Eins vorne weg: Endlich mal ein histor. Roman, der die Bezeichnung auch verdient. Keine Spur von Hebammen, Schamaninen oder Wanderhuren. Eine überstrapazierte Liebeshudelei hat der Autor, gottlob, auch unterlassen. Stattdessen hat er sich auf die Anfänge des historischen Romans besonnen, in denen noch die Geschichte(n) im Mittelpunkt stand(en).
Zum Inhalt des "Caffeehauses": Vor/Auf der Festung Kalemegdan in Belgrad findet 1717 die entscheidende Schlacht zwischen dem übermächtigen türkischen Heer und den Kaiserlichen unter dem Befehl von Prinz Eugen von Savoyen statt. Balthasar Neumann, der spätere geniale Baumeister des Spätbarock, und sein Kanonier Veit stürmen auf die Burg und treffen dort die junge Haremsdame Sabiha, die eigentlich in dieser Nacht die Frau des Wesirs werden sollte.
Jahre später kommt die inzwischen unters Spielvolk geratene Sabiha nach Würzburg und kommt beim ersten Kaffeesieder der Stadt unter. Gleichzeitig erhält der in Bausachen noch undedarfte Neumann den Auftrag zum Bau des fürstbischöflichen Schlosses ... und damit beginnt die nun folgende Geschichte um den Bau eines Weltkulturerbes (Residenz zu Würzburg) und der Kultivierung des Kaffees in Franken.
Die Stärke des Buchs liegt eindeutig in der Fülle der fein säuberlich recherchierten Informationen über die Würzburger Residenz, den beteiligten Architekten und deren Gerangel, als auch in der Aufbereitung der Geschichte des Kaffees. Wer in den liebevoll beschriebenen Kapitel um die Kaffeeproduktion, -herstellung und -handel nicht zum Kaffeeliebhaber wird, wird es niemals mehr.
Der Autor geht noch einen Schritt weiter. Er flechtet die Bedeutung der (Kaffee-) Revolution in deutschen Landen ein - (fast) freie Meinungsäußerung in den Kaffeeschenken, daraus resultierend die ersten Zeitungen und schließlich ein neues Selbstverständnis der von den Fürsten geknechteten Bevölkerung.
Die Schwäche des Buchs (wenn man es so will) liegt im Ausbleiben jeder Gefühlsduselei bzw. Liebesromanze. Die Figuren halten sich vornehmlich zurück. Fast scheint das die Absicht des Autors gewesen zu sein, um die Geschichte nicht zu verwässern.
Mein Fazit zum Caffeehaus: Ein rundum gelungenes Buch, ein wahrer histor. Roman, der (sehr) viel über das frühe 18. Jahrhundert preisgibt und durch seine liebevollen und detailreichen Beschreibungen ein wahres Lesevergnügen darstellt. Bitte mehr davon.