Die "Fischer kompakt"-Reihe füllt in Deutschland eine Lücke - die zwischen den allgemeinverständlichen, aber meist oberflächlichen und gelegentlich bis zur Falschheit vereinfachenden populärwissenschaftlichen Schmökern, und den Fachbüchern. Die wiederum sind zwar tiefschürfend, aber oft ohne einschlägiges Grundstudium kaum zu bewältigen - und für einen Überblick zu umfassend. Die "kompakt"-Reihe wendet sich an Menschen mit guter naturwissenschaftlicher Allgemein- wie Ausbildung, und entsprechend stößt man auch auf anspruchsvollere Begriffe, Argumentationen und Formeln.
"Fraktale und Attraktoren" sind das Thema dieses Buchs: Es geht um seltsame Gebilde, die zwar einfachen Regeln gehorchen oder nach einfachen Regeln erstellt werden können, aber sehr komplex erscheinen und "unendlich detailliert" sind. Mathematisch versucht man seit einigen Jahrzehnten, sie in den Griff zu bekommen - und hat dabei wichtige Erkenntnisse gewonnen wie hilfreiche Begriffe entwickelt: Selbstähnlichkeit und fraktale Dimension zum Beispiel.
Dank der Fortschritte in der Rechenleistung auch einfacher Computer können Fraktale seit den 1980ern auch zu Hause problemlos auf dem Bildschirm dargestellt werden. Entsprechend wuchs in dieser Zeit das Interesse an chaotischen Systemen - grundsätzlich solchen, die durch einfache deterministische Regeln vollständig beschreibbar sind, aber trotzdem bei genauem Hinsehen laufend für Überraschungen sorgen: Minimale Veränderungen bei den Ausgangsbedingungen führen zu maximalen Änderungen bei den Ergebnissen.
Wer ein paar Vorkenntnisse und gutes mathematisches Verständnis mitbringt, findet in Greschniks Buch eine Einführung, die sich nicht scheut, auch etwas in die Tiefe zu gehen. Verständlich und spannend ist sie dann auf jeden Fall. Dem naturwissenschaftlich-mathematisch vorgebildeten Leser hilft es, seine Allgemeinbildung aufzupolieren - und sich darüber klar zu werden, ob eine weitere, ernsthafte Beschäftigung mit dem Thema lohnt. (Beispiele für chaotische Systeme aus verschiedensten Wissenschaften finden sich in B. Eckhardts "Chaos" aus der gleichen Reihe, das weniger mathematisch als naturwissenschaftlich ausgerichet ist und Greschniks Buch prima ergänzt.)
Wer mit Logarithmus und Co. schon in der Schulzeit auf Kriegsfuß stand, wird mit dem Buch wenig anfangen können - es wendet sich nicht an "den Laien". Ein paar Unklarheiten trüben den Lesegenuss unerheblich - dafür bietet es einen knappen, aber nicht oberflächlichen Einblick, der Studenten, mathematikbegeisterte Oberstufenschüler wie auch im mathematiknahen Umfeld Graduierte einen schnellen, geordneten Einstieg ins Chaos erlaubt.