Zunächst: Achtung, Thieme plant für 2005 eine Neuauflage. Wer warten möchte, der warte. Inhaltlich ist das Buch von 1998 trotzdem aktuell. So viel tut sich nicht im EMG und der Neurographie. Sehr gutes Buch, das zum einen durch seine inhaltliche Zuverlässigkeit, zum anderen durch seine ausgezeichnete Didaktik besticht. Zunächst kommt ein allgemeiner Teil, wo auf 66 Seiten die Grundlagen der EMG-Untersuchung, der Neurographie einschl. Serienstimulation sowie der Vorgehensweise bei verschiedenen neuromuskulären Erkrankungsmustern (z.B. Myopathien, fokale Nervenläsionen usw.) erläutert werden. Dies geschieht in der didaktisch ansprechenden Form von Fragen am linken Seitenrand, auf die rechts die Antworten gegeben werden. Es folgen 67, die periphere Neurologie breit abdeckende Fallbeispiele, anhand derer wieder in Form von Fragen und Antworten das im ersten Teil Angerissene an konkreten Beispielen vertieft wird. Viele gute Abbildungen erhöhen den Wert des Buches. Insgesamt ergibt sich ein rundes Gesamtbild. Das Buch eignet sich aufgrund seines Aufbaus aber trotz eines sechsseitigen Sachregisters nicht so sehr als systematisches Nachschlagewerk. Gut geeignet ist es, um im EMG-Labor gesehene Patienten "nachzubereiten" (hoher lerntechnischer Nährwert). Dies geht mit überschaubarem Zeitaufwand, da die Fälle auf jeweils 2-4 Seiten abgehandelt werden. Das Buch eignet sich auch nicht wirklich als EMG-Atlas (fehlt zu viel). Hierzu braucht man ein extra Buch. Sehr gut finde ich das zur Zeit leider vergriffene Werk von Delagi und Koautoren "Elektromyographie der Extremitäten" (äußerst instruktive Abbildungen!). Weniger gut, aber erhältlich und einigermaßen brauchbar ist "Elektromyographie" von Geiringer (Urban und Fischer). Den Atlas von Hopf kenne ich nicht. Eher eine All in one-Alternative ist "EMG, NLG" von Bischoff und Koautoren. Das "Kursbuch Klinische Neurophysiologie" von Vogel (Thieme) ist humorvoll und locker geschrieben, bezieht evozierte Potentiale mit ein und hat eine nette CD (u.a. Videos von Untersuchungstechniken) dabei, ist aber wirklich nur zum Einstieg geeignet (hierfür habe ich es gerne und nutzbringend verwendet). Es ist systematischer strukturiert als das hier besprochene Werk. Im Vogel nimmt der Teil zur Erläuterung der Techniken und der mit diesen zu erhebenden Befunde 185 Seiten ein, der Teil mit den Fallbeispielen nur etwa 35 Seiten. Über EMG und Neurographie steht in diesem Buch deutlich weniger als im besprochenen Bischoff.