Als 1933 alle Institutionen gleichgeschaltet wurden, wurde wahrscheinlich auch die Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft gleichgeschaltet. Sonst wäre es nie passiert, dass die Nazis das Wort Arier aus der Sprachwissenschaft geklaut hätten. Arier gibt es überhaupt gar nicht. Die Deutschen oder die Gemanen sind und waren nie Arier. Es gibt nur Indoarier, die verschiedene Sprachen aus der indoarischen Sprachfamilie sprechen. Dazu gehören zum Beispiel Hindi, Urdu, Bengali und Gujarati. Manche Menschen dieser Sprachfamilie sind hellhäutig, andere sehr dunkelhäutig, so dass man sie als schwarz bezeichnen könnte. Die oben erwähnten Sprachen und das Deutsche, eine germanische Sprache, waren vor 6.000 Jahren eine Sprache, die man als Proto-Indo-Europäisch bezeichnet (Benjamin Fortson, Indo-European Language und Culture). Das Deutsche und das Hebräische waren vor ca. 15.000 Jahren eine einzige Sprache, die man als Proto-Nostratisch bezeichnet (Colin Renfrew, Nostratic, Examining a linguistic Macrofamily, 1999). Deshalb gibt es gar keinen Grund, Juden oder heute Israelis zu hassen, denn beide Sprachen sind miteinander verwandt. Überhaupt sind alle Menschen genetisch miteinander verwandt. Wer also Juden oder Schwarze hasst, der hasst sich selbst, denn wir sind alle eine Spezies. Der Rassenwahn der Nazis entstand schon im 19. Jahrhundert, also noch vor Hitler. Der war nicht der Erfinder des Antisemitismus. Juden sind kein Volk und keine Rasse, sondern eine Religionsgemeinschaft. Hitler ließ sich von der antisemitischen Literatur beeinflussen. Es war völlig absurd, Juden anhand der Kopfform oder des Gesichts als solche erkennen zu wollen. Deshalb war es auch schwachsinnig, den Juden mit einer Hakennase darzustellen. Wenn man sich heute Israelis ansieht, gibt es die verschiedensten Menschen. Es ist ziemlich ungerecht, Menschen einer bestimmten religiösen Minderheit zu verfolgen. Genauso absurd wäre es, alle Linkshänder oder alle Radfahrer zu vergasen, da sie ja so unglaublich böse sind. Leider waren viele Länder während des Zweiten Weltkriegs antisemitisch, so dass fast nur noch Großbritannien Juden als Flüchtlinge akzeptierte. Heute wissen wir, dass die Juden keine Rasse sind. Etwas spät, wie ich finde. Schade. Hätte es dieses Bewusstsein schon 1933 gegeben, dann wären sechs Millionen Menschen verschont geblieben. Aber die Nazis ermordeten nicht nur Juden, sondern auch viele Polen, Russen, Sinti und Roma, psychisch Kranke und Behinderte. Ein manisch-depressiver Österreicher hat sich also angemaßt, zu bestimmen, wer leben darf und wer nicht. Das ist etwas arrogant. Er hätte in Österreich bleiben sollen nach dem Ersten Weltkrieg. Aber er hatte ja diese absurde Vorstellung einer homogenen Nation, die gar nicht existiert. In Österreich wollte er unter der multikulturellen Armee nicht dienen. Die vielen Kroaten und Ungarn waren ihm zuwider.
Schon in den ersten Jahren nach 1933 wurden die Rechte der Juden stark eingeschränkt. Die Nazis wollten die Juden nach Madagaskar und dann nach Sibirien deportieren. Als ihnen das zu teuer erschien, plante Heydrich 1941 sie alle zu vernichten, meist durch Vergasung. Manche Juden wurden sogar lebendig verbrannt, wie während des Mittelalters. Das Buch zieht einen ganz schön runter. Ich schäme mich für das, was die Nazis taten. Es wird noch Jahrhunderte dauern, bis die Menschen das vergessen oder uns verzeihen. Im Moment gibt es einen anderen Schlächter, der eine religiöse Minderheit ausrotten will, Präsident Bashir vom Sudan, der Christen vernichtet. In Irak werden Christen verfolgt. Ich finde es gut, dass Deutschland sie aufnimmt. Leider nur für drei Jahre wegen des restriktiven Zuwanderungsrechts.
Der erste Teil des Buches hat einige Längen, aber der zweite Teil ist sehr spannend. Solche Bücher müssen geschrieben werden und auch gelesen werden, damit es nie wieder zu Massenmord in Deutschland kommt.