Stellen Sie sich folgende Situation vor: Sie liegen halb aufrecht im Bett, eingekeilt in Kissen und zusammengerollte Handtücher, das linke Bein ist angewinkelt. So sollen Sie schlafen, ohne sich im mindesten bewegen zu können. Jeder Juckreiz wird zur Höllenqual, da Sie sich nicht kratzen können. In einer solchen Situation, hervorgerufen durch die unheilbare Muskellähmung ALS, befindet sich der Autor Tony Judt. Um überhaupt die Nächte ertragen zu können, geht er jede Nacht in die Erinnerung an sein Leben und speichert die Ergebnisse dieser Erinnerungen in den Räumen eines vorgestellten Schweizer Chalets, das er aus den Winterferien in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts kennt. Am Morgen teilt er mühsam das Aufgespeicherte einem Helfer mit. Nur Tony Judts Kopf lässt sich noch bewegen, atmen kann er nur mit mechanischer Hilfe. In dieser verzweifelten Situation am Rande der Existenz enteht ein autobiografischer Bericht über 50 Jahre Leben in London, Cambridge, Paris, Israel und New York, wo Judt zuletzt als Historiker lehrt. Es sind kurze essayhafte und sehr persönliche Einblicke in ein Leben, die der Historiker uns vor dem Tableau der Zeitgeschichte gewährt. Wir glauben dabei zu sein, wenn er mit dem Bus durch London fährt, während der Studentenrevolution 1968 in Paris lebt oder in einem israelischen Kibbuz arbeitet. Kaum glaublich, wie der Autor diese Beobachtungen mit einer unnachahmlichen Heiterkeit sieht, gewissermaßen durch die Brille des britischen und jüdischen Humors. Es ist ein Buch entstanden, das man nicht mehr weglegt, bevor man es ganz gelesen hat.