Das Buch erscheint - seit 1989 - nunmehr in dritter Auflage. Überabreitung und Erweiterung beziehen sich im Wesentlichen auf präzisere Fassungen bisheriger Kenntnisse, nicht auf grundlegend Neues. Gleichwohl stellt Burisch ein nach wie vor sehr gutes Modell zur Analyse von Störungen und deren Folgen bereit, in meinen Augen das seit langem beste Buch zur Erklärung von Burnout (im deutschsprachigen Raum).
Der Autor, ein mit dem Forschungsgebiet sowohl aus der Lehre als auch aus eigener Erfahrung vertrauter Professor, will Burnout in erster Linie verstehbar machen - und das gelingt sehr gut. Er analysiert Störungen und deren Folgen und liefert ein für diagnostische Zwecke im Rahmen von Beratungen gut einsetzbares Modell. Natürlich kann das Buch individuelle Beratung nicht ersetzen. Zudem ist Lebenshilfe" nicht das Anliegen dieses Buches, auch wenn manche schon von den Klärungen und Erklärungen profitieren und hilfreiche Anregungen gewinnen können.
Burisch bietet dichte Information, eben eine profunde Theorie, die er anschaulich entwickelt und leicht lesbar präsentiert. Im Mittelpunkt steht ein integriertes Burnout-Modell, das unterschiedlichste Formen von Burnout einordnen kann und dennoch ähnliche Phänomene abzugrenzen erlaubt. Der Autor orientiert sein Modell an der inneren Realität der von Burnout Betroffenen, an dem, was diese Menschen bewusst oder unbewusst erleben und beschreibt eine Nahaufnahme des Burnout-Prozesses. Danach diskutiert er persönliche und Umweltfaktoren, die den Prozess begünstigen.
In seinem Ansatz nimmt er Theorien und Ergebnisse verschiedener Forschungsansätze benachbarter Disziplinen auf und liefert auch dadurch einen guten Überblick über Entstehung und Entwicklung der Burnout-Forschung, die sich indes seit geraumer Zeit in einer Sackgasse bewegt - eine Einschätzung, mit der der Autor keineswegs allein steht.