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am 16. September 2011
Im Berlin der Zwanziger Jahre wird ein "Neger" ermordet. Schambacher und Togotzes, die beiden auf den Fall angesetzten Ermittler der Polizei, finden ihn auf dem Balkon des Theaters am Nollendorfplatz, aber bei dem Toten liegt nicht nur ein kleiner Smaragdanhänger, sondern auch einen ziemlich wertvoller Rohdiamant.

Dann läuft das "Diamantenmädchen", eine junge Berliner Klatschreporterin, den Kommissaren über den Weg, plus ihre Jugendliebe Paul, und der ist nicht nur Diamantenschleifer. Er soll auch - streng geheim! - für die Reichsregierung eine dicke Handvoll Rohdiamanten in weit wertvollere Schmucksteine verwandeln. Ohne dass sie zur Deckung der immensen Schulden, die Deutschland nach dem verlorenen Weltkrieg an Frankreich und England bezahlen muss, von den "Feinden" eingezogen werden können.

Die Zwanziger in Berlin. Hektisches, wildes Leben ein knappes Jahrzehnt nach dem so vernichtend verlorenen Weltkrieg, kurz nach der heftigen Inflation, in der der Brötchenpreis auf Millionen Mark stieg, nach den Hungerwintern der Wirtschaftskrise. Lili Kornfeld hat zwar im Krieg den älteren Bruder verloren, in der Krise das elterliche Haus, aber jetzt will sie leben, die Reichen und Schönen interviewen, Champagner trinken, "Negerbands" hören, tanzen. Und Diamantschleifer Paul, ihrer Kinderliebe, wieder näherkommen. Bis er als Mörder verdächtigt wird ...

"Das Diamantenmädchen" ist ein "luftiger" Roman, sozusagen hingetupft auf den Hintergrund der wilden Berliner Jahre, kurz bevor die Nazis sich an die Macht drängten. Er ist weitgehend unpolitisch, auch wenn sich die Story um den regierungsamtlichen Versuch dreht, Diamanten aus einer ehemals deutschen Kolonie in Afrika an den Gläubigerstaaten vorbeizuschmuggeln. Mit einem "Neger" als Schmuggler.

Interessant für jene, die von einem guten Krimi mehr verlangen als eine einleuchtende Story (die bietet das "Diamantenmädchen" auch!): Autor Ewald Arenz blendet den Krieg, der Europa so total veränderte, in Berlin die rücksichtslose Lebensgier zum Blühen brachte, nicht völlig aus. Immer wieder wird Lili Kornfeld mit den von ihr und den meisten Jungen weitgehend verdrängten Leiden der Soldaten an der Front konfrontiert, muss zur Kenntnis nehmen, wie sehr sie einen Mann verändern, ihn für Jahre prägen konnten. Das gibt dem Krimi die Tiefe, die anspruchsvolle Leser sonst vermissen würden - gerade weil Arenz die Schönheit Berlins, einer jungen Liebe und Lilis Erinnerung an den Frieden so überzeugend wie ausdrucksvoll beschreibt.
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Die Geschichte spielt in Berlin, während den 20er Jahren der sog. Zwischenkriegszeit - ein farbiger Musiker wird ermordet aufgefunden, Zweck und Umstände der Tat geben den Ermittlern Schambacher und Togotzes Rätsel auf - die Reichsregierung versucht sich über Umwege den Bedingungen des Versailler Vertrages (Reparationszahlungen)zu entziehen, Rohdiamanten sollen der Regierung unbemerkt Devisen einbringen - einzelne Figuren hadern mit unverarbeiteten Kriegserlebnissen - Rückblenden, bis hinein in die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg, gewähren interessante Einblicke in die Lebensläufe der handelnden Figuren.

