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22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Es gibt auch noch andere Bücher in diesem Jahr..., 11. Dezember 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Cusanus-Spiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der Roman beginnt mit der Schilderung anarchistischer Zustände im Klimakatastrophen geschüttelten Italien, es werden globale (oder sagen wir mal: "erdweite") Probleme erwähnt; dann werden heimliche(?) Zeitreisen in das ausgehende Mittelalter zwecks Restauration des Pflanzenbstands durchgeführt und schließlich wird nicht nur das Weltall, sondern das ganze Multiversum und seine 3 (oder 4?) Paladine bemüht, um die Heldin aus ihren Problemen zu retten. Es geht nämlich darum, dass ihr Vater bei einem Zugattentat ums Leben gekommen ist, und sie ihn gerne davor bewahren möchte - oder doch nicht? Seltsam ungleichgewichtig mutet manches im Roman an: Der Gedanke des "Reparierens" von Ereignissen ("Ausbürsten" heißt es hier sehr schön.) um das Universum/Multiversum als quasi lebendiges Hyperwesen bei Laune und Gesundheit zu halten (ein überdimensionaler Pantheismus sozusagen), technischer Schnick-Schnack wie Holographie und Nanotechnologie, und der Miniröcke verkaufende und Frauen aufreißende Vater stehen etwas unverbunden nebeneinander. Wolfgang Jeschke gibt (im Anhang) einige sener Ideengeber an, in den Zitaten am Kapitelköpfen wird auch Olaf Stapledons "Sternschöpfer" erwähnt, seltsamerweise aber nicht Isaak Asimovs "Das Ende der Ewigkeit", an das mich der Roman noch am meisten erinnert. Die "Ewigkeit" ist als wichtiges (und 50 Jahre altes!) Werk der Zeitreiseliteratur vielfach analysiert und kommentiert worden, und vieles an dieser Kritik kann man auf diesen Roman übertragen. Insbesondere bleibt auch seine Hauptperson etwas unscharf: Was macht Domenica, das Musterbeispiel einer gutbürgerlichen Normalstudentin, zur Heldin? "Sie besitzt Herzensgüte!" sagt einer der "Großen" von ihr. Ansonsten besitzt sie noch eine Begabung, auf den Zeitsolitonen zu surfen, was aber auf genetische Ursachen zurückgeführt wird und ihr deshalb eigentlich nicht besonders angerechnet werden kann. "Ich habe es vermasselt" sagt sie gleich mehrfach, und den Leser wundert's nicht - so unvorbereitet und naiv in schwierigste Missionen zu gehen kann nicht anders enden. Viele Seiten werden darauf verwendet, die Parallelwelten-Theorie der Zeitreise zu entwickeln, um sie mit dem "empathischen Doppelgängerkonzept" gleich wieder ad-absurdum zu führen. Einerseits gibt es die 10 Gebote der Nichteinmischung für Zeitreisende, aber die "Kraken" mischen heftig auf (hier wird die Ähnlichkeit mit Asimovs "Ewigkeit" besonders deutlich.) Da auf den letzten 50 Seiten dann noch schnell einige pralle (und unaufgelöste!) Zeitparadoxien produziert werden, bleibt dieser Widerspruch besonders in Erinnerung. Der Roman strotzt vor Lokalkolorit, und es gibt viele schön beobachtete Szenen und Formulierungen (Venedig, die "..Räuberbraut der östlichen Meere, üppig aufgetakelt, doch nicht ohne Geschmack und, in die Jahre gekommen, zunehmend auf die Zuwendungen ihrer Verehrer angewiesen.") Aber nicht nur dieser Satz wird einige Seiten später noch einmal variiert (am Beispiel San Marcos), sondern die kleine Reise des Nicolaus Cusanus von Köln nach Andernach wird dreimal (zu wenig verändert!) wiederholt. Das ist dann doch zuviel des "Copy-and-Paste". Stattdessen hätte man gerne noch etwas mehr über den "Cusaner" gelesen. Einige köstliche Ideen (Heloise nennt ihren halbintelligenten Krankenstuhl "Abe"; der junge Neonazi, für den keine Blutkonserven gefunden werden können, weil ".... seine Blutfaktoren für Nordeuropa ungewöhnlich sind"; der Papagei, der "Sie Hai!" ruft) hätten nicht unbedingt (für den einfacher gestrickten Leser?) erläutert werden müssen... Die alternative (und - wie die Engländer sagen - mit der "Zunge in der Backe" geschriebene) Zeitline (1460-1945) liefert Stoff für interessante Diskussionen: Wäre das wirklich eine realistische Alternative? Und die Quintessenz? Wir haben wohl doch nur diese eine Welt... Ich gebe 4 Sterne für gar nicht schlechte Literatur, aber nur 3 für die Science-Fiction.
