Es gibt wahrscheinlich nur wenige gesellschaftliche Bereiche, die so unübersichtlich sind wie der Literaturbetrieb. Autoren, Verleger, Eventmanager, Literaturhäuser, Preise, Märkte, Messen und, nicht zu vergessen, die Rezensenten. Die Liste ist keineswegs vollständig. Das neue Buch von Eberhard Schütz ermöglicht Insidern und Neulingen einen schnellen und flüssig zu lesenden professionellen Durchblick. Ob Buchhändlerin oder Medienmogul, hier findet jeder was er sucht.
Erhard Schütz ansässig an der Humboldt Universität zu Berlin, Inhaber des Lehrstuhls für Neuere deutsche Geschichte, hat mit einem Herausgeberteam und vierzig Experten aus Wissenschaft, Journalismus, Verlagen und Literaturbetrieb in mehr als 120 Artikeln ein kompaktes Nachschlagewerk über dem Buchmarkt konzipiert. Die Autoren kennen die Praxisfelder über die sie schreiben aus der unmittelbaren Erfahrung wie aus der Theorie.
Ebenso breit gefächert wie die Gruppe der Autoren dürfte die Zielgruppe des Lexikons sein, denn kein gesellschaftlicher Bereich ist so durchlässig wie der Literaturbetrieb. Da startet jemand als Buchhändler spezialisiert auf die schöne Literatur und arbeitet später als Autor, Verleger, Journalist oder als Eventmanager. Möglicherweise wechseln die Rollen sogar mehrfach im Leben. Da ist es nicht ganz so einfach zu verstehen, was der jeweils andere tut. Das Lexikon wird vielen im Literaturbetrieb Tätigen das Verständnis der jeweils anderen beruflichen Herausforderungen extrem erleichtern. Die Herausgeber sehen in solcherlei Aufklärung über die Profession des jeweils anderen auch eine wichtige kulturpolitische Herausforderung. Schriftsteller können ohne Marketingstrategen nicht auskommen, die Entscheidungsträger der Branche sollte neben fundierten ökonomischen Kenntnissen die Eigengesetzlichkeit der Literatur respektieren lernen.
Die Herausgeber beanspruchen zum ersten Mal einen umfassenden Überblick über alle Bereiche des Literaturbetriebs vorzulegen und vereinigen in ihrem Lexikon drei entscheidende Blickrichtungen. Der Literaturbetrieb als systematische Verbindung von Autoren, Verlegern und Verkäufern wird zu allererst historisch seit seiner Entstehung im 18. Jahrhundert beleuchtet. Gleichzeitig erscheint der Literaturbetrieb aber auch in seiner praktischen Dimension, denn schließlich sollen Bücher ja auch verkauft und beworben werden. Außerdem erscheint der Literaturbetrieb auch noch in seiner kulturanalytischen Dimension. Sein Zustand ist ja immer auch ein Hinweis auf den Zustand der Kultur einer Gesellschaft.
Natürlich wird man dieses Buch nicht von vorne bis hinten durchlesen. Es ist ein Nachschlagewerk. Die meisten Artikel bieten kompakte Einführungen mit Verweisen auf die wichtigste Literatur bis hin zu Artikeln in Fachzeitschriften. Querverweise in Form von Stichworten erleichtern die rasche Nutzung erheblich. Auf jeden Fall ein Qualitätssachbuch, welches in keinem Handapparat fehlen sollte.