Der Autor trifft immer den richtigen Ton - sicherlich hat die Recherchearbeit, z.B. bzgl. Informationen zu berühmten Diamanten und den alltäglichen Dingen / Kleinigkeiten jener Tage (Polizeiarbeit der 20Jahre, Kleidung, Möbel, Musik etc. pp.) viel Zeit gekostet, umso wohltuender ist der Roman geraten - die Handlung wirkt zu keinem Zeitpunkt konstruiert - der Autor präsentiert keine Fakten, belehrt nicht, Ewald Arenz u n t e r h ä l t ganz einfach mit seinem gesammelten Wissen - so behält die Geschichte jene Glaubwürdigkeit und Leichtigkeit, welche es mir letztlich so schwer gemacht hat, das Buch zwischendurch aus den Händen zu legen und in mir zugleich die Hoffnung geweckt hat, das interessante Duo der ermittelnden Kriminalisten möge man, neben der ein oder anderen Randfigur, in einem Fortsetzungsroman, erneut durch die Stadt Berlin begleiten dürfen - hin zu Tatorten, über berühmte und weniger bekannte Plätze, in Amtsstuben und Clubs hinein.

Zum Autor: "Ewald Arenz - Schriftsteller, 1965 in Nürnberg geboren..." - nie gehört? Ging mir vor diesem Buch ebenso - nur, nachdem ich diese Woche das Vergnügen hatte, vorliegenden Roman zu lesen, werde ich mir den Namen ganz bestimmt merken und sicherlich bald wieder etwas aus seiner Feder lesen!
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am 30. Oktober 2011
Für mich ging die Reise mal wieder nach Berlin in die Zeit der Weimarer Republik. Die Folgen des ersten Weltkrieges sind noch lange nicht überwunden. Dem Reich mangelt es an Geld. Die Menschen leiden unter dem, was der Krieg aus ihnen gemacht hat, wie er sie zurückgelassen hat. Viele versuchen jedoch das Beste aus der Situation zu machen. So auch die junge Journalistin Lilli Kornfeld, die für eine Berliner Zeitschrift berichtet. Als der Staatssekretär von Schubert Lilli bittet ihm einen Kontakt mit Paul von Laan zu verschaffen, übernimmt Lilli die Aufgabe gerne. Sie hat Paul große Vorwürfe gemacht, weil ihr Bruder Wilhelm im Krieg geblieben ist, und seitdem ist der Kontakt so gut wie eingeschlafen. Doch Lilli bereut ihr damaliges Verhalten und ist sehr dankbar, einen Anlaß zu haben, Paul zu besuchen.
An dem Buch ist mir zunächst der der Einband aufgefallen, der mir sehr gut gefallen hat. Und bereits nach den ersten gelesenen Seiten wußte ich, das ist was für mich. Die Zeit nach dem ersten Weltkrieg wird eindringlich geschildert. Eine zarte Liebesgeschichte, eine Männerfreundschaft, kombiniert mit einem Kriminalfall - für mich genau die richtige Mischung. Der Autor war mir bisher nicht bekannt, doch ich bin froh, dass ich dieses Buch kennenlernen durfte. Obwohl es leicht zu lesen ist, regt es doch zum Nachdenken an, darüber was der Krieg aus Menschen macht. Das ist ja gerade heute auch wieder sehr aktuell. Heute wie damals könnte man vielleicht sagen, jeder der da war, hat genug davon. Warum nur machen dennoch so viele mit? Die Folgen beeinflussen den Rest des Lebens.
Berlin der Zwanziger, einen Lebenshunger gibt es da, wie selten. Die Anekdoten um Kriminalrat Gennat haben eine Erinnerung angerührt, was mich zum meinem Wiki-Freund geführt hat, der mir verriet, diesen Gennat gab es und den Namen kannte ich aus den Büchern von Volker Kutscher, die jedoch einige Jahre später angesiedelt sind.
Für mich war dieser Roman trotz des ernsten Grundthemas doch irgendwie leicht, keinesfalls trivial und genau passend für diesen wunderschönen Herbstnachmittag.
Für Leser, die sich für geschichtliche Krimis begeistern können, kann ich eine unbedingte Leseempfehlung geben.
Einzig ein kleines Manko gab es für mich persönlich, ich hatte recht früh eine Idee, die sich am Ende als richtig herausstellte.
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am 23. November 2011
Es war der erste geschliffene Diamant ihres Lebens, und sie sah ihn im Juninachmittags in der wunderbaren Unendlichkeit eines Kindheitssommers. Sie sah die bunten Schatten, die der Diamant auf ihre Handfläche warf: blau wie der weite Himmel dieses Tages. Leuchtend rot wie vor einer Woche, als sie sich zwei Klatschmohnblätter auf die Augen gelegt und durch sie in die Sonne gesehen hatte."

