Der in Norwegen lebende und meisstgelesene Schriftsteller Roy Jacobsen, hat einen bemerkenswerten Roman über einen einfachen finnischen Holzfäller in der Kriegszeit um 1939 handelt geschrieben, als Russland mit Finnland im Krieg steht. "..Hammerschläge und Kreissägen lärmten in den zerschossenen Wäldern, Pferde und Lastwagen und Traktoren mit den liebsten Besitztümern, spielende Kinder in schwarzem Schneematsch, Soldaten ohne Waffen und Zivile mit vorsichtigem Lächeln in verschlossenen Gesichtern eilten durch die beduinenhafte Lager von schmutzigen Armeezelten mit schiefen, rauchspeienden Ofenrohren..." Eine anrührende Geschichte voll von Menschlichkeit, vor dem Hintergrund des Krieges, wo Menschen ihre Häuser verlassen, Menschen ihr Leben verlieren, sich verschiedene Schicksale weitverzweigt auf eine nachdenklich stimmende Erzählung sich entwickeln. 2009 wurde das Buch zum International IMPAC Dublin Literary Award nominiert.
Wir tauchen ein in den Kriegsalltag, der finnischen Kleinstadt Suomussalmi im Jahre 1939. Häuser verbrennen, die Anwohner zünden ihre eigene Häuser an, um dem Russen nichts zu überlassen. Die Menschen sind auf der Flucht. Nur Timo Vatanen, ein eigenwilliger einfacher Holzfäller entscheidet sich zu bleiben, entgegen sämtlichen Bitten und Ratschlägen, der dortigen Menschen die ihn kennen. Der Ich-Erzähler behält die Ruhe, selbst als er in Kontakt mit russischem Militär kommt. "...was ich den Russen über Landschaft und Höfe und Eisverhältnisse erzählt hatte, ich hatte versucht, sie in die Irre zu führen, aber dafür gab es keine Zeugen, und meine Lügen hatten auch nichts erreicht- meine stärkste Karte waren die Holzfäller, meine heiligen und einzigen Zeugen, aber sie waren Russen, Feinde, denen ich jetzt helfen sollte, gänzlich zu verschwinden, und danach würde ich nicht einmal mehr Gott für mich bürgen können.."
Er übernimmt einen Teil der Kriegsgefangenen um für das Militär Holz zu fällen. Seine Tätigkeit und der Nutzen den die Russen davon haben, rettet Timo das Leben. Er beginnt sich mit den Kriegsgefangenen zu befreunden, sogar zu den Russen scheinen sich Grenzen und Barrieren aufzulösen, wo stattdessen ein Stück Menschlichkeit Einzug hält. "..wir waren eins geworden, und deshalb dachte ich, nicht einmal daran, dass er Russe war und ich Finne, dass wir nicht in Frieden lebten, sondern im Krieg, obwohl ich so hätte denken sollen.."
Als die Russen aus dem Ort verdrängt werden, bekommt Timo zu den finnischen Truppen Kontakt, sodass er beide Seiten kennenlernt. Ehemalige Kriegsgegner verändern sich z.T. zu Gefangenen, und ehemalige Feinde, Konkurrenten, oder nicht Wohlgesinnte mutieren im Laufe der Geschichte zu Kameraden. In Roy Jacobsen's Geschichte beginnen die Grenzen von Feind zu Freund zu verwischen und ineinander überzugehen.
Als Leser solidarisieren wir uns längst mit dem Protagonisten Timo, der zu sich selbst steht, sich selbst treu ist, der dafür einsteht dort zu bleiben, wo er aufgewachsen ist. Seine Beharrlichkeit aber auch Cleverness ist es, die ihm sein Leben rettet. Er bemüht sich aber auch gegenüber der Militärs andere Menschenleben zu retten und sorgt sich um die gefangenen Kameraden. Er ist ein Sonderling, etwas aussergewöhnlich, einfach extra gestrickt, der eigentliche Held der Geschichte. Er führt im Grunde seine ganz eigene Art des stillen Widerstands und der Selbstbehauptung. Seine stille behauptende Haltung, sein Wille zum Überleben, strömt Überlebenswillen, Überzeugtheit aus, und erzeugt inmitten von klirrender Kälte, einer ländlichen Umgebung, wo Fischen, Heutrocknen, Beerenpflücken, Jagt, Holzfällen, aber auch die Jagt oder auch die Beschaffung für Holz um zu Überwintern, eine Menschlichkeit zu verströmen vermag, die etwas Besonderes bei diesem norwegischen Autor ist.
Eine bemerkenswerte Erzählung, über Einzelschicksale, über das dortige harte Landleben, über einen Sonderling über den man staunt, schmunzelt und sich innerlich still zu freuen beginnt. Jacobsen ist damit ein überaus menschlicher Wurf vor dem ernsten Hintergrund der Krieges gelungen, der etwas Besonderes, etwas Kostbares in sich birgt, dass man es am Liebsten gleich weiterempfehlen möchte, weil einem das glückliche Herz sagt, dass das was dieser Mensch hier geschrieben hat, es wert ist zu lesen. Eine berührende, anrührende Geschichte, wo man froh ist, dass man sie kennt, dass man sie gelesen hat und ihr viele viele Leser wünscht. Ein Autor, der einem das Gefühl gibt, nach der Lektüre innerlich reicher zu sein, ich glaube wenn ein Buch das zu erreichen vermag, hat es längst seinen Sinn erfüllt...dieses Buch tut es.
Empfehlung.