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Das Diapendel
 
 

Das Diapendel [Kindle Edition]

Christian Bedor
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Der 52-jährige Thomas Lehr unternimmt in den vergangenen Jahrzehnten mit seinem Auto immer wieder Tagestouren zu seinem Geburtsdorf. Dieses musste er im Alter von 12 Jahren verlassen, weil seine Stammfamilie in eine Großstadt zog.
Im Dorf sucht er ‚Stellen‘ seiner Kindheit auf, fotografiert sie. Schwarz-weiß und Farbe. Er macht sich Notizen mit Hilfe eines Diktiergerätes. Auf Tagestouren folgen mehrtägige Aufenthalte in einer Ferienwohnung, am Hang des Dorfes. Dort schreibt er Tagebuch, unternimmt Wanderungen. Aus Angst, seinem emotionalen Vater, dem Bruder, seiner Herkunftsfamilie und den damit verbundenen Familiengeheimnissen zu begegnen, spricht er jedoch niemanden im Dorf an. Doch um seine eigenen Gefühlsanteile besser erkennen und sortieren zu können, möchte er sich öffnen. Da kommt ihm der Brief eines Schulfreundes zu Hilfe, der sich nach 40 Jahren zum ersten Mal meldet und ein Klassentreffen organisieren will.

Produktinformation

  • Format: Kindle Edition
  • Dateigröße: 257 KB
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten: Keine Einschränkung
  • Verkauf durch: Amazon Media EU S.à r.l.
  • Sprache: Deutsch
  • ASIN: B005LBN0AK
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: #186.372 Bezahlt in Kindle-Shop (Siehe Top 100 Bezahlt in Kindle-Shop)

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
4.0 von 5 Sternen ... In mir werden eigene Dias lebendig ... 5. November 2011
Format:Kindle Edition
Von Konrad Adenauer über Kurt-Georg Kiesinger, Willy Brandt, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, Gerhard Schröder bis hin zu Angela Merkel (1960 bis 2011): Das ist die Historie, in die Christian Bedor seinen Roman "Das Diapendel" einbettet. Frankfurt am Main - Winterberg-Niedersfeld im Hochsauerland: Das ist die örtliche Hauptachse, 'auf' der die Dias der erzählenden Hauptfigur Thomas Lehr pendeln. Man begegnet der Deutschen Mark und dem Euro. Man begegnet neben detailgetreuen Ortsschilderungen Wohnungsbeschreibungen, Autos, Waschmaschinen und Rasierapparaten aus dieser Zeit. Man begegnet dem großstädtischen Leben ebenso wie dem Dorfleben. Ich sah diese Dias, blickte dabei in das familiäre und verwandtschaftliche Umfeld Thomas Lehrs, konnte nachempfinden, wie in einem sechsköpfigen katholischen Lehrerhaushalt mit Familiengeheimnissen umgegangen wurde, entdeckte in den Zeilen, wie Thomas Lehr sich als Kind und Jugendlicher freischwimmen musste und konnte ihm beim Tagebuchschreiben als Erwachsener über die Schultern schauen. Dabei entdeckt der Erzähler mehr und mehr seinen emotionalen Vater, den er über Jahre nicht spüren konnte.

Christian Bedors Roman besticht durch eine klare Sprache. Er verschnörkelt und beschönigt nichts. Wortwolken sind ihm fremd. Die Verschachtelungen von erzählerischem Haupttext und Tagebucheinträgen geben dem Buch eine eigene Dynamik, die dazu führt, dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht. Sie kommen einer modernen Filmmontage gleich. Teilweise sind die Schilderungen Reportage artig, temporeich und deshalb nie langatmig. Aus meiner Sicht scheint das gewollt zu sein, um die Kälte und Ausweglosigkeit eines Kindes/Menschen - vom Mannwerden bis hin zum Mannsein - textlich abzubilden. Nichtsdestotrotz finden sich humorvolle, ja geradezu satirische Passagen, die eine Leichtigkeit ausdrücken und damit die Entwicklung der Hauptfigur im Roman unterstreichen. Zu guter Letzt hat Thomas Lehr seine Angst überwunden, die ihn Jahrzehnte lang begleitete: die Angst vor dem Geburtsdorf, den Dorfbewohnern von früher; die Angst, den Familiengeheimnissen auf die Spur zu kommen und das eigene Leben im wahrsten Wortsinn nüchtern zu sehen. Er hat am Ende des Buches nach vierzig Jahren den Mut, seine Sandkastenliebe Bärbel zu treffen und tauscht sich mit ihr rege über gemeinsame Zeiten aus. Thomas Lehr befindet sich in der Gegenwart und damit auf Augenhöhe seiner eigenen Geschichte.
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Format:Kindle Edition
Das Diapendel, von Christian Bedor