Staatssekretär von Schubert fängt Lilli Kornfeld bei einem Staatsbesuch von Emir Faisal ab um mit ihr ins Gespräch zu kommen. Sie soll einen Kontakt zwischen von Schubert und ihrem Kindheitsfreund Paul an der Laan, einem Diamantschleifer, herstellen. Um Geld an den Alliierten vorbeizuschleusen sollen Rohdiamanten geschliffen und verkauft werden...

Ewald Arenz hat ein literarisches Sahnestück mit seinem Roman "Das Diamantenmädchen" geschaffen - eine Mischung aus historischem und Kriminalroman, sowie Familiendrama und zarte Liebesgeschichte.

Arenz Schreibstil ist einfach nur wunderschön - ich kann es nicht anders beschreiben, als dass man sich Zeit für dieses Buch nehmen muss, jedes einzelne Wort und jede einzelne Zeile gilt es zu entdecken und zu genießen. Wunderschön und detailliert beschreibt Herr Arenz uns, wie sich das Licht in Diamanten bricht, ich hatte dieses wunderbare Farbenspiel teilweise vor Augen.
"Das Diamantenmädchen" erzählt eine blutige Geschichte - blutig wie oftmals die Geschichte der bekanntesten Diamanten der Welt, blutig wie ein Mord und blutig wie der erste Weltkrieg, der noch nicht allzulang vorbei ist, und der zweite, der nicht mehr allzulange auf sich warten lassen wird.

Die Kriminalgeschichte ist in diesem Roman aber eher nebensächlich, obwohl sich durch diesen Mord Kommissar Schambacher und Lilli Kornfeld kennenlernen, zwei Menschen die sich zueinander hingezogen fühlen und aus zwei Handlungssträngen einen flechten. Für mich steht eigentlich die Familien- und Liebesgeschichte im Vordergrund. Lilli und Paul kennen sich von Kindesbeinen an, denn Paul und Wilhelm, Lillis Bruder, waren ihr Leben lang beste Freunde, bis sie an der Front voneinander getrennt wurden und Paul alleine heimkehrte.
Viele Rückblenden lassen uns an der fröhlichen und unbeschwerten Kindheit der Drei teilhaben. Sie helfen uns Lillis Gefühle nachzuvollziehen und lassen sie auch viel authentischer auf den Leser wirken. Eine wunderschöne, tragische Geschichte, die uns leider auch aufzeigt, was der Krieg aus den Menschen gemacht hat, das niemals mehr alles so sein wird wie zuvor...
Mehr möchte ich euch auch gar nicht erzählen, dieses Buch ist etwas das ihr selbst erleben, spüren und genießen müsst!

