Maria Mies schreibt gegen das Vergessen und die Verklärung der Vergangenheit. Dagegen, dass heutzutage trotz oder wegen allen Fortschritts und der Warenfülle in den Supermärkten viele Kinder keine richtige Kindheit, viele Jugendliche keine Zukunftsperspektive, viele Erwachsene nur Stress und Ängste und viele Alte nur Krankheit und Einsamkeit kennen.
Das Fernweh hat die Bauerntochter aus einem Dorf an der Eifel nach Indien geführt, wo sie fünf Jahre lang am Goethe Institut unterrichtete, später ihre Dissertation schrieb und schließlich einen Inder heiratete. Gemeinsam mit Veronika Bennholdt-Thomsen und Claudia von Werlhof führte sie den Subsistenzansatz ein. Die drei Ökofeministinnen erkannten, dass sich das patriarchale Herrschaftssystem vor allem gegen Frauen richtet, indem der Kapitalismus Subsistenzarbeit unsichtbar und damit ausbeutbar macht.
Sie erzählt darüber, wie sie mit ihren Studentinnen an der Fachhochschule in Köln Anknüpfungspunkte erarbeitete, was sie beispielsweise konkret gegen strukturelle Gewalt tun können, und auch gegen körperliche Gewalt, unter der viele Frauen zu leiden haben. Ergebnis war die Gründung des ersten autonomen Frauenhauses in Köln. Damals entwickelte sie ihren eigenen methodischen Ansatz und führte die Aktionsforschung in die Wissenschaft ein. Die so genannte nicht involvierte Zuschauerforschung interessierte sie nicht. Am Institute for Social Studies in Holland führte sie ebenfalls die Methode der Feldarbeit ein, damit Frauen aus den Ländern des Südens die Verhältnisse der Frauen in Holland besser kennen lernen und gegenseitig Vorurteile abgebaut werden können.
Seit den 1980er Jahren engagiert sie sich gegen die Gen- und Reproduktionstechnik wie auch in der Friedensbewegung. In jüngerer Zeit gilt Maria Mies als eine der renommiertesten GlobalisierungsgegnerInnen. Sie kann ihr eigenes Leben mit globalen Zusammenhängen in Verbindung bringen und auch anderen diese Zusammenhänge vermitteln. Ihre weise Erkenntnis in die Verwobenheit der eigenen Lebensgeschichte mit der Zeitgeschichte hat ihr selbst und anderen immer wieder neue Handlungsräume vor Ort eröffnet.
Maria Mies ist eine wunderbare Erzählerin. Ihre Lebensgeschichte wird keinen Augenblick langweilig und eröffnet immer wieder neue Einsichten. Das schätze ich an all ihren Büchern und Buchbeiträgen sehr.
Das Dorf und die Welt macht Mut zum Handeln, Lust auf lebendige Forschung und führt zur Erkenntnis, dass Ermutigung der erste Schritt zur Veränderung ist.