Aus der Amazon.de-Redaktion
Hier spielt Sedgwicks Roman Das Buch der toten Tage, in dem ein Zauberlehrling namens Boy die Hauptrolle spielt. Sein Herr und Meister, der Illusionskünstler Valerian, hat sich mit dem Teufel eingelassen und wird die Geister, die er rief, nun nicht mehr los: Für die magischen Kräfte muss er zum Jahreswechsel mit dem Leben zahlen. Rettung verspricht -- als Buch im Buch -- allein das Buch der toten Tage, das die Bedingungen enthält, unter denen der Schwur null und nichtig wird. Boy macht sich auf die Suche nach dem Buch -- und verstrickt sich dabei immer mehr in ein packendes Abenteuer, in dem ihm nicht nur böse Häscher und Bücherjäger übel mitspielen wollen, sondern auch Valerian selbst ein doppeltes Spiel zu spielen scheint
Auch Das Buch der toten Tage ist Magie vom Feinsten: Voller literarischer Taschenspielertricks, atmosphärischer Winkelzüge und spannender Doppelbödigkeiten. Leseunterhaltung pur -- und das nicht nur in der magischen Zeit zwischen Weihnachten und Silvester. --Isa Gerck -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Pressestimmen
Das sind die unwiderstehlichen Zutaten eines Schauerromans. Nur dass der ganz und gar nicht groschenbillig geschrieben ist. Ein großes Lesevergnügen für düstere Tage.
Sedgwicks Thriller ist nichts für zarte Gemüter, aber Horror-erprobte Leser werden an ihm ihre Freude haben und mit den sympathischen jungen Helden mitfiebern.
Mit den klassischen Versatzstücken der Gothic Novel hat Sedgwick ein spannendes Werk geschaffen, das dem Leser bereits vom ersten Kapitel an einen Schauer nach dem anderen über den Kücken jagt.
›Das Buch der toten Tage‹ ist kein klassischer Fantasyroman, sondern eher eine Faust-Geschichte in zeitloser Vergangenheit, die etwas von einem historischen Krimi mit phantastischen Elementen hat.
Kurzbeschreibung
Boy, ein Junge ohne Namen und Vergangenheit, ist Assistent des Magiers und Illusionisten Valerian. Schon immer war Valerian ein schwieriger Herr: finster, launisch und böse. Doch in letzter Zeit wird es schlimmer. Boy ahnt, es muss etwas geben, was Valerian Angst macht. Das kann nur etwas unvorstellbar Fürchterliches sein. Und Boy hat Recht. Sein Herr hat einen Pakt mit dem Bösen geschlossen: magische Kräfte gegen sein Leben - und in der Silvesternacht ist seine Zeit abgelaufen. Nur das mysteriöse Buch der toten Tage kann ihn noch retten. Aus ihm könnte er erfahren, wie man den Pakt mit den bösen Mächten löst. Boy soll Valerian helfen, das Buch aufzuspüren. Doch es ist Willow, Boys Freundin, die den entscheidenden Hinweis liefert: Die Melodie einer Spieluhr bringt sie auf die richtige Spur. Die Jagd führt Boy und Willow in die vergessenen Katakomben tief unter der uralten Stadt. Aber sie sind nicht die einzigen Jäger.
Über den Autor
Marcus Sedgwick, geboren 1968, lebt in Sussex, England, und war Buchhändler und Verlagslektor, bevor er sich aufs Schreiben verlegte. Seit 1994 verfasst er in der Hauptsache Jugendromane. Seine Bücher sind im Mutterland des Schauerromans Bestseller.
Auszug aus Das Buch der toten Tage von Marcus Sedgwick, Friedrich Kur. Copyright © 2005. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Nenne die fünf Prinzipien Cavallos!", schnappte Valerian. Sie eilten durch die finsteren Straßen der Stadt - der ungeheuren, uralten Stadt, die sich um sie herum in all ihrer verrottenden Pracht ins Dunkel ausbreitete, ein verfilztes Gewirr aus einst prachtvollen Straßen und engen Gassen, nun heruntergekommen und schäbig. Fette Gebäude hockten auf beiden Seiten wie im Finstern lauernde wilde Tiere.
Die Stadt. Ehedem war sie die Kapitale eines mächtigen Reiches gewesen. Inzwischen existierte es nur noch in dem verdunkelten Geist Fredericks, des über achtzigjährigen Kaisers, der weggeschlossen irgendwo hinter den hohen Mauern des Palastes vegetierte.
Von den verschwommenen Erinnerungen des Kaisers wusste Boy nichts. Seine Welt begann und endete bei Valerian. Während die beiden durch Cat's End, eine besonders abscheuliche Straße, liefen, schlugen die Glocken Mitternacht. Der 27. Dezember hatte begonnen.