Ein wunderschönes Stück Literatur, das Freunden von historischen Kriminalromanen eine wundervolle Lesezeit bereiten wird - aber auch alle anderen Liebhaber schöner Worte sollten sich dieses Buch nicht durch die Lappen gehen lassen!
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Berlin in den 20er Jahren: Die Reparationszahlungen machen der Regierung zu schaffen. Auf einer Pressekonferenz wird Lilli Kornfeld von der 'Berliner Illustrirten' von Staatssekretär von Schubert offen und ungeniert auf Paul, ihrem Freund aus Kindertagen angesprochen. Der ist Diamantenschleifer. Von Schubert meint, dass die Regierung bald eine Ladung Diamanten zur Verfügung hatte, die noch geschliffen werden müssten. Diese tauchen natürlich in keinem Buch, in keiner Statistik, in keinem Haushaltsplan auf.
Und schon steckt Lilli in einem handfesten Politskandal. Fast gleichzeitig ermitteln die Kommissare Dr. Schambacher und Togotzes in einem Mordfall, der erstaunliches Parallelen zu Lillis aktueller Situation aufweist. Ein schwarzer Jazztrommler wurde in einem Hotel am Nollendorfplatz ermordet aufgefunden ' in der Hand einen Diamanten.
Paul van der Laan nimmt, nachdem ihn Lilli um den Diamantenschleifjob gebeten hat, das Angebot an. Vor dem Krieg hatte er die Familientradition fortgesetzt und wurde Diamantenschleifer. Lilli denkt in letzter Zeit immer öfter an die unbeschwerte Kindheit in Berlin. Sie, ihr Bruder Wilhelm und Paul waren unzertrennlich. Sie genossen die Kindertage in vollen Zügen, stromerten herum, und sie ließen sich von Paul Großvater geheimnisvolle Geschichten von funkelten Steinen erzählen. Und sie schlossen einen Pakt. Die drei schwören sich immer beizustehen und immer füreinander da zu sein. Dann kam der Krieg. Die Clique wurde auseinandergerissen ' nur selten traf man sich noch. Nach dem Krieg gingen Lilli und Paul getrennte Wege, Wilhelm war gefallen.
Für Schambacher ergeben der Mord und die Bekanntschaft mit Lilli, die er inzwischen kennen- und mehr als schätzen gelernt hatte, langsam, aber sicher ein schlüssiges Bild. Lilli ist tiefer in den Mord verstrickt, als er es will und sie es weiß.
'Das Diamantenmädchen' verführt den Leser ins Berlin der 20er Jahre, in dem es hoch herging in den Jazzclubs der Stadt. Im Berlin, in dem Frauen selbstbewusst ihr eigenes Geld verdienten. Geld, das sie selbst verwaltet ausgaben. Ein Berlin, das aber auch seine dunklen Seiten hatte. Korruption und politisches Kalkül waren genauso an der Tagesordnung wie aufkommender Faschismus. Ewald Arenz hat exakt recherchiert. Seine Ortsangaben und die kulturellen Hintergründe sind mehr als nur eine Spielerei, um den zeitlichen Rahmen abzustecken. Die Akteure handeln echt in einer echten Umgebung. Keine gekünstelte Atmosphäre stört den Ablauf. Dieser Krimi ist mehr als nur ein spannendes Unterhaltungsstück, es ist ein 'jutes Stück Jeschichte Berlins'.
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am 6. November 2011
Zitat:
Der Mann ohne Gesicht. Lilli hatte schon Kriegsversehrte auf den Straßen gesehen, aber dieser Mann war grauenhaft entstellt. Sie hatte ihn zuerst nur im Profil gesehen, und es war, als hätte man aus dem Gesicht etwas wegradiert; auf entsetzliche Weise hatte an dem Profil etwas nicht gestimmt. Dort, wo die Nase hätte sein sollen, war gar nichts. Es sah aus, als hätte man ein Gesicht nach innen gestülpt. Und als er sie angesehen hatte, da war sie vor Entsetzen gestolpert. Man hatte dem Mann die Nase weggeschossen und dort, zwischen Mund und Augen war nur ein Loch, umgeben von rotem, halb verheiltem Fleisch [...]
Und dann war der Mann auf sie zugekommen, hatte angefangen zu grinsen, mit diesen Lippen, die so entsetzlich falsch aussahen, weil sie aus irgendeinem anderen Fleisch seines Körpers hinoperiert worden waren [...]

S. 112-113

Inhalt:
Lilli hat im Krieg viel verloren. Ihren Bruder Wilhelm und den besten Freund ihres Bruders: Paul, den sie geliebt hat. Obwohl Paul nicht tot ist, haben sie sich scheinbar nichts mehr zu sagen. Doch dann tritt der Staatssekretär Von Schubert verdeckt an sie heran und bittet Lilli, Paul für einen geheimen Auftrag zu gewinnen. Denn Paul ist Diamantenschleifer und Deutschland ertrinkt in den Schulden der Reparationsleistungen. Als die Leiche eines Schwarzen gefunden wird, ist das erst der Anfang, der mit dem wertvollsten aller Edelsteine zusammenhängt. Der Anfang, der auf ein katastrophales und grausam enthüllendes Ende zusteuert, während sich die Kreise immer enger und enger ziehen. Dabei stellt sich heraus, dass nicht alles schön ist, was glänzt, funkelt und wertvoll erscheint...

