Dieses Buch traf meine Erwartungen leider nicht im mindesten. Erwartet hatte ich ein historisch wirklich fundiertes Buch, das dem Leser nicht nur mittelalterliche Rezepte näher bringt, sondern auch die historischen Ursprünge der Rezepturen erklärt. Bekommen habe ich ein Buch, das einerseits zu wenig historisch, andererseits zu wenig Kochbuch ist. Man kann sagen, dieses Buch ist "weder Fisch noch Fleisch".
Gute Anfänge wie der Bezug auf mittelalterliche Handschriften oder Bildmaterial verlaufen sich im Buch wieder sehr schnell. Die Einführung über mittelalterliches Tafeln, Verhalten bei Tisch, den Speiseplan von Adel und Bauern, u.v.m. ist gelungen und vermittelt ein erstes gutes Bild. Doch in weiterer Folge werden dann nur Rezepte aufgezählt. Die Erklärungen, wie es zu diversen Rezepturen kam, werden immer spärlicher. Ausführliche Geschichten rund um das jeweilige Gericht findet der interessierte Leser nur noch vereinzelt, beispielsweise beim Pfefferpotthast, wo erzählt wird, zu welchen Anlässen dieses Gericht aufgetragen wurde.
Sehr seltsam fand ich auch den Widerspruch in den vom Autor angegebenen Gewürzen in den einzelnen Rezepturen. Jacob Blume ist zwar Historiker, zumindest bezeichnet er sich als solcher, vergißt jedoch komplett zu erklären, warum für seine Gerichte kaum Salz verwendet wird. Der Grund liegt darin, dass Salz im Mittelalter ein nur schwer leistbarer Luxus war. Doch umso fragwürdiger empfinde ich es dann, dass der Autor viele Rezepte nennt, in denen vielfach Safran verwendet wird! Sollte Safran - wenn es heute schon zu den teuersten Gewürzen der Welt zählt - im Mittelalter etwa zum Billigstpreis gehandelt worden sein? Diese Darstellung ist weder logisch erklärbar noch durchgängig argumentiert. Wenn Herr Blume dem Leser Rezepte aus adeligen Haushalten auftischen will, dann bitte im vollen Umfang, d.h. mit allen teuren Gewürden, mit Salz und allem, was sonst noch dazu gehört! Will er jedoch die Küche des einfachen Volkes darstellen, muss er wohl auch auf Safran verzichten!
Was die Rezepte angeht, vergißt der Autor vielfach anzugeben, für wieviele Personen eine von ihm dargestellte Hauptspeise gedacht ist. Das kann ziemlich unangenehm werden, wenn man plant, für einen großen Personenkreis mittelalterlich zu kochen. Derartige Angaben verstehe ich als Selbstverständlichkeit bei einem Kochbuch.
Alles in allem zwar ein Anfang, aber trotzdem deutlich überarbeitungsbedürftig!