Als großer Freund der griechischen Mythologie und des Tarots erweckte dieses Tarotdeck natürlich mein Interesse.
Die Karten sind alle voll bebildert, wobei die großen Arkana griechische Götter und Helden abbilden (z.B. Zeus für den Herrscher, Athene für die Gerechtigkeit und Appollo für die Sonne) und die kleinen Arkana je Satz einen anderen Mythos nacherzählen (z.B. der Satz der Kelche den Mythos von Eros und Psyche).
Die Zuordnungen der Sagengestalten zu den einzelnen Karten ist größtenteils als gelungen anzusehen, wobei man bei den kleinen Arkana manchmal das Gefühl hat, dass von der traditionellen Kartenbedeutung teilweise abgewichen wurde, damit das Thema der Karte besser zum erzählten Mythos passt. Die Zuordnung griechischer Mythologie zum Tarot liegt einerseits nahe, da zur Zeit der Renaissance, in der das Tarot ja entstanden ist, die Mythologie und Kultur der Griechen eine große Inspirationsquelle für Künstler und Philosophen war, sicherlich nicht weniger als das Christentum, das sich ja auch in der traditionellen Bildersprache des Tarot wiederfindet (z.B. Abbildungen des jüngsten Gerichts).
Dennoch muss man sagen, dass die Zuordnungen der mythologischen Gestalten und Szenen zu den einzelnen Karten erfundene bzw. neu erdachte sind, da diese nicht in der Tradition bis heute überliefert wurden. So wären andere Zuordnungen durchaus möglich und manchmal auch stimmiger gewesen. Wenn etwa Zeus auf der Karte "Der Herrscher" erscheint, läge es nahe, Hera als Herrscherin abzubilden - hier findet sich aber Demeter. Ebenso ist Appollo zwar auf der Karte "Die Sonne" zu sehen, auf der Mondkarte ist aber Hekate abgebildet, und nicht Appollos Zwillingsschwester, die Mondgöttin Artemis. Hekate hätte meiner Meinung nach besser zur Karte "Die Hohepriesterin" gepasst, hier ist aber Persephone. Dionysos ist hier "Der Narr", die dunkle und ekstatischen Aspekte des Gottes ließen ihn aber eher als eine geeignete Figur für die Karte "Der Teufel" erscheinen. Sicher kann man über solche Zuordnungen streiten, und ich muss zugeben, das abgesehen von den erwähnten die Zuordnungen überzeugen. Chiron auf der Karte des Hierophanten finde ich sehr passend, diese Figur illustriert sehr schön, wie eine weise und mitfühlende Lehrerfigur auch außerhalb des üblichen christlichen Bildes des Paptes dargestellt werden kann.
Ingesamt muss ich sagen, dass mir das zugehörige Buch, das wirklich einiges an Hintergrundwissen zur griechischen Mythologie und besonders ihrer tiefenpsychologischen und archetypischen Aspekte enthält, besser gefällt als die Karten selbst. Diese werden dem Thema leider nicht ganz gerecht. Die Bilder wirken für meinen Geschmack etwas zu "primitv", wie Illustrationen aus einem Kinderbuch. Wenn man bedenkt, wie viel Wert die alten Griechen gerade in der Kunst auf das Streben nach höchster Perfektion und Ästhetik legten kann man sich fragen, ob diese teils grobschlächtig gemalten Karten für ein solches Thema angebracht sind. Die größe der Karten empfinde ich als angenehm, jedoch wird ein Großteil der Fläche von einem recht großen, beigen Rahmen eingenommen. Warum man sich hier für dieses hässliche Beige und nicht für ein klassisches Weiß entschieden hat, ist mir ein Rätsel. Die Karten selbst sind leider auch sehr dünn und haben nicht die beste Papierqualität.
Das Tarotdeckt hinterlässt insgesamt einen durchwachsenen Eindruck. Wer bereits über ein profundes Wissen in der griechischen Mythologie verfügt, vom Tarot aber noch wenig Ahnung hat, der könnte mit diesem Set einen leichteren Einstieg in das System Tarot finden, sollte aber unbedingt auch auf Bücher zurückgreifen, die sich eher an die traditionellen Kartenbedeutungen halten.