Eigentlich heisst es Eulen nach Athen zu tragen bei einer Rezension dieses Werkes. Minütiös verfolgt Friedländer in seinen beiden Werken die allmähliche Steigerung der Judénverfolgung bis hin zur offenen, systematischen und staatlich organisierten und durchgeführten Vernichtung der Juden, Menschen die sich tödlichen Hass allein dadurch zugezogen hatten, dass sie einer anderen Religion anhängen als die Mehrheit des deutschen Volkes. Saul Friedländer hat einen neuen Weg der Geschichtsschreibung eingeschlagen: es beschränkt sich nicht darauf, historische Fakten aneinanderzureihen, Parteitagsbeschlüsse, Gesetze, Verordnungen etc. zu nennen und Ihre Auswirkungen.
Das Grandiose an dem Geschichtswerk ist, dass er durch persönliche Dokumente wie Briefe, Tagebücher und andere Möglichkeiten den Opfern eine Stimme gibt; hierdurch verliert die Geschichte ein großes Stück an Anonymität. Wirklich beschämt der Autor den Leser dadurch, dass er nie polemisch, zynisch, aufbrausend oder anklagend wird, was nur allzu verständlich wäre. Er hat Fakten gesammelt und benennt Ross und Reiter, das genügt vollkommen.
In vielen Kommentaren habe ich sinngemäß gehört, Saul Friedländer habe den Opfern ihre Würde zurückgegeben.
Diese Meinung teile ich nicht:
Vielmehr haben all diejenigen, die durch aktive Teilnahme oder auch bewusste Passivität die Vernichtung ermöglichten haben meines Erachtens jede eigene Würde verloren; die Würde der Opfer hingegen ist durch die ihnen angetane Bestialität hingegen noch gesteigert worden, die Täter und Zuschauer hingegen haben jeden Anspruch auf menschliche Würde verloren.
Die beiden Bänder 'Die Jahre der Verfolgung' und 'Die Jahre der Vernichtung' sind ganz große Geschichte.
Ganz nebenbei räumt Friedländer u.a. mit dem vorgeschobenen Argument auf, niemand habe von der Vernichtung gewusst; ganz das Gegenteil war der Fall.
Wer dieses Werk gelesen hat kann nie ernsthaft verlangen, diese Zeit zu vergessen, in der sehr viele Menschen ihre animalischen Seiten so stark betonten, dass nichts Menschliches mehr übrig blieb.
Allgemeine Bemerkung:
Zum ersten Mal genügt mir das Punktesystem von Amazon nicht mehr, denn selbst mit 5 Punkten kann ich einem solchem Monumentalwerk nicht adäquat gerecht werden.