Meine Meinung:
Wie üblich hat Ewald Arenz so seine ganz besondere Art einzelne Wörter zu Sätzen zu verbinden, diese Sätze zu Kapiteln und wundersamen Geschichten zusammenzufügen, welche wiederum ein wunderschönes Buch formen. Wie er das vollbringt, weiß ich nicht, doch am Ende zählt das Resultat und wie bei seinen bisherigen Romanen, die ich las, konnte es mich mal wieder komplett faszinieren.
Der Autor hat mir das Berlin der 20er Jahre im 20. Jahrhundert nahegebracht, die Stimmung authentisch eingefangen und verwoben mit spannenden, manchmal elektrisierenden oder auch mal normalen Erlebnissen und Begebenheiten mein Leserherz angefacht. Während ich "Das Diamantenmädchen" las, wurde mir bewusst, wie wenig ich genau genommen über diese Zeit weiß. Die politischen Ereignisse haben wir in der Schule durchgenommen, doch was das für einzelne Schicksale bedeutet, ist etwas Anderes.
Manchmal war "Das Diamantenmädchen" deswegen für mich wie ein Rausch. Ich las und las und las und war so voller Freude, was dieser Autor mit seinen bloßen Worten ausdrückte und in welche Stimmungen er mich dadurch versetzen konnte.
"Das Diamantenmädchen" zeichnet sich durch viel mehr als eine bloße Kriminalgeschichte aus. Im Mittelpunkt stehen vier Individuen, die durch die Geschehnisse und Schrecken des Krieges entweder direkt oder indirekt gezeichnet sind. Die Gedanken und Taten dieser Figuren ziehen kleine und große Wellen nach sich und am Ende sind sie unabänderlich miteinander verbunden.
Doch immer wieder kehrt alles zu den Diamanten zurück. Den Diamanten, die verschwunden sind, dem Diamant, der bei einem Toten gefunden wurde und den Diamanten, um die sich historische Geschichten und Flüche ranken.
Es ist unmöglich die Brillanz solch eines Romanes wiederzugeben, denn solch einen funkelnden Schatz muss von selbst entdeckt oder zumindest gesehen haben.
Die fundierte Recherchearbeit des Autors zu historischen Zusammenhängen und sein Einfühlungsvermögen für andere Menschen, habe ich beim Lesen gespürt und ich bin mir sicher, dass auch dies zu dieser Glorie des "Diamantenmädchens" mit beiträgt. Ein packender Roman, der viel vermittelt, seine witzigen Momente aufbringt und dann doch wieder auf einer Woge der fesselnden Spannung und schockierenden Enthüllungen reitet.

Mein Fazit:
Brillierend, fesselnd, dicht und einmalig zu lesen. "Das Diamantenmädchen" kann ich uneingeschränkt weiterempfehlen, denn selbst ich, die normalerweise niemals freiwillig einen Krimi liest, konnte bedingungslosen Gefallen an Ewald Arenz Werk finden. Allerdings ist dies nicht mein Lieblingswerk des Autors, was wohl letztlich doch am Genre liegt. Dem Lesevergnügen tat das zwar keinen Abbruch, doch von Schokolade und Tee habe ich einfach lieber gelesen.
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am 3. November 2011
Das Diamantenmädchen ist mein zweites Buch aus dem Genre `Kriminalroman' und wieder konnte ich feststellen, dass es bei Büchern aus dieser Rubrik keineswegs nur um `stupides Jagen des Opfers' gehen muss. Schon das Titelbild stimmt in der Motivauswahl und dem matten Fotodruck auf die Ära der 20er Jahre des letzten Jahrhunderts ein. Ein Eindruck, der sich durch die aufmerksame Wahl bei der Schreibweise der Worte noch verstärkt - als Beispiel das Telephon.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang mit einem Interview, bei dem auch die Reporterin Lilli Kornfeld anwesend ist, einem Auftrag unter der Hand `schwarze' Diamanten zu schleifen und dem Auffinden eines ermordeten Schwarzen auf dem Balkon eines renommierten Hotels am Nollendorfer Platz.

