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57 von 64 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Warum die Suffragettenbewegung so wichtig war!, 25. Februar 2005
Rezension bezieht sich auf: Das Buch von Blanche und Marie: Roman (Gebundene Ausgabe)
Der schwedische Autor Enquist erzählt die tragischen Lebensläufe der zweimaligen Nobelpreisträgerin Marie Curie und ihrer Assistentin Blanche Wittmann, die ein Jahrzehnt früher Patientin im "Salpetiere" war. Beide Frauen lebten nach den Maßstäben ihrer Zeit untypisch. Beide waren sie Berühmtheiten. Beide wurden sie zu Strahlenopfern, hervorgerufen durch ihre Arbeit mit dem Mineral "Pechblende". Beide hatten eine Liebesbeziehung zu einem verheirateten Mann. Beide konnten die Beziehung in der Öffentlichkeit nicht ausleben, weil die gesellschaftliche Moral dagegen stand. Daran litten beide seelisch. Letztlich zermürbte dieser Umstand beide auf Dauer. Die Affäre der verwitweten Marie Curie - sie war einst eine von nur zwei Frauen unter 9000 Studenten an der Sorbonne!!! - mit dem Wissenschaftler Paul Langevin kam der Presse zu Ohren. Unaufhaltsam folgte der übliche Skandal. Fortan war die Chemikerin gesellschaftlich stigmatisiert und die Verleihung ihres zweiten Nobelpreises in Frage gestellt. Blanche Wittmann, engste Vertraute der bedeutenden Wissenschaftlerin, schreibt über ihr gemeinsames Leben mit Marie und stellt Betrachtungen über das Wesen der Liebe an. Sie reflektiert insbesondere die Zusammenhänge zwischen Liebe und Schuld ,sowie Liebe und Tod. Zu diesem Zeitpunkt hat man Blanche bereits in einen Kasten gepackt, weil man ihre Beine und einen ihrer Arme amputiert hat, sie nunmehr nur noch eine Miniatur ihrer selbst ist, wie sie sagt. Die Hände Maries sind auch schon verkrüppelt . Das Radium hat auch seine Entdeckerin nicht verschont. "Wann verschwand das Selbstbewußtsein des zwanzigsten Jahrhunderts, der Fortschrittsoptimismus, die Arroganz?", fragt der Autor an irgendeiner Stelle dieses Buches mit Blick auf diese beiden Frauen, die zum Schluss ihres Lebens die ersten Opfer gerade jener Geister waren, die man voller Sehnsucht herbeigerufen hatte. Blanche Wittmann "die Königin der Hysterikerinnen" war zu Ende des vorvergangenen Jahrhunderts Patientin im berüchtigten Krankenhaus " Salpetiere" Der Neurologe Jean Martin Charcot behandelt die junge Frau dort wegen ihrer vermeintlichen Hysterie. Er unternimmt Experimente mit Hypnose. Sigmund Freud ist eine Zeitlang einer seiner Mitarbeiter. Erbärmlich, präziser, menschenunwürdig geht man mit den 6000 Frauen im "Salpetiere" um, dem "Schloss der verrückten Frauen". Man führt sie dem gebildeten, männlichen Bürgertum vor und ergötzt sich lüstern an deren "Veitstänzen". Wie Ratten sind die armen Frauen eingesperrt und wie Affen dressiert man sie. Der verklemmte Professor Charcot hat zu Ende seines Lebens eine Affäre mit seiner Patientin Blanche. Später gibt sich die nachdenkliche Schönheit die Schuld am Ableben des von ihr geliebten Mannes. Die beiden tüchtigen Frauen Blanche und Marie wurden Opfer einer prüden, unduldsamen, doppelmoraligen Gesellschaft. Nie hätte man Albert Einstein, aufgrund seiner zahllosen Liebesaffären mit gesellschaftlichen oder gar beruflichen Sanktionen belegt. Für Männer galten andere Maßstäbe! Marie Curie kannte Einstein persönlich, kannte Becquerel und viele andere Wissenschaftler auch. Trotz ihrer Nobelpreise hat man sie in ihrer Zeit nie auf die gleiche gesellschaftliche Stufe mit ihren männlichen Kollegen gestellt. Sie war eben eine Frau! Die mutige Emmeline Pankhurst - eine britische Frauenrechtlerin- war befreundet mit Madame Curie. Doch die Bewegung steckte noch in den Kinderschuhen. Noch war man nicht soweit, Mann und Frau die gleichen Rechte zuzubilligen. Vielleicht ist man es ja heute immer noch nicht....! Ein zutiefst berührendes Buch!
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
3.0 von 5 Sternen
Nicht mein Fall, 7. Juni 2006
Rezension bezieht sich auf: Das Buch von Blanche und Marie: Roman (Gebundene Ausgabe)
Das Buch steckt voller Fragmente und Anspielungen, die z.T. schwer zu entschlüsseln sind, wenn überhaupt. Die Liebesgeschichten der beiden Frauen sind düster, aus der damaligen Zeit heraus betrachtet aber interessant, da beide verheiratete Männer liebten und daran verzweifelten. Der Aufbau des Buches ist jedoch verwirrend, etliche Textstellen haben sich mir nicht erschlossen, doch man konnte der Geschichte auch ohne sie folgen. Der Sprachstil ist brilliant, auch werden die medizinischen ERkenntnisse und die Verhältnisse in Heilanstalten der damaligen Zeit anschaulich gemacht. Doch wie gesagt: Vieles bleibt undurchsichtig und machte es beim Lesen schwer durchzuhalten. In der 2. Hälfte des Buches wird es klarer, so dass ich es schließlich doch ganz durchgelesen habe. Ich hatte mir aber mehr davon versprochen.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die Liebe überwindet alles?, 22. Dezember 2008
"Amor Omnia Vincit - die Liebe überwindet alles". Mit diesen Worten beginnt Enquists nur stellenweise biografisch belegter Roman über Blanche Wittman, Ende des 19. Jahrhunderts "Medium" des berühmten Nervenarztes Charcot, später Assistentin Marie Curies, und eben jene zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie. Der nicht namentlich erwähnte Erzähler, aber offensichtlich Schwede wie der Autor Enquist, reflektiert auf sehr empathische Weise Aufzeichnungen Blanche Wittmans, in denen sie sich auf die Suche nach der Natur der Liebe begibt. Dabei werden dem Leser Leben und Liebesbeziehungen der beiden Hauptpersonen in einer Zeit enormer wissenschaftlicher Umbrüche, teils durch Erzählerbericht und -reflexion, teils durch Blanche Wittman selbst in ihren "Erinnerungen" erfahrbar gemacht. Alles in diesem Roman dreht sich um das Phänomen der Liebe. Wer jedoch auf Grund des ersten Satzes auf die Bestätigung der These wartet, wird sehr schnell eines Besseren belehrt: "Die Liebe überwindet alles, als Arbeitshypothese, oder innerster Schmerzpunkt." (S.9)Von Anfang an wird klar gestellt, dass Blanches Fragen (Sie selbst nennt ihre aus drei Teilen bestehenden Aufzeichnungen "Fragebuch".) zum Wesen der Liebe nicht beantwortet werden können - und wiederholt darauf bestanden, es doch wenigstens versuchen zu müssen: "Als ich ein Kind war, wie ein Kind sprach und kindliche Gedanken hatte [...],war das Evangelium eine Liebesbotschaft, und alle Liebe war teils geboten, teils verboten. Das schuf die Verlockung, die explosiv war und daher tödlich. Die Liebe und der Tod waren verknüpft, wir konnten uns nicht befreien. Alle sprachen von der Liebe, doch niemand erklärte sie. Sie war auch die größte Sünde. Da darf man nicht aufgeben.[...]wer wären wir, wenn wir es nicht versuchten?" (S.41)Diese letzte Frage wiederholt Blanche mehrmals. Liebe und Schmerz, Liebe und Tod - in Blanches Liebesgeschichte mit ihrem Arzt Prof. Charcot spiegeln sich diese Motive genauso wider wie in Marie Curies (Liebes)Leben. Erfüllte Liebe ist nicht Thema des Romans. In Enquists Roman wird das Motiv der Liebe jedoch nicht nur an den schmerzlichen individuellen Liebeserfahrungen der Curie und der Wittman "analysiert", sondern gleichsam übertragen auf die Liebe, die Leidenschaft zur Wissenschaft. Beide Frauen leben in einer Zeit der wissenschaftlichen "Revolution", des Umbruchs zur Moderne und sind verantwortlich/beteiligt für/an die/der Entdeckung des Radiums.Beide Frauen bezahlen für ihre Arbeit mit ihrer Gesundheit und ihrem Leben. Enquists Roman liefert darüber hinaus Einblicke in eine spannende und widersprüchliche Zeit, in der Wissenschaft und Fortschritt zu gesellschaftlichen "Stars" avancierten, z. T. und auf schlimmste Weise auch auf Kosten von Frauen. Der Feminismus steckte noch in den Kinderschuhen. An beiden Frauen, Blanche und Marie, wird auch diese Geschichte erzählt. Es ist die Geschichte zweier unkonventioneller, mutiger und starker Frauen, die in einer für sie widrigen Zeit ihren Anspruch auf ihre Art zu leben und zu lieben auf schmerzlichste Weise durchleben müssen. Aber sie geben nie auf und sie zerbrechen nicht. Und also scheint die anfangs aufgestellte These in gewisser Weise doch bewiesen? Das muss der Leser wohl selbst entscheiden oder hinterfragen. Für mich ein bemerkenswertes Buch!, das sehr komplexe Themen sensibel, berührend und überhaupt nicht sentimental anspricht. Wer sich die Mühe macht, sich auf diese anspruchsvolle (auch stilistisch!)Lektüre einzulassen, wird wahrscheinlich mit mehr Fragen zurückbleiben, als er sie vor dem Lesen hatte, auf jeden Fall aber auch um unzählige Anstöße und Eindrücke reicher sein!
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