Als im Juni diesen Jahres "Cinderella Man" (so der Originaltitel) in den USA startete, überschlugen sich die Kritiker nur so vor Lob. Für die Verleihung der Academy Awards im März nächsten Jahres ist die Biografie des Ex-Boxweltmeisters Jim Braddock einer der größten Favoriten auf einen Oscar-Regen. Und das völlig zurecht. Das liegt zu einem großen Teil an der hervorragenden Besetzung: Russell Crowe spielt wieder einmal hervorragend und knüpft an seine tollen Leistungen in Filmen wie "Der Insider", "Gladiator" oder "A Beautiful Mind" an. Für seine Rolle speckte er extra 25 Kilogramm ab. Und das hat sich gelohnt, denn die Boxszenen gehören zum realistischsten, was man je in ähnlichen Filmen zu sehen bekam. Renée Zellweger spielt Crowes Filmfrau Mae Braddock. Sie stellt glaubhaft die Rolle der zwischen Stolz und Angst hin- und hergerissen Boxerfau dar. Am meisten beindruckt hat mich allerdings Paul Giamatti als Braddocks Manager Joe Gould. Die Rolle bekommt durch ihn eine unglaubliche Ausstrahlung, und ich könnte mir niemand besseren vorstellen, um diese Rolle zu spielen. Auf dem Regiestuhl nahm Ron Howard ("Apollo 13") Platz, der das von Cliff Hollingsworth umgesetzte Drehbuch perfekt verfilmte. Spannende Boxkämpfe wechseln sich mit Einblicken in die dramatischen Lebensverhältnisse der armen Arbeiterfamilien zur Zeit der großen Wirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre ab. Wenn auch die Story vom Underdog aus einem Armenviertel, der sich durch seine unersättliche Willenskraft bis zum Weltmeistertitel boxt, eigentlich aus Filmen wie "Rocky" zur Genüge bekannt ist, ist "Das Comeback" ein komplett anderer Film, weil das Boxen eher eine Rahmenhandlung bietet, damit der fürsorgende Familienvater Jim Braddock seine Familie ernähren kann. In den USA ist die großartige Biografie an den Kinokassen aber untergegangen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen musste er sich mit Hollywood-Blockbustern wie "Krieg der Welten", "Madagascar", "Mr. und Mrs. Smith" und "Star Wars Episode III" konkurrieren. Zum anderen ist es aber auch ein anspruchsvoller Film, was in heutigen Zeiten vor allem in den USA ein Todesurteil für Kinofilme in finanzieller Hinsicht ist. Im Rest der Welt sah es allerdings leider auch nicht anders aus. Und so bleibt nur zu hoffen, dass mit dem DVD-Release wenigstens ein bisschen Geld in die Kassen von Buena Vista gescheffelt wird. Verdient hätte es dieser großartige Film auf jeden Fall.