Das Buch beginnt mit dem Wunsch des Thomas Lehr zu schreiben und sich zu erinnern. Es ist der Todestag des Vaters. Thomas Lehr versucht eine Annäherung an das Gestern. Der Leser ahnt, dass es kein leichtes Unterfangen sein wird, denn mit Thomas Lehr geht der Autor behutsam, manchmal etwas ängstlich, dann wieder vorpreschend auf ein Thema zu, für das es stets keine 'richtigen' Worte gibt. Einem Roman könnte das gelingen, nein, einem ausdrucksstarken Gedicht oder einfach nur einem ausgestoßenem Schrei? Hier geht es dem Autor Christian Bedor um die Suche nach der Form, wie er sich dem Thema Gewalt und Alkoholismus auf seine Weise annähern kann.

Lehr sammelt beim Aufsuchen seines Dorfes, dass nach seinen Worten die 'Stammfamilie' in seinem Alter von 12 Jahren verlassen musste, mit einem Diktiergerät, dem gesprochenen Wort und mit dem Dia, innere Bilder. Er spricht Erinnertes, Gefühltes und Gegenwärtiges aufs Band.
Der Sohn eines katholischen Hauptschullehrers hat erlebt, wie der Vater die Mutter mit dem Brotmesser bedrohte. In ihm steckt die Vorstellung, dass die Mutter hätte tot sein können, wenn alles anders verlaufen wäre. Der Autor beschreibt nebenbei den Lloyd, den Constructa-Waschvollautomaten auf Pump der Nachkriegswirtschaftswunderzeit, die den Status mancher Familie zeichneten. Lehr fotografiert die Kirche, die Schule. Anhand von Gebäuden, damaligen Zeitgenossen, Mitschülern entstehen Mosaike. Von ihrer Aussagekraft wird Lehrs Phantasie beflügelt. Gefühle steigen auf, aus unbekannter Tiefe. Das Erzählen läuft im Grunde auf ein Bergen von verschütteten Emotionen hinaus. Eine klassische Erzählstruktur ist hier aufgehoben. Die erinnerten Erlebnisse und Dinge hängen gefühlsmäßig oft wirr miteinander zusammen, genauso wirr, wie das Leben selbst sein kann. Lehr hat sich in die 'Erinnerungsfalle' begeben, aus der er sich 'Linderung' erhofft. Oft birgt er zunächst Trostloses: Folterszenen von Mitschülern an ihm, Blindgänger aus dem Krieg, Bombenfunde. Die tragische Geschichte der Stiefschwester, Lehrs Bruder, der in jungen Jahren eine traurige Krankheitsgeschichte erlebte, seine Schwester Marlene, die bei der Lehre und Berufswahl schwierige Hürden nehmen musste und letztlich wieder bei den Eltern landete. Und Lehr selbst. Alle sind Leidende unter dem Zwang dörflich/kleinstädtischer Strukturen, einer lehrerhaften Autorität des Vaters, gepaart mit der Ohnmacht durch Alkohol und einem darüber liegendem Katholizismus. Der Alkohol betäubt hier alles, was weit und breit ist und richtet bei den umgebenden Menschen unumkehrbare Schäden an. Entschuldigt die Alkoholsucht das Verprügeln der vier Kinder durch den Vater? Nein. Aber ein 'vorgesetzter Vater', ein untaugliches 'Vorbild', das schwach und übergriffig ist, prägt sich in die Kindesseele ein und lässt sie sich manchmal schuldig fühlen.

