Wenn man die Rezensionen hier liest bekommt man sehr schnell den Eindruck, dass man Anna Wahlgren und ihr Buch nur lieben oder hassen kann. Ich habe mir die meisten Rezensionen 2x durchgelesen. Das erste Mal als ich vor einigen Monaten Argumente gegen die Kur und gegen Anna sammeln wollte, das zweite mal heute nachdem ich die Kur gemacht habe.
Damals hat eine Freundin von mir diese Kur gemacht und mir davon erzählt. Ich fand es sehr befremdlich und habe mich tief in meinem Inneren davon distanziert. Mein Sohn damals 5 Monate schlief nicht gut, er wachte mehrfach die Nacht auf, ich hatte ihn damals noch ca. 2x in der Nacht gestillt. Wenn er nicht "hungrig" aufwachte, dann weil er den Schnuller verloren hatte. Ich hab die Dinger oft verflucht und sogar an die Wand geworfen. Aber ich bin gut klar gekommen mit dem Schlafmangel und war trotzdem fitt. Mein Mann schlief im Gästezimmer, da er mit dem Schlafmangel nicht klar kam. Das war nicht ideal, aber unsere Lösung und wir konnten wie gesagt gut damit leben. Vor ca. 6 Wochen kamen wir in der Pekip Gruppe auf das Durchschlafbuch zu sprechen. Ich war ja wie gesagt nicht positiv eingestellt, beschloss aber das Buch zu lesen und lieh es mir von unserer Gruppenleiterin aus. Man kann ja schließlich nur über etwas urteilen das man auch kennt. Beim Lesen des Buches wurden mir dann die Augen geöffnet. Wenn unser Kleiner nicht einschlafen wollte hab ich ihn herumgetragen, im Arm gehalten, ihn Gestreichelt,... eben das volle Programm. Sein Bett stand genau neben meinem und nicht selten nahm ich ihn zu mir ins Bett, damit er "besser" schlief... wenn er aufwachte und weinte habe ich ihn getröstet, aus dem Bett genommen... eben all das gemacht was man als liebende Mutter macht in der Annahme seinem Kind dadurch Vertrauen und Geborgenheit zu geben.
Durch das Buch ist mir aber schnell klar geworden, dass ich dadurch nicht Sicherheit sondern Unsicherheit ausgestrahlt habe. Anna schreibt in ihrem Buch sehr liebevoll und FÜR das Kind, FÜR die Eltern. Es soll ein Genuss sein ein Kind zu haben und dazu ist der gute und tiefe Schlaf das beste Mittel. Ein ausgeschlafenes Kind ist vergnügt, isst besser, wächst und gedeiht, entwickelt sich schneller, lacht mehr und hat auch Freude am Schlafen. Ich hätte nie gedacht, dass mein Sohn (nun 9 Monate) lacht wenn ich ihn ins Bett lege, selbst einschläft und 12 Stunden am Stück durchschläft. Natürlich wacht er nachts manchmal auf und dreht sich, brummelt kurz vor sich hin (so wie wir alle immer wieder nachts aufwachen und uns oft nicht daran erinnern) aber er schläft ohne mein Zutun wieder ein! Und das ist es was unsere Kinder lernen müssen und was sie auch können: sie müssen lernen, dass Schlafen etwas Schönes ist, Spaß macht, dass man keine Angst haben muss weil Mama und Papa da sind, im Zimmer nebenan und "Wache" halten.
Ich habe die Kur vor etwas mehr als einem Monat gemacht und unser Kleiner hat nach 3 Tagen das erste Mal 11 Stunden geschlafen. Wir sind zwischendurch sogar umgezogen, er bekommt gerade die ersten Zähne und trotzdem sind die Nächte entspannt und wir müssen ihn teilweise nach 12,5 Stunden Schlaf wecken. Er schläft seit der ersten Kurnacht ohne Schnuller und hat ihn nie vermisst. Davor hatte ich vorher den größten Bammel.
Und ihr lieben Gegner: ich habe mein Kind nicht "geschlagen" sondern geknufft. Ich knuffe mit der flachen Hand, nicht wie Anna es beschreibt mit der Faust. Das Knuffen ist eine rhythmische, ruckelnde Bewegung und jedes Kind liebt das. Oder warum haben unsere Babys bei uns im Bauch beim Gehen immer so schön geschlafen? Warum lieben Babys das fahren im Kinderwagen oder im Auto? Man schlägt sein Kind dabei nicht!
Ich habe meinen Kleinen auch nicht schreien lassen. Wenn er motzt und brummelt, sich beschwert, dann gehe ich nicht gleich rein oder sage die Leier. Aber wenn er mich braucht, dann bin ich da. Man hört und versteht sein Kind wenn man genau hinhören kann und will.
Natürlich gab es Sachen im Buch, Aussagen von Anna, die ich nicht gut fand (deshalb auch einen Stern Abzug) und die ich auch nicht übernommen habe. Das Kapitel mit dem Kinderwagen habe ich nur überflogen (aus dem Kinderwagenalter sind wir eh raus) und das mit dem "Kind vollstopfen" damit es besser schläft fand ich auch befremdlich. Ebenso reagiert mein Kleiner ganz schlecht auf den Fächer weshalb dieser bei uns nie zum Einsatz kommt.
Ich denke das ist doch das Entscheidende: wir Eltern haben unseren Instinkt! Und wenn wir uns innerlich gegen etwas sträuben, dann müssen wir es so nicht machen. Die Kur funktioniert und ist genial! Probiert es aus! Und wenn ihr sie für euch etwas abwandeln wollt, dann probiert auch das aus! Wenn es klappt werdet ihr belohnt für eure Mühe und könnt das Leben mit Kind noch mehr genießen. Und all die die hier so schlecht schreiben: habt ihr die Kur probiert? Bestimmt nicht, sonst würdet auch ihr zugeben müssen, dass es funktioniert.
Und über die Argumente und die Kritik: woher soll denn ein Baby wissen dass es den "bösen Wolf" gibt oder die Safari ist doch der totale Quatsch! möchte ich nur anmerken, dass dies bildlich gesprochen ist und Anna damit uns Erwachsenen etwas deutlich machen will. Scheinbar haben viele aber das Problem zu verstehen, dass Anna damit klar machen will, dass in jedem Baby ein Überlebenswille und eine Urangst steckt. Nicht vor dem "bösen Wolf" denn den gibt es wirklich nicht. Aber die Angst, dass Mama oder Papa plötzlich weg sind, dass das Kind sich selbst überlassen bleibt, verhungert, verdurstet... so nun höre ich aber endlich auf! :-)
Allen die sich entscheiden das Buch zu lesen und die Kur zu probieren wünsche ich viel Erfolg! Ich bin mir sicher den werdet ihr haben.