Valerian stürmte einen Schritt vor Boy her, dabei hielt er dessen Mantelschöße und zog den halb rennenden, halb stolpernden Jungen nach. Er stellte Boys Gedächtnis und Körper gleichzeitig auf die Probe.
"Wird's bald?", schnarrte er.
"Mysterium", keuchte Boy, während sie weiterhasteten. "Mysterium und Vorbereitung und... 'tschuldigung."
Er stolperte auf dem Kopfsteinpflaster. Valerian riss ihn förmlich durch die Luft um eine Ecke und in eine Seitenstraße. Eine Abkürzung nach Hause.
"Was noch?", schrie Valerian. "Mysterium und Vorbereitung und was?"
"Führung?"
"Irreführung, du Hammel!"
"Irreführung", sagte Boy, und bevor Valerian ihn noch einmal anschreien konnte: "... und Praxis und Gewandtheit. - Natürliche Gewandtheit", fügte er rasch hinzu.
Valerian knurrte zufrieden, verlangsamte aber nicht seinen Schritt. Boy stolperte hinterdrein. Da er immer noch seitwärts an den Mantelschößen gezogen wurde, konnte er seine Füße nicht richtig setzen.
Nach der Vorstellung hatte Valerian ihn lange wütend angestarrt, Boy steckte in genau den Schwierigkeiten, mit denen er im Stillen gerechnet hatte. Valerian hatte ihn aus der Loge und den kleinen Korridor entlanggezerrt, dann die Treppen hinunter und hinaus in die Nacht, nicht einmal die Abendgage hatte er abgeholt. Boy hatte noch kaum Zeit gehabt nachzudenken, aber etwas beunruhigte ihn dennoch gewaltig. Er selbst hatte von der Bühne bis zur Loge mindestens drei Minuten gebraucht, Valerian aber bloß ein paar Sekunden. Wenigstens hatte es so den Anschein gehabt - andererseits wusste Boy aus Erfahrung, dass er bei Valerian nicht allem trauen durfte, was er sah. Man konnte bei ihm eigentlich nie ganz sicher sein.
Sie zogen weiter durch die Stadt, immer noch hatte Valerian Boys Mantelschöße fest im Griff. Von weitem mussten sie wie ein sonderbares Tier aussehen. Sie kamen durch Gutter Street. Auch wenn es in dieser Gegend der Stadt keine Straßenschilder gab (sie war für solche Feinheiten zu sehr heruntergekommen), wusste Boy sehr wohl, wo sie waren. Sie gingen am Wirtshaus "Zum Grünen Vogel" vorbei. Boy hatte gehofft, Valerian würde dort auf ein oder zwei Glas einkehren. Oder besser noch mehr. Darüber würde er vielleicht Boys Schnitzer vergessen. Aber er hastete ohne einen Blick vorbei. Boy schluckte und stolperte hinterdrein.
"Nun gut", sagte Valerian. "Falls du die fünf Prinzipien nämlich nicht beachtest, kannst du dich ebenso gut auf dein Glück verlassen, wozu du uns ja heute Abend schon gezwungen hast. Jeder einigermaßen Nüchterne oder auch nur halbwegs seiner Sinne Mächtige hätte sehen können..."
"Tut mir Leid", sagte Boy.
Plötzlich blieb Valerian stehen und Boy rannte ihm in den Rücken. Er sah hinunter, Boy in die Augen.
"Na ja", sagte er, und seine Stimme wurde auf einmal ruhig, "na ja, ist nicht so wichtig. In Wirklichkeit."
Er ließ Boys Mantelschöße los und setzte seinen Weg fort. Es ging immer noch sehr schnell.
Boy hatte von Valerian schon für weniger Prügel bezogen. Noch verwirrter als ohnehin schon, sah er ihm eine Weile nur nach. Gleich würde Valerians hoch gewachsene Gestalt mit
den langen wehenden, bereits ergrauenden Haaren um die entfernte Straßenecke verschwunden sein. Obwohl Boy die Gegend kannte, bekam er es mit der Angst.
Hässliche Dinge geschahen neuerdings in der Stadt. Selbst in den besseren Vierteln war man seines Lebens nicht mehr sicher. Es hatte eine Menge Morde gegeben, und in den Kneipen und Gasthäusern, ja selbst den Salons und herrschaftlichen Häusern war kaum noch von etwas anderem die Rede. Die Morde zeichneten sich durch besondere Brutalität aus, manche Leichen waren vollständig ausgeblutet. Gerüchteweise war dafür eine geisterhafte Erscheinung verantwortlich - "Das Phantom". Außerdem waren auf einigen der zahlreichen Friedhöfe der Riesenstadt Gräber geplündert worden. Viele glaubten, beides hinge miteinander zusammen.
"He!", rief Boy. "Warte auf mich!"
Es war tiefe Nacht und sie befanden sich in einer der schlimmsten Gegenden der Stadt. Fast zu Hause.
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.