Bis dahin scheint es sich noch um ein in der Großstadt Berlin recht `alltägliches' Verbrechen zu handeln und erst langsam fördern die beiden Komissare Schambacher und Togotzes die Zusammenhänge und auch die Verwicklungen um den Diamantenschleifer Paul van der Laan zu Tage.

Für mich ist es das erste Buch von Ewald Arenz und ich bin besonders angetan von der spürbar ausführlichen Recherche, die der Autor über das Berlin der 20er Jahre betrieben hat. Es wird neben der hauptsächlichen Geschichte rund um den Mord und die Diamantenaffäre auch viel interessantes Wissen über die Entwicklungen der Technologie und der Kriminalwissenschaft vermittelt, die eben auch in dieser Zeit ihre ersten Anfänge genommen hat. Das und auch die greifbare Mentalität jener Zeit so kurz nach dem 1. Weltkrieg geben einem beim Lesen das ganz eigene Gefühl von Lebendigkeit der Geschehnisse. Nicht selten hat man geradezu das Gefühl mit bei den Gesprächen am Tisch zu sitzen und Neues von dem Erzählenden zu erfahren. Auch über die Rückblicke in die Jugend von Paul, Lilli und ihrem Bruder Wilhelm werden einem gerade diese Drei mit der Zeit immer vertrauter.

Zweifellos ist der eigentliche Mord sehr spannend geschrieben und auch wenn ich schon sehr bald erste Vermutungen über den Hergang angestellt habe, kamen doch gegen Ende der Geschichte wieder Zweifel bei mir auf, ob ich mit meinen Überlegungen nicht völlig daneben gelegen habe. Hier hat mir auch gut gefallen, dass der Mörder nicht einfach nur nach dem so oft verfolgten `Schwarz-Weiß-Schema' gezeichnet wurde - sondern eben auch nachvollziehbare Handlungsgründe hat, nämlich sich verraten zu fühlen.

Mein Fazit ist, dass es eine sehr intensive Erzählung ist - sowohl von den Empfindungen jener Zeit als auch der Zusammenhänge der Handlungsgründe und nicht zuletzt auch der Spannung - und ich auch zum Nachdenken über die Geschehnisse einer Zeit angeregt wurde, die immerhin jetzt schon fast 100 Jahre her ist. Ich könnte mir gut denken, dass beim nächsten Lesen ganz neue Aspekte entdeckt werden.
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TOP 100 REZENSENTam 22. Oktober 2011
Inhalt:
Staatssekretär von Schubert trägt der Journalistin Lilli Kornfeld ein Anliegen vor: er hat sich daran erinnert, dass ihr Jugendfreund Paul van der Laan ein Diamantenschleifer ist und würde diesen gern mit dem Schleifen von wertvollen Rohdiamanten beauftragen. Von diesen Diamanten wissen die Alliierten nichts, sie sollen nicht im Staatshaushalt auftauchen und nach dem Schleifen unter der Hand international verkauft werden, um die Reparationsforderungen der Alliierten zu umgehen.

Zur gleichen Zeit wird ein toter Mann gefunden - ein Schwarzer, in dessen unmittelbarer Nähe ein Rohdiamant liegt. Wer ist der Mann? Wer hat ihn aus welchen Gründen umgebracht? Und welche Rolle spielt der am Tatort gefundene Diamant?

Mein Eindruck:
Ewald Arenz hat mit 'Das Diamantenmädchen' einen sehr stimmungsvollen Roman geschrieben, der die Atmosphäre im Berlin der 1920er Jahre überzeugend einfängt und den Leser in eine andere Zeit versetzt. Obwohl der Autor bisweilen sehr lange Sätze verwendet und die Protagonisten Dialekt sprechen lässt, liest sich der Roman sehr flüssig und schnell. Die Charaktere sind dabei komplex und glaubwürdig gezeichnet, haben jedoch meiner Meinung nach im Verlauf des Buches ein wenig von ihrer Sympathie eingebüßt. Leider empfand ich die Auflösung des Falles als zu durchsichtig und absehbar, war von den Wendungen kaum überrascht und fand einige der Protagonisten unrealistisch begriffsstutzig.

