Es ist ein geeignetes Vademecum für alle, die in sich oder in anderen Kreativitätshemmungen ausmachen und Anregung zum Nachdenken über Auswege aus der Falle suchen. Kondensiert man aber die gutgemeinten Regeln, bleibt wenig mehr als die Aufforderung, die Blockaden im eigenen Kopf zu beseitigen, Mut zur Tat zu fassen und die Zähne (für harte Arbeit) zusammenzubeissen, ohne dabei den Spass zu verlieren. Ob man sich dies selbst so ohne weiteres verordnen kann, mag jeder selbst entscheiden.