Im biologischen Sinne hat jeder Mensch einen Vater. Aber nicht jeder Mensch verfügt über einen Vater in einem sozialen Sinne. Vaterentbehrung - sei es durch Tod, Scheidung oder dauerhafte Trennung ist für viele ein Schicksal. Ein durchaus schweres Schicksal. In manchen Fällen ein Drama oder sogar ein Trauma.
Der Autor, Prof.Dr.med Horst Petri, ist Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychoanalytiker mit reicher Therapieerfahrung. Er beschreibt anschaulich, wie ihm selbst erst nach vielen Jahren und im Rückblick auf eine große Anzahl von Patientenfällen die Bedeutung der Vaterentbehrung klar geworden ist.
Entstanden ist ein sehr gehaltvolles, vielschichtiges, abwägendes und in Summe aufrüttelndes Buch. Ich habe lange nicht mehr ein Buch aus dem Bereich der Psychologie und Psychiatrie gelesen, das mir so kompakt und erfahrungsgesättigt vorkommt. Meisterhaft, wie auf nur knapp 200 Seiten, darunter noch einige Seiten für Literaturhinweise, das Thema vielseitig behandelt wird. Die persönliche Betroffenheit jedes Menschen bei diesem Thema ist sicherlich eine Basis für ein starkes Interesse. Die Art, wie Horst Petri das Thema behandelt, sichert aber ein Interesse auch bei denen, die einen Vater nicht entbehren mussten. Sie haben Glück gehabt. Petri zeigt aber auch auf, dass andere soziale Beziehungen, wenn schon keinen Ersatz, so doch eine Milderung von Trauma und Drama ermöglichen.