Mein Resümee:
'Das Diamantenmädchen' bietet hervorragende Unterhaltung, versetzt den Leser authentisch in die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen und ermöglicht es dem Leser außerdem, noch etwas über Diamanten und Diamantenschleifen zu lernen. Eine schöne Lektüre!
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am 13. November 2011
Sie werden mit klingende Namen wie Blue Hope, Grüner Dresdner oder Excelsior Diamant bedacht, sind nicht nur a girls best friend und haben meist eine blutige Geschichte. Durch die Jahrhunderte hindurch sind sie begehrt und manche stürzen ihre Besitzer aufgrund eines auf ihnen lastenden Fluches ins Unglück. Ihre Anziehungskraft mindert das aber in keinem Fall - tatsächlich macht sie dies noch begehrenswerter.

Die als Rohmaterial eher unscheinbar wirkenden Schätze der Natur sollen in Ewald Arenz' wunderbarem Halbkrimi Das Diamantenmädchen dem deutschen Reich sogar aus der Schuldenmisere helfen, die das Land nach dem Ersten Weltkrieg auch aufgrund der immens hohen Reparationszahlungen in große Schwierigkeiten gestürzt hat.

Carl von Schubert, Staatssekretär im Auswärtigen Amt, weiß, dass meisterhaft geschliffene Diamanten sehr viel mehr Geld erlösen, als Rohdiamanten und nutzt seine Bekanntschaft zu Lilli Kornfeld, einer jungen Journalistin der Berliner Illustrirten um Kontakt zu einem der besten Diamantenschleifer aufzunehmen: Paul van der Laan. Van der Laan ist Lillis Freund aus Kindertagen, Nachbar und erste große Liebe. Zusammen mit Lillis älterem Brüder Wilhelm waren die drei ein untrennbares Kleeblatt - so lange bis der Erste Weltkrieg und seine furchtbaren Auswirkungen das Kleeblatt auseinander reißt ...

Wo Diamanten im Spiel sind, fließt meist auch Blut - auch im Berlin der anfänglichen 1920er Jahre ist das der Lauf der Dinge. Ein Schwarzer wird ermordet aufgefunden. Auf dem Balkon des Theaters am Nollendorfplatz finden die zuständigen Kommissare Schambacher und Togotzes an der Leiche einen kleinen grünen Splitter eines Diamanten, der sie verschiedene Spuren verfolgen lässt ...

Ewald Arenz' Das Diamantenmädchen vereint wieder einmal die großen Stärken des Autors: eine wunderbar poetische Sprache, Einfallsreichtum, absolut gewissenhafte Recherche, Einzigartigkeit, ein unfehlbares Gespür für Dialoge und die wunderbare Ausarbeitung der dadurch entstehenden Atmosphäre.

Als Krimi angelegt zeigt der Roman allerdings weit mehr. Er entführt den Leser in ein genau geschildertes Berlin vor und nach dem ersten Weltkrieg und zeigt damit die Veränderungen der Stadt und vor allem der Menschen, die dort leben. Auswirkungen, die niemand, allen voran die vielen jungen Männer, die sich zuhauf freiwillig gemeldet hatten, um ins Feld zu ziehen, auch nur ansatzweise erahnen konnte. Der Mord an einem Schwarzen, einem früheren Askari, bildet nur den Hintergrund für diese sehr einfühlsam geschilderte Geschichte - für hart gesottene Krimifans mag das nichts sein, für Leser, die gerne etwas mehr Inhalt als nur Mord und Totschlag geboten bekommen, allerdings genau das Richtige.