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13 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
2.0 von 5 Sternen
Schade eine gute Idee aber schlechte Realisierung, 4. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Das Cusanus-Spiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
Normalerweise sollte eine Geschichte so geschrieben sein, dass man beim Lesen vergißt das man liest und von der Geschichte aufgenommen und Teil dieser wird. Leider ist dies mit diesem Buch nicht möglich. Die Story kommt nur schleppend voran und der Autor verliert sich in zuvielen Details die die Handlung nicht voran bringen. Wenn man man ein Botaniker ist, oder vor hat Venedig zu besuchen, kein Problem, man bekommt eine Übersicht über eine Masse von lateinischen Begriffen und wird mit italienischen Straßennamen versorgt... Auch hier konnte / musste ich wieder einen hohen Prozentsatz der Seiten überschlagen und konnte trotzdem der Handlung folgen. Selbst interssante Themen werden nur angesprochen aber leider nicht zu Ende gebracht. Am Ende hat man dann das Gefühl der Autor hat nun selber die Lust am Buch verloren und musste schnell zu einem Ende kommen.. Aus diesen Gründen nur 2 Puntke für die Idee die aber leider nicht zu Ende beschrieben wird...
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30 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Danke Wolfgang, 4. Oktober 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Cusanus-Spiel: Roman (Gebundene Ausgabe)
„Wenn Sie in diesem Jahr - oder diesem Jahrzehnt - noch ein Buch lesen wollen, dann lesen Sie dieses!" meint Andreas Eschbach und geht damit (wir schreiben das Jahr 2005) für meinen Geschmack mit dem Hype etwas zu weit... ...aber: Wolfgang Jeschke hat ein großartiges Buch geschrieben, eines, das ich wegen der Fülle der Ideen, der Lebendigkeit der Cha-raktere und - schließlich handelt es sich um Science Fiction, auch wenn der Umschlag das klugerweise verschweigt - der Phantastik, des „sense of wonder" unter die ganz großen seines Genre einreihen möchte. Jeschke entführt uns in gleich mehrere Welten: die des finsteren und doch manchmal auch sehr prallen Mittelalters, wo seine Protagonis-tin Domenica Pflanzensamen sucht, die in naher Zukunft - Welt Nummer 2 - die Folgen einer gewaltigen Atomkatastrophe in Mittel-deutschland heilen sollen. Ein geheimnisvolles Amt des Vatikans schickt sie durch einen Zeittunnel in die Vergangenheit und wir erle-ben Welt 3 - eine Welt höchster technischer Errungenschaft, die die Zeitreise beherrscht, auch wenn die Reisenden nur „Trittbrettfahrer" sind, „wie Hunde, die U-Bahn fahren, ohne selbst über den Fahrplan bestimmen zu können" formuliert es der Autor. Und dann wäre da noch Welt Nummer 4, irgendwo jenseits des Raum-Zeit-Gefüges, jenseits der Grenze, „dort wo das Universum kein Leben hervorgebracht hat". Und von jenem Ort aus greift ein geheimnisvoller Reisender, „den die, die ihm begegnet sind, den En-gel nennen", gelegentlich ins Geschehen ein.... Das alles wären schon die Ingredienzien eines guten Science-Fiction Romans - wenn eben Wolfgang Jeschke nicht mehr wäre als bloß ein Autor, der seine Figuren in einem Science-Fiction „ou-topos", e-ben einem „Nich-tort", eindimensional, zielstrebig und vorhersehbar vor sich hin agieren ließe, was er aber nicht tut (und weshalb er sich vielleicht acht Jahre Zeit genommen hat, dieses großartige in sich brillant verschachtelte Werk zu schreiben). Wir erleben hautnah das Grauen einer post-atomaren Welt, die lang-sam aber sicher an der Klimakatastrophe und dem Bevölkerungs-druck aus dem Süden zugrunde geht, ein Europa, dessen uns be-kannte Grenzen sich verschoben haben, mit Mächten wie dem etwa in alten Grenzen wiedererstandenem Österreich Ungarn, dem Vati-kan, der in Salzburg residiert und auch ein weltlicher Machtfaktor geworden ist und einem Deutschland, das in seine Kleinstaaten zer-fallen ist und in dem teilweise die Ultrarechte das Sagen hat. Doch wir erleben auch eine Technik mit hyperschnellen Lichtgleitern zwischen den Kontinenten, Luftschiffen und Magnetbahnen und eine Zeitreisetechnik, die in der Schilderung sowohl der technischen Hin-tergründe wie auch den „praktischen" Auswirkungen auf Reisende wie „Zeitheimische" für den, der sich ein wenig mit der Physik aus-kennt, plausibel wirken könnte..... Und all das ist von „lebendigen" Akteuren getragen und in einer Sprache geschrieben, die das teils liebevoll teils kritische Beobach-ten der Umgebung, der Städte, der Landschaften und der Menschen erkennen lässt, und die manchmal durchaus poetische Anklänge hat. Und ob die Welt, in der Domenica aufgewachsen ist, nun die unsere ist oder jene, die sich aufgrund der „Cusanischen Acceleratio" vor über fünfhundert Jahren von unserer Zweitlinie abgespalten und die schlimmsten Folgen des Glaubenskampfes vermieden hat und in der das erste Luftschiff den Atlantik bereits Mitte des achtzehnten Jahr-hunderts überquerte, wird nie eindeutig klar....(aber das mag viel-leicht nur für mich gelten, obwohl ich als Science-Fiction Leser durchaus Veteranenstatus beanspruchen darf). Aber das ist eben das, was gute SF ausmacht - „the sense of won-der"....Danke, Wolfgang Jeschke!
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