Das Buch beklagt ein Defizit an Bindungsfähigkeit. Filigran entstandene Beziehungen sind selten tragfähig, was Auswirkungen auf mögliche zukünftige hat ' durch den subtilen Einfluss von Alkohol und destruktiver Autorität. Lehr versucht, Mosaiksteine, Dias (im Kopf) und Erinnerungen im Diktiergerät, zusammenzusetzen und zu einem ganzen Bild zu formen. Heil werden soll Lehrs Leben durch seine Erinnerungsreise. Im Jetzt versucht er vor Ort die Atmosphäre zu spüren, die vielleicht mit seiner Vergangenheit korrespondiert. Daraus erhofft er sich eine Lösung, die ihm zum Schluss, nach seiner Aussage, gelingt. Etwas Neues entsteht.

'Was suche ich überhaupt hier? Meinen emotionalen Vater!', sagt Lehr. Wer ist das? fragt sich der Leser in einem nicht immer leichten Buch, das ich empfehle.
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5.0 von 5 Sternen Sich selbst ein Vater sein 13. November 2011
Format:Kindle Edition
Das internationale Skigebiet Winterberg im Hochsauerland mit seiner Bobbahn und der St. Georg-Schanze ist vielen ein Begriff.
Unweit davon befindet sich das malerische Orketal und folgt man der B 480, vorbei an der Ruhrquelle, gelangt man zum Winterberger Stadtteil Niedersfeld. Dieses nordrhein-westfälische Dorf mit seinen 2.000 Einwohnern ist einer der markanten Schauplätze des Romans »Das Diapendel« von Christian Bedor. Hier wuchs der Protagonist Thomas Lehr auf, hier ging er in die "eigene" Schule, weil sein Vater dort Schulleiter war. Und hier begann er damit, soziale Netzwerke zu knüpfen ' oder auch nicht. Im Alter von 12 Jahren zog Lehr nach Witten im Ruhrgebiet. Als Mitzwanziger dann nach Frankfurt am Main. Das ist der zweite, bedeutungsvolle Ort, in dem sich das Diapendel bewegt. Ich lese das Buch und sehe mich selbst in einer Diashow, betrachte schwarz-weiß und Farb-Dias und fühle die Beklemmung, aber auch die Befreiung, die der Erzähler durchlebt.
Beeindruckend ist, wie detailreich Thomas Lehr die Beziehung zu seinem Vater schildert, wie sehr er versucht, in dieser Beziehung ein Profil zu erkennen, um es greifen und fühlen zu können. Letztlich, um als Sohn zu wissen, wo der Vater im Leben stand und wo man selbst steht. In der Konsequenz: als erwachsener Netzwerk-Mann.
Mich stört nicht, dass der Roman keine Kapitelüberschriften hat, dass es kein Inhalts-verzeichnis gibt, wie man es sonst von den meisten Romanen her kennt. Die originelle Montage zwischen zentralem Text: Perspektive Er-Erzähler; und Tagebucheinträgen: aus dem Blickwinkel des Ich-Erzählers , gibt dem Buch einen eigenen, modernen Charakter und machte mich von Seite zu Seite neugieriger darauf, wie es am Ende ausgeht. Vergleicht man die Seitenzahl des eBooks mit der einer Print-Ausgabe, würde man auf etwa 160 kommen. Erstaunlich, dass es Bedor gelang, auf dieser Text-'Strecke' ein historisches Lese-Geländer vom Zeitraum BRD-Wirtschaftwunder bis 2011 abzubilden ' mit Verästelungen in den Zweiten Weltkrieg hinein. Aus meiner Sicht war das dem Autor wichtig, um dem Leser/der Leserin eine gute Orientierung innerhalb dieses Mosaiks zu geben, denn der Roman ist sehr kompakt. Es gibt kein Gramm zu viel. Bedor verliert sich nicht in langatmigen Ausführungen. Sein Stil ist klar und treffend. Die Hauptfigur macht eine Entwicklung durch. Es gibt ein konkretes Romanende. Ich empfehle das eBook auf jeden Fall weiter. Auch für Männer ' und für zwischendurch.
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