Das Diamantenmädchen funkelt und strahlt noch lange nachdem die letzte Seite des in einem äußerst eleganten Crèmeton eingeschlagenen und mit einem passenden Cover versehenen Regaljuwels zugeklappt wurde. Nun blitzt es in einer Reihe mit den anderen Regaljuwelen des Autors um die Wette.
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am 21. Juni 2013
Lili Kornfeld stellt den Kontakt zwischen Paul van der Laan und dem Staatssekretär, von Schubert her. In welchen Sumpf der Intrige sie sich damit begibt, ahnt sie noch nicht. Paul ist ein alter Freund, eine Kindheitserinnerung.

Lili, ihr Bruder Wilhelm und Paul verbrachten als Kinder beinahe jede freie Minute zusammen. Lili setzte immer alles daran bei den Jungenspielen dabei sein zu dürfen und irgendwie schaffte sie beinahe jedes Mal mit den beiden Jungen Abenteuer zu bestehen. Über die Jahre wurde das Band der drei immer enger und vor allem Paul und Lili kamen sich näher.

Bis zum Ausbruch des ersten Weltkrieges, Paul und Wilhelm – beste Freunde – melden sich gemeinsam an die Front. Sie stürzen sich in einen Krieg den nicht nur Deutschland sondern auch sie selbst mit einem hohen Preis bezahlen werden.

Erst Jahre später sollen sich Paul und Lili wieder näherkommen, vor dem Hintergrund des Diamantenschleifens.

Das Buch spielt sich in mehreren Zeitsträngen ab, zum einen geht es in der Gegenwart um den Mord an einem Schwarzen und seine Verbindung zu Paul van der Laan und damit auch zu Lili Kornfeld. Zum anderen wird Lili’s Kindheit und Jugend in zahlreichen Rückblenden erzählt und damit ebenso Pauls’ Geschichte und schließlich auch das tragische Schicksal von Wilhelm Kornfeld.

Relativ einfach gelingt der Einstieg in das Berlin der 20er Jahre. Durch einfache Kniffe wie die Verwendung der damals geläufigen Sprache, die Darstellung von Sekretärinnen oder Telefonistinnen oder die Beschreibung der gängigen Mode, ist der/die Leser/in schnell ganz gefangen in dieser Vergangenheit.

Der Mordfall stellt nicht das zentrale Element dar, vielmehr geht es um die Beziehungen der ProtagonistInnen untereinander und ihrem Umgang mit dem ersten Weltkrieg den sie alle aktiv erlebt haben und der ihnen allen einen hohen Preis abverlangte.

Ein studierter Jurist – Schambacher – landet in einer Kriminalabteilung, privat gefangen in einer scheinbaren tristen Ehe, doch noch voller Leben und Leidenschaft, getrieben von dem Verlangen nach persönlicher Entfaltung und nicht zuletzt dem Wunsch, Berlin sicherer zu machen.

Lili Kornfeld, profitiert von den Umwälzungen der neuen Zeit, für sie ist es möglich einen Beruf auszuüben, alleine in einer Wohnung zu leben und frei von dem Knebel einer frühen Ehe ihr Leben zu genießen.

Paul van der Laan kommt aus dem Krieg, gebeugt unter der Last seinen besten Freund im Stich gelassen zu haben, ihm scheint das Leben leer – bis er Lili wieder trifft.

Persönlich hat das Buch für mich erst nach den ersten 50 Seiten Fahrt aufgenommen. Zwar war ich schnell vertraut mit der dargestellten Zwischenkriegszeit, doch war mir zu Beginn nicht ganz klar wohin die Geschichte eigentlich wollte. Aber das Weiterlesen hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Die Verstrickung der Beziehungen der Personen hat mich im Laufe des Buchs fasziniert und ich habe nicht nur einmal im Weiterlesen inne gehalten um eine eigene Theorie aufzustellen, wie die Geschichte weitergeht. Während des ganzen Buches hatte ich 4 oder 5 mögliche Ausgänge im Kopf, die ich immer wieder abwandeln musste und trotzdem wurde ich am Schluss nicht enttäuscht.

Ich hätte mir ein anderes Ende gewünscht aber das geschriebene Ende war für mich auch plausibel und gut erzählt. Ein tolles Buch – das sich schnell liest und in seinen Bann zu ziehen vermag.
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