58 von 66 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wunderschönes, einzigartiges Buch., 13. Juni 2001
Von Ein Kunde
Diese Dünndruckausgabe des Decameron ist für jeden Liebhaber guter Bücher. Ich nehme es schon seit über einem Jahr immer wieder gerne zur Hand und werde nicht müde einzelne oder mehrere Geschichten immer wieder zu lesen. Die Übersetzung ins Deutsche ist wunderbar gelungen. Man spürt in der ausdrucksvollen Sprache die Hitze des Tages, die Lebenslust und die Unbekümmertheit der jugendlichen Erzähler während um sie herum in den Städten des 13. Jahhunderts die Pest wütet und sie sich mit 100, teils lustigen, teils traurigen Geschichten die Zeit vertreiben. Es sind - jede einzelne - wunderbare Geschichten die einen das Mittelalter zur Zeit der Pest ganz nah und authentisch erfahren lassen - nicht zuletzt auch durch das Talent eines der grössten Poeten unseres Jahrtausends.
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22 von 25 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Klassiker der italienischen Literatur, 21. Januar 2005
Die Novellensammlung "Dekameron" des italienischen Dichters Giovanni Boccaccio ist eines der ersten Werke der Weltliteratur, in dem nicht nur aristokratisch-höfische Figuren, sondern auch einfache Leute in ihrem mittelalterlichen Alltagsleben und vor allem in ihren erotisch-komischen Verwirrungen geschildert werden. Das Werk besteht aus insgesamt 100 Novellen, die im Zeitraum von zehn Tagen von zehn Erzählern zur gegenseitigen Erbauung, Belustigung und Belehrung dargeboten werden. Daher auch der Titel des Werks: "Dekameron" bedeutet "Zehntage(buch)". Das "Dekameron" ist einem innerweltlichen Menschenbild verpflichtet, es steht mit einem Bein noch im Mittelalter und mit dem anderen bereits im Humanismus: Nicht mehr die göttliche Fügung lenkt die menschlichen Geschicke, sondern der Zufall - der allerdings durch List, Geistesgegenwart und Intelligenz beeinflusst werden kann. Als fundamental erweist sich immer wieder der Trieb, insbesondere der erotische Trieb, der in der Lage ist, jede religiöse oder gesellschaftliche Norm aus den Angeln zu heben. Das "Dekameron" ist auch heute noch, mehr als 650 Jahre nach seiner Entstehung, eine vergnügliche Lektüre.
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24 von 29 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Ein wundervolles und bisher unerreichtes Buch von um 1350, 25. April 2003
Man braucht nicht einmal italienisch zu können, um, wenn man die vorliegende Übersetzung von Boccaccios "Dekameron" durch Karl Witte liest, zu merken, dass das ein italienisches Buch ist. Wittes Sprache perlt einem von den weißen Buchseiten entgegen wie ein apenninischer Gebirgsquell. Wen wundert`s - galt unser Übersetzer doch schon früh für ein Wunderkind. Zudem wurde er durch seinen Vater zu einem ordentlichen Arbeiter erzogen und wuchs so unter einem Stern auf, wie man ihn sich nur wünschen kann.
Nun steht uns im "Dekameron" ein so wundervoll tiefes, weises und frommes Buch zum Betrachten zur Verfügung, dass man schon versucht sein könnte, es die Bibel der Neuzeit zu nennen. Immer, wenn man als neuzeitlicher Mensch im Innersten zu zweifeln beginnt, wenn man daran zu zweifeln beginnt, es sei ein Sinn in dieser Welt und es gebe moralische Grundsätze, die nicht umzustoßen sind, braucht man nur Boccaccios "Dekameron" zur Hand zu nehmen und ein paar von seinen hundert Novellen zu lesen, um sogleich wieder vor der glatten, einfachen Wirklichkeit, vor den bloßen logischen Moralgesetzen zu erschaudern, die sich durch jedes menschliche Handeln hindurch ausmachen lassen und die schlechterdings nicht umzustoßen sind. Und das, obwohl gerade im "Dekameron" auf eine geradezu notorische Art und Weise Gut und Böse von den verschiedenen Seiten beleuchtet sind, obwohl sie in ihren unterschiedlichen Maskierungen und in ihren mannigfachen möglichen Verwandlungen vorgestellt sind.
So hat man im "Decamerone" - der wohl nicht zufällig von einem Historiker geschrieben wurde - mehr oder weniger ein Lehrbuch des Frohmuts, gelingt es doch den zehn jungen Leuten, die sich in ihm zur Pestzeit in Florenz um 1350 auf ein Landgut zurückgezogen haben, immer wieder, Trauer und Freude in ihrem gegenseitigen Wechselwirken aufzuzeigen. So WOLLEN sie ausdrücklich reden, denn am Beginn eines jeden der zehn Tage, von denen unser Schmöker berichtet, nehmen sie sich - jeweils unter der Herrschaft eines von ihnen, der für einen Tag "König" oder auch "Königin" heißt - vor, je eine Geschichte zum Besten zu geben, die einem roten Faden folgt, welcher da etwa so lautet wie für den siebten Tag:
"Es schließt des Dekameron sechster Tag, und es beginnt der siebente, an dem unter Dioneos Regierung von den Streichen erzählt wird, welche, sei es aus Liebe oder um sich aus einer Verlegenheit zu ziehen, Frauen ihren Männern gespielt haben, mögen nun diese es gewahr geworden sein oder nicht."
Die einzelnen Novellen sind durch die Bank meisterhaft in ihrer Fabel, in ihrem Aufbau und allgemein in ihrer Kunstgerechtigkeit, so dass es einen nicht Wunder nimmt, wenn man zum Beispiel bei der Lektüre William Shakespeares den Eindruck bekommt, er habe einige seiner schönsten Stoffe - unter anderem Romeo und Julia - beim Italiener mitbekommen...
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