Beim zweiteiligen Buch der Verschollenen Geschichten handelt es sich um die ersten beiden von insgesamt 12 Bänden, die Christopher Tolkien nach dem Tod seines Vaters J. R. R. veröffentlicht hat. Gleichzeitig sind es auch die beiden einzigen, die auf deutsch erschienen sind.
"Das Buch der Verschollenen Geschichten" enthält eine frühere Fassung vom "Silmarillion". D. h. es wird eigentlich das gleiche erzählt wie in "Das Silmarillion". Nur sind in den Lost Tales die Sagen noch nicht so detailreich ausgearbeitet, auch der Erzählstil ist ein ganz anderer (die einzelnen Geschichten sind viel länger, während im Silmarillion alles in kompakter, kurzer Form vermittelt wird). Außerdem ist alles in eine Rahmenhandlung eingebunden: eine Hauptfigur bekommt die einzelnen Geschichten von verschiedenen Personen erzählt; wohingegen "Das Silmarillion" als Kompilation von Sagen und Legenden konzipiert ist. Auch finden sich in dieser Urform noch Bezüge auf England und seine Geschichte, welche später, als Tolkien seine imaginäre Welt immer weiter entwickelte, komplett weggefallen sind.
Teil 1 enthält hierbei die Legenden von der Erschaffung und Einrichtung der Welt und aus Aman, Teil 2 die Heldensagen von Beleriand/Mittelerde.
Nun stellt sich wie bereits bei "Nachrichten von Mittelerde" die Frage, ob die Veröffentlichung so eines Werkes überhaupt nötig war, oder ob man nur den Leser mit dem berühmten Namen Tolkiens abzocken wollte. Interessant ist das Book of Lost Tales allenfalls für Leute (wie mich), die sich dafür interessieren, wie Tolkien seine fiktionale Welt über die Jahre entwickelt hat. Alle anderen werden wohl weniger damit anfangen können. Zudem sollte man "Das Silmarillion" vorher gelesen haben, sonst kennt man